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Mit wieselhafter Beschleunigung

Oldtimer-Verein hat Zulauf Mit wieselhafter Beschleunigung

Mit aktuell fast 600 Mitgliedern sei die vor 35 Jahren von zwölf Fans der Automarke NSU gegründete „NSU-Prinz-IG von 1980“ mittlerweile der größte gemeinnützige NSU-Fahrer-Verein Deutschlands, berichtet Wilfried Ribbe, der Geschäftsführer und Vize-Vorsitzende der Interessengemeinschaft (IG), um stolz hinzuzufügen: „Und wir sind immer noch am Wachsen – pro Jahr um fünf bis zehn Prozent."

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Rund 800 Arbeitsstunden hat Monika Ribbe in den Bau des mit Flügeltüren aufwartenden „NSU Scirocco“-Modells gesteckt.

Quelle: wk

Hattendorf. Eine Erklärung für diese positive Entwicklung hat er selbstverständlich auch parat: „Es sind sehr viele Leute, die sich durch die Anschaffung eines Oldtimers die Jugend zurückholen.“

Für einen NSU spreche dabei, dass diese Fahrzeuge zu vergleichsweise günstigen Preisen am Markt gehandelt werden, wenngleich man für manche Modelle freilich auch einen größeren Geldbetrag auf den Tisch legen muss. Einen gut erhaltenen NSU Prinz 4 beispielsweise bekomme man schon ab rund 5000 Euro, weshalb dies ein interessantes Fahrzeug „für den Einstieg in die Oldtimer-Szene“ sei. Demgegenüber müsse man für einen NSU Sport-Prinz in Top-Zustand, von dem seinerzeit nur etwas mehr als 20800 Fahrzeuge hergestellt wurden, um die 15000 Euro berappen. Und eine Rarität wie der damals in einer Stückzahl von gerade mal 2375 Exemplaren aufgelegte NSU Wankel Spider habe da einen noch ganz anderen Wert.

Was auch nicht außer Acht zu lassen ist, ist der Aspekt, dass nur wenig Spezialwerkzeug erforderlich ist, um an einem NSU-Motor zu schrauben, betont der Hattendorfer. Denn dies macht es – ein gewisses technisches Verständnis vorausgesetzt – relativ leicht, diese Antriebe zu restaurieren und zu warten.

 Wilfried Ribbe selbst hat im Laufe der Jahrzehnte übrigens zirka 50 NSU-Fahrzeuge besessen. Viele davon dienten ihm allerdings lediglich zum Ausschlachten respektive als Ersatzteilträger für jene seiner Pkw, die es noch lohnten, Geld und Mühe in diese zu investieren, um aus den betagten Automobilen wieder echte Schätzchen zu machen.

„Zeitweise standen bei mir bis zu 15 Autos gleichzeitig auf dem Hof“, verdeutlicht er seine Leidenschaft, die im Jahr 1974 mit dem Erwerb eines gebrauchten Prinz 1000 (Baujahr 1965, 40 PS) begonnen hat. 50 Mark – umgerechnet ungefähr 25 Euro – hatte das gute Stück gekostet, wobei der dazugehörige Motor nicht im Motorraum, sondern in einer vom Vorbesitzer mitgelieferten Bananenkiste lag. Für Wilfried Ribbe war dies kein Problem: „Ich habe mir einfach ein Werkstatthandbuch gekauft und das Auto zusammengebaut“, verrät er. „Inklusive Ersatzteile vom Schrottplatz hatte ich dann für 100 Mark ein funktionsfähiges Auto.“ Zum Vergleich: „Ein gebrauchter Käfer mit zwei Jahren TÜV kostete damals zirka 800 Mark, während ein NSU für nur 300 Mark schwer an den Mann zu bringen war.“

Zur Gründung der NSU-Prinz-IG kam es schließlich, nachdem sich – so deren Geschäftsführer – in den siebziger Jahren allmählich Probleme mit der Ersatzteilversorgung eingestellt hatten, da keine neuen NSU mehr produziert wurden und die Schrotthändler mangels ausreichender Nachfrage nach Ersatzteilen keine NSU mehr zum Ausschlachten vorhielten. Die Bildung eines Netzwerkes mit anderen NSU-Fahrern war da die Lösung, um sich gegenseitig mit Ersatzteilen auszuhelfen und sich überdies bei Fragen rund um die Reparatur und Restauration der alten Fahrzeuge weiterzuhelfen. Inzwischen sind es aber auch die sonstigen Vereinsaktivitäten, die die Mitglieder zusammenhalten und die NSU-Prinz-IG interessant machen. So etwa die großen überregionalen Vereinstreffen sowie die zum Teil monatlichen regionalen Stammtisch-Treffen, bei denen reichlich „Benzin“ geredet wird.

 Wilfried Ribbe nennt heute nur noch einen NSU sein Eigen, der aber ist ein ganz besonderes Gefährt – und zwar ein 1983 von ihm selbst zu einem Pick-up-Modell umgebauter Prinz 1000. Momentan ist der Oldtimer jedoch eingemottet und müsste eine neue Vorderachse verpasst bekommen, wozu der Hattendorfer aber noch nicht gekommen ist. Verkaufen kommt für ihn allerdings auf keinen Fall infrage, denn dafür hängt sein Herz einfach viel zu sehr an diesem Einzelstück.

Einzelstück? Ja und nein! Zumindest im kleinen Maßstab 1:43 gibt es den orangefarbenen Pick-up noch einmal – originalgetreu nachgebaut von Monika Ribbe, die wie ihr Ehemann vom NSU-Virus infiziert ist: So um die 500 bis 600 Arbeitsstunden hat sie benötigt, um den Mini-Pick-up zu erstellen. Ohne vorgefertigte Bauteile, ohne Bauplan und ohne Schablonen, wohlgemerkt. Statt dessen formte sie die Karosserie aus einer dünnen Kupferfolie, auf die sie dann kleine Mengen Lötzinn auftrug. War der erhärtet, feilte und schleifte sie hier und da an dem Rohling herum, um danach wieder an bestimmten Stellen neues Lötzinn aufzubringen, zu feilen, zu schleifen, und so weiter und so fort. Zwischendurch kontrollierte sie immer wieder mit kritischen Blicken, ob die Linienführung der Karosserie stimmte, um an den noch verbesserungswürdigen Stellen gezielt nachzuarbeiten. Mit viel Liebe zum Detail und ebenso viel Ausdauer bastelte sie so ein kleines Modellfahrzeug, das dem großen Vorbild rein optisch in Nichts nachsteht. Die winzigen Scheiben des Mini-NSU-Pick-ups hat die gelernte Elektromechanikerin dabei aus einem Stück Kunststofffolie geformt, das sie über einem heißen Lötkolben erwärmt und dann entsprechend zurechtgebogen hatte.

Auf diese Weise entstand zudem – ebenfalls im Maßstab 1:43 – ein mit aufklappbaren Flügeltüren ausgestatteter NSU Scirocco, bei dem es wegen dieses technischen Details und der zusätzlich nachgebildeten Innenausstattung sogar rund 800 Arbeitsstunden dauerte, bis Monika Ribbe ihn fertig hatte. Ferner ein NSU Prinz II, wie sie ihn in in den Jahren 1985 bis 1993 selbst gefahren hatte: „Bei diesem Fahrzeug kann ich sagen, das mir die Form wirklich schon vertraut war“, verrät sie. „Trotzdem habe ich aber auch bei diesem Modell immer wieder am Original nachgemessen und mir Fotos angeschaut, um die Karosserie genau hinzubekommen.“

Bleibt noch zu erwähnen, dass Monika Ribbes erster NSU Prinz ein „Sport-Prinz“ war, dem ein damaliger Werbeslogan „Muntere 30 PS mit gemsenhaftem Bergsteigevermögen und wieselhafter Beschleunigung“ zugesprochen hatte.

Weitere Informationen zum Verein NSU-Prinz-IG von 1980 finden sich im Internet unter www.nsu-ig.de.

So sieht er aus, der zum Pick-up umgebaute und derzeit in einer Garage eingemottete NSU 1000 von Wilfried Ribbe, den dessen Ehefrau Monika Ribbe aus Spaß an der Freude im kleinen Maßstab 1:43 (Bild) nachgebaut hat. wk

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