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Mensch Martin

Kathrinhagen / Vortrag Mensch Martin

Die berühmteste Tür dieser Welt kommt im Vortrag von Pastorin Dorothea Mecking nicht vor. Kein Satz, kein Wort darüber, dass der Mönch und Theologieprofessor Martin Luther am Tag vor Allerheiligen 1517 an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg 95 Thesen in lateinischer Sprache zu Ablass und Buße angeschlagen hat.

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Dorothea Mecking

Kathrinhagen. Stattdessen rückt die Theologin beim Gemeindenachmittag den Menschen Luther in den Mittelpunkt, der im Glauben lebte: heiter, gelassen, zuversichtlich.

 Dorothea Mecking beginnt ihren Vortrag im Jahr 1521. Am 17. April steht Luther vor dem Reichstag zu Worms den versammelten Fürsten und Reichsständen Rede und Antwort, er hat die individuelle Gewissensfreiheit im Hören auf die Bibel über autoritative Konsensentscheidungen der Bischöfe gestellt. Er wird zum Widerruf aufgefordert, lehnt ab und ist vogelfrei. Der Geächtete wird am Abend des 4. Mai 1521 auf der Eisenacher Wartburg festgesetzt, um ihn der Gefahr zu entziehen. Die Haare erhalten den Befehl, schnell zu wachsen, um die Tonsur zu verbergen, aus Martin Luther wird der Junker Jörg, der sich in die Arbeit stürzt: Er verfasst Schreibschriften und Musterexemplare für Predigten und übersetzt das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche. 1522 wird das Neue Testament gedruckt, es kostet zwei Kälber – und wird ein Bestseller, der durchs Land läuft, formuliert es Pastorin Mecking. Luther wird viele Bestseller schreiben, aber reich wird er durch sie nicht: Er nimmt keine Tantiemen, Freiexemplare besorgt er sich nur, wenn er sie verschenken möchte. Bei seinem Tod wird die Bibel in der 430. Auflage gedruckt, mehr als eine halbe Million Exemplare sind bis dahin verkauft.

 Ab 1527 bricht die Pest in Wittenberg aus, doch die Luthers entscheiden sich, dort zu bleiben und weiterhin die Vorlesungen zu halten – für die wenigen, die nicht fliehen. Luther verbirgt seine Zweifel nicht, erklärt Pastorin Mecking, aber er sieht in der Pest die Begegnung mit Gott, der das Antlitz Christi hat. Die Pest, die gehört zum Satan, denn die Verzweiflung treibt die Menschen weg von Gott.

 Am 14. Februar 1546 predigt Luther noch einmal, wenige Tage später stirbt er. Noch auf seinem Sterbebett bejaht Luther die Frage, ob er bei Christus und der von ihm gepredigten Lehre beständig bleiben wolle, laut und deutlich mit Ja. Was von Luther und seiner Frau bleiben wird, ist auch das Bild, das wir uns seitdem vom Pfarrhaus bilden, es wurde von den Luthers für Jahrhunderte geprägt: kinderreich, offen und hilfsbereit.

 Gesungen wird an diesem Nachmittag der Gemeinde auch, es gibt – natürlich – Luther-Lieder. Und wenn Dorothea Mecking nicht gefällt, was sie hört, weil das eine oder andere Lied eher ungewohnt ist, dann wird die erste Strophe eben noch einmal gesungen. Und noch einmal, diesmal aber Zeile für Zeile – und dann offenbart sich der Lohn der Mühe: Hübsche Kleinode, die Luther hier und dort hinterließ, jenseits von „Eine feste Burg ist unser Gott“. r

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