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Menschenhandel, Massenmord – und Halleluja

Auetal Menschenhandel, Massenmord – und Halleluja

Er hat keine Chance. Er wird erschlagen, hinterlistig – vom eigenen Bruder. Sein Motiv: Neid, Eifersucht und das Gefühl, immer zu kurz zu kommen.

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 Helga Frevert (l.) hat auch die passenden Bilder mitgebracht. Hier zeigt sie Susanna im Gartenbad. Das wäre beinahe böse ausgegangen.

Quelle: rnk

Auetal. Aus Enttäuschung wird Hass, dann tötet Kain Abel. Es ist das erste Gewaltverbrechen der Menschheit.

 Aber Gewalt und Verbrechen haben nicht das letzte Wort; diese tröstende Zuversicht verbindet den heutigen Krimi mit der Bibel. Die Heilige Schrift erzählt zahlreiche Geschichten über Verbrechen. Helga Frevert aus Krankenhagen wollte gestern beim Gemeindenachmittag in Rolfshagen einige vorstellen und hatte die Qual der Wahl: Was nehmen?

 Wie wäre es mit Menschenhandel? Immerhin wird Josef von seinen Brüdern als Sklave nach Ägypten verkauft.

 Oder Mord und sexuelle Nötigung? König David nimmt sich die schöne Nachbarin Batseba und schmiedet gegen deren Mann Urija ein Mordkomplott.

 Oder doch besser das Massaker an Bethlehems Säuglingen, das König Herodes befahl? Nein, Frau Frevert stellt nach Kain und Abel die keusche Susanna vor, die von zwei älteren Richtern, die sie begehren, vor die Wahl gestellt wird: Entweder Du gibst unserem Begehren nach – oder wir erzählen, dass wir Dich mit einem jungen Mann beim Ehebruch gesehen hätten. Erpressung und Verleumdung also, aber Susanna bleibt standhaft und wird vom jungen Daniel in letzter Sekunde herausgehauen – noch heute leben von diesem dramaturgischen Aufbau einer Geschichte ganze Legionen von Krimischriftstellern.

 Die biblischen Kriminalfälle stehen für das Böse, zu dem Menschen fähig sind. Ob Wut, Rache, Gier, Eifersucht oder Hass: Die Bibel-Thriller beschreiben in Grundmustern die niederen Beweggründe, aus denen Verbrechen begangen werden. Aber auch die Bibel legt Wert auf ein Happyend, am Ende wird das Böse überführt, schließlich steht Gott für Gerechtigkeit ein.

 So wie im Mordfall Abel: Kain wird von Gott als Täter überführt und bestraft. Denn Krimis, auch schon in der Bibel, sind problemlösungsorientiert – alles wird gut, selbst wenn Gott als aufklärender und die Strafe bestimmender Kommissar ein Wunder bemühen muss – Halleluja.

 Beim Gemeindenachmittag liest Helga Frevert die Geschichte von Abimelech vor, der die Oligarchie im Stadtstaat Sichem zwingt, ihn als militärischen Führer anzuerkennen. Ausgestattet mit Geld aus der Tempelkasse, heuerte er eine Söldnertruppe an und bringt seine eigene Verwandtschaft rücksichtlos um, damit er herrschen kann. Durch Kämpfe vergrößert er sein Gebiet, ehe eine Frau ihm bei einer Burgbelagerung einen Mühlstein auf den Kopf wirft. Da Abimelech nicht als Herrscher in Erinnerung bleiben will, der von einer Frau erschlagen wurde, bittet er seinen Waffenträger, ihm den Gnadenstoß zu gewähren. „Gott lässt das Böse auf ihn selbst zurückfallen“ erklärt Frau Frevert, die mit ihrer warmen Klangstimme eine ziemlich perfekte Vorleserin ist.

 Unterschlagung, Diebstahl, Erpressung, Verleumdung, Betrug, Landraub, sexuelle Nötigung – alles findet sich in der Bibel. Und dass ausgerechnet der Vorvater Jesu Christi, König David, ein Ehebrecher und skrupelloser Mörder ist, hat Menschen zu allen Zeiten bewegt und auch irritiert. Ein Mann (Jacob) betrügt auf hinterlistige Weise seinen Vater und seinen Bruder, um sich den Doppelanteil am Erbe des Vaters zu sichern. Eine Frau (Rahab) verrät als Kollaborateurin die eigene Volksgruppe mit einer folgenschweren Lüge, um sich und ihre eigene Familie zu retten. Herodes befiehlt aus Angst vor bedrohlicher Konkurrenz und Machtverlust seinen Soldaten, alle Jungen unter zwei Jahren in einem bestimmten Bezirk seines Landes zu töten. Eine Familie mit einem neugeborenen Kind kann dem vom Regenten angeordneten Massenmord gerade so entkommen – „Beispiele, die die in Sachen Spannung, Psychologie und Moral genau so viel zu bieten haben wie Krimis unserer Tage“, sagt Frau Frevert. Denn die Bibel, das ist eben auch eine Kriminalgeschichte der Menschheit. Und wenn es zuweilen bei den Bibelkrimis ab und an im dramaturgischen Gebälk ein bisschen knirscht, dann ist auch der Bogen in die Krimimoderne geschlagen, denn dieses Problem haben die Autoren ja zuweilen auch heute noch

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