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Mütter fühlen sich im Stich gelassen

Schulbegleiter für Kinder Mütter fühlen sich im Stich gelassen

Kinder werden immer schwieriger, und Verhaltensaufälligkeiten haben erheblich zugenommen. „Schule kann hier nur unterstützen. In vielen Fällen reicht das nicht aus. Einige Kinder brauchen Schulbegleiter, um den Schulalltag zu bewältigen“, weiß Carl Gundlach, Leiter der Auetaler Grundschule.

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Schulbegleiter sind für Eltern mit verhaltensauffälligen Kindern eine Entlastung und für die Kinder eine große Hilfe im Schulalltag.

Quelle: tol

Rehren. „Politiker machen die Förderschulen dicht, wollen Inklusion, aber lassen Kinder, Eltern und Schule alleine“, bemängelt Gundlach. „Es ist fünf nach zwölf. Wir brauchen für diese Kinder Schulbegleiter.“

Zwei Fälle beschäftigen Gundlach an der Grundschule in Rehren derzeit besonders. Zum Einen der sechsjährige Leon (Name von der Redaktion geändert), der am 5. August eingeschult wurde. Bei dem Erstklässler wurde ADHS diagnostiziert, und es besteht der Verdacht auf Autismus. Er ist seit Langem in ärztlicher Behandlung. Dem Unterricht zu folgen, das gelingt Leon höchstens in den ersten beiden Stunden, dann werden ihm der Krach und die Unruhe zuviel. „Leon rastet dann aus oder läuft weg. Das ist gefährlich, weil er unkontrolliert auf die Straße laufen kann“, erklärt die besorgte Mutter. Christine Bach (Name von der Redaktion geändert) begleitet ihren Sohn deshalb täglich zur Schule und sitzt von 8 bis 12 Uhr in der Aula und wartet darauf, wann sie eingreifen muss.

Bereits im April hatte die Mutter einen Antrag auf eine Schulbegleitung gestellt und alle notwendigen Unterlagen eingereicht. „Selbstverständlich war ich davon ausgegangen, dass der Schulbegleiter zum Schulstart auch genehmigt ist und meinen Sohn begleitet“, so Bach.

Ringen um den Schulbegleiter

Schon oft hatte die junge Mutter beim Landkreis nachgefragt, ob und wann ein Schulbegleiter bewilligt und eingesetzt würde.

Auch Gundlach hatte sich schon für Leon eingesetzt, aber nichts geschah. „Der Sachbearbeiter sei neu, dann war er krank, und danach sei er im Urlaub gewesen, habe ich als Auskunft bekommen“, so Gundlach.

Erst als sich die Mutter an die Lokalpresse gewandt hat und unsere Zeitung nachgehakt hat, kam Bewegung in die Sache. Innerhalb nur eines Werktages kam die Zusage vom Jugendamt des Landkreises für eine Schulbegleitung für Leon. Die Freude bei der Mutter war riesig, wurde dann aber getrübt, weil zunächst ein Schulbegleiter gefunden werden muss. Eine ganz schnelle Lösung gab es also nicht. Besonders tragisch: Inzwischen hat die junge Frau einen Schlaganfall erlitten und liegt in der Klinik. Nun begleitet die Oma den Erstklässler und sitzt am Vormittag in der Schule.

Jahrelanges Warten

Auch Astrid Pauli und ihr zehnjähriger Sohn David (beide Namen geändert) warten noch immer auf einen Schulbegleiter. „Mein Sohn hat ADHS und bekommt Medikamente. Ich hatte so auf Unterstützung durch einen Schulbegleiter gehofft, habe alle Unterlagen beim Jugendamt des Landkreises eingereicht, aber seit drei Jahren warte ich vergebens auf eine positive Nachricht“, so Pauli. Der Klassenlehrer habe ihr gesagt, dass David deutlich mehr in der Schule erreichen könnte, wenn er eine Begleitung hätte. „So ist er auf dem Stand eines Zweitklässlers“, bedauert Pauli.

Kreisrätin Katharina Augath erklärte gegenüber unserer Zeitung, dass diese Entscheidungen nicht einfach mal so gefällt werden. „Hier wird im Jugendamt fachlich hochwertige Arbeit geleistet.“

Die Prüfung sei zweistufig. Zunächst müssten Fachärzte die Kinder einstufen und bescheinigen, dass deren seelischer Gesundheitszustand mehr als sechs Monate lang von denen Gleichaltriger abweicht. Dann prüfen Sozialarbeiter des Landkreises, ob die Teilhabe der Kinder oder Jugendlichen am gesellschaftlichen Leben beeinträchtigt ist oder das zu erwarten ist.

Etliche Prüfungen nötig

„Das ist ein langwieriger Prozess, und das muss verantwortungsvoll geprüft werden“, so Augath. Die Sichtweise der Eltern könne sie verstehen, aber die Prüfung durch Gutachter, Ärzte und Sozialarbeiter sei unerlässlich.

Die Kreisrätin räumte aber ein, dass gerade zum Schuljahresbeginn sehr viel im Jugendamt zu tun sei. „Wir haben eine deutlich erhöhte Nachfrage zu Eingliederungshilfen, Schulbegleitern und Integrationshilfen“, so Augath. Die Belastung der Mitarbeiter des Jugendamtes sei sehr hoch. Trotzdem würden alle Anträge gewissenhaft und ohne Verzögerungen bearbeitet.  la

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