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Süntelbuchen-Projekt im Auetal Mehr Hexenholz

Über Projekte, die noch umgesetzt werden müssen, pflegen Bürgermeister in aller Regel nur sehr vorsichtig zu sprechen. Und so wählt auch Heinz Kraschewski seine Worte sorgfältig: Das Projekt habe gerade erst begonnen, man müsse nun „bedenken und formulieren“.

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Im Kurpark Bad Nenndorf findet sich die größte europäische Ansammlung an älteren Süntelbuchen.

Quelle: rnk

Auetal. Aber, so kündigt der Auetaler Verwaltungschef an, das Projekt soll in diesem Jahr angegangen werden.

 Wenn Kraschewski Projekt sagt, dann meint er damit Süntelbuchen. Sie findet sich auf dem Auetaler Wappen, wo die 16 Arme der Süntelbuche die 16 Ortsteile darstellen, die die Gemeinde bilden. „Und wer so ein Wappen führt“, sagt Kraschewski, „der sollte auch ein paar Süntelbuchen in seinem Gemeindegebiet vorweisen können.“

 Bislang ist es bekanntlich nur eine: Sie wächst dort, wo die Gemarkungsgrenzen von Hattendorf, Antendorf und Raden aufeinandertreffen. Und dabei handelt es sich um einen Platz, der jedem Touristen bedenkenlos gezeigt werden kann. Neben der sich doch prächtig entwickelnden Süntelbuche finden sich dort einige Hinweisschilder mit Erklärungen zu Herkunft und Geschichte. Es ist ein Lernplatz.

 An zwei weiteren Plätzen könnte sich Kraschewski vorstellen, Süntelbuchen anzupflanzen: oberhalb von Hattendorf, wo der Nabu Auetal sehr viel Fläche zur Verfügung hat, und auf dem alten Friedhof in Hattendorf selbst, als schönen Kontrast zur ebenfalls recht ehrwürdigen Kirche.

 Der Bürgermeister hat die Buchen-Pläne bislang nur im Verwaltungsausschuss angesprochen, aber eine Umsetzung scheint durchaus realistisch. Das hat mehrere Gründe. Zum einen hat der Naturpark Weserbergland mit Karl-Heinz Buchholz seit einem halben Jahr einen neuen Geschäftsführer, und beide kennen sich recht gut: Der ehemalige Bürgermeister der Stadt Rinteln war einst mit der Schwester von Kraschewski verlobt. Der Auetaler Verwaltungschef spricht von einem „Generationenprojekt“, da kann man nie genug Unterstützter haben.

 Kraschewski war jüngst bei einer Veranstaltung in Hannover und hat dort Kontakt zu Bürgermeistern aus dem Süntelraum aufgenommen und einmal nachgefragt: Habt Ihr Interesse, wenn wir im Auetal die Süntelbuche stärker in den Vordergrund stellen? Könnt Ihr helfen?

 Es wäre die Wiederkehr eines Baumes, den der Mensch viele Jahrzehnte nicht mochte. Man nannte es Hexenholz oder Krausbaum, und man verfluchte die Süntelbuche, wenn die Axt am harten Stamm einfach abfederte. Dann, vor 170 Jahren, machten die Bauern dem undurchdringlichen Wald am Nordrand des Süntel den Garaus: Bis auf wenige Exemplare wurden die knorrigen Bäume abgeholzt.

 Heute widmen sich Wissenschaftler den einst so verdammten Süntelbuchen. Im Süntelbuchen-Arboretum bei Bad Münder wird mit wissenschaftlicher Begleitung ein stabiler Bestand aufgebaut und der Erhalt dieser Buchenvariante gesichert. Langfristig betrachtet ist ein Gen-Archiv entstanden, die Möglichkeit der Saatgutgewinnung und der Umweltbildung.

 Denn natürlich gibt es Baumschulen in der näheren Umgebung, sagt Kraschewski weiter, die mit Süntelbuchen handeln und sie zum Preis von zehn oder 20 Euro verkaufen würden. „Aber das sind eben auch nur ganz kleine Exemplare.“ Daher hat er bei den Süntelfreunden in Bad Münder nachgefragt und eine klare Antwort erhalten: Ja, man würde gerne schon etwas größere Süntelbuchen abgeben – gegen eine kleine Spende.

 Denn der Freundeskreis Süntel-Buchen kümmert sich dort nicht nur um alle Pflegemaßnahmen, sondern im sogenannten Arboretum auch um die Nachzucht der Bäume. Es ist, nebenbei bemerkt, eine Erfolgsgeschichte der schönen Art: Der Freundeskreis betreut seit 2006 dieses Süntelbuchen-Arboretum. Es wurde vor rund 25 Jahren angelegt, um den Bestand der Buchen zu erhalten. Es wurden dort rund auf einer Fläche von 11000 Quadratmetern 1000 Setzlinge ausgebracht, von denen 96 übrig geblieben und zu Bäumen aufgewachsen sind.

 Auch in Hattendorf hat die Kirchengemeinde lange nach einer passenden Süntelbuche gesucht – „nicht zu klein, aber auch nicht zu groß“, erklärt Pastorin Antje Wachtmann. Schließlich ist auf dem alten Friedhof in den vergangenen Jahren von Ulrich Grupe viel gepflanzt worden. Es sind einheimische Bäume, und da passt eine Süntelbuche bestens.

 Mit Baumpfleger Grupe ist sie jetzt noch einmal den alten Friedhof abgegangen, um nach geeigneten Plätzen für eine Süntelbuche zu schauen, und es haben sich auch einige Bereiche gefunden, wo sich Wachtmann und Grupe eine Süntelbuche gut vorstellen können. „Kein Problem“, sagt die Pastorin, die sich vor dem Pflanzen allerdings mit dem Amt für Denkmalschutz in Verbindung setzen wird, denn dort muss der Pflanzort abgesegnet werden, weil die Außenansicht der Kirche unter Denkmalschutz steht. Eine Beeinträchtigung dieser Ansicht oder spätere Schäden durch eindringendes Wurzelwerk wären unschöne Begleitumstände einer schönen Idee. rnk

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