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Nabu Auetal – kein Anlass zur Auflösung

Arbeit auf Wiese und Feld Nabu Auetal – kein Anlass zur Auflösung

Christian Höppner hat eine klare Vorstellung von dem, was der Baggerfahrer machen soll: Mit der Schaufel die obere Schicht der Wiese zu sich ziehen, ablagern und dann die Schaufel tief in den Boden rammen und das Erdreich auf der anderen Seite der Furche zu einem kleinen Wall aufschichten.

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Mit dem Schauffelbagger werden oberhalb und unterhalb des Himmelsteiches kleine Tümpel geschaffen.

Quelle: rnk

Hattendorf. Und siehe, beim zweiten Griff in den Untergrund kommen vor allem Steine nach oben. Steinreich also ist der Auetaler Nabu, der hier oben eine große Wiese und ein Feld sein Eigen nennt, aber dieses (alte) Wortspiel greift in diesem Fall gleich doppelt, aber dazu gleich mehr.

Es ist schon über fünf Jahre her, da stand an diesem Platz der Auetaler Nabu-Vorsitzende Rolf Wittmann und erläuterte, wie rund um einen Teich auf dieser Wiese, einen Himmelsteich, weil er nur vom Regen gefüllt wird, wie hier ein kleines Paradies für den Schwarzstorch geschaffen werden soll. Fünf Jahre später sind die Ansprüche gewachsen.

Bei Raden, hatte Wittmann damals erklärt, brüte seit vielen Jahren ein einzelnes Schwarzstorchpaar, doch in der Vergangenheit seien einige der ehemaligen Nahrungs- und Wasserflächen, die von dem Paar nachweislich genutzt wurden, durch verschiedene landwirtschaftliche, forstliche und landschaftspflegerische Maßnahmen sowie natürliche Entwicklungen verloren gegangen.

Aufgrund dieser Umstände, so erzählt Wittmann, „ist zu befürchten, dass das Paar seinen bisherigen Brutstandort hier in Zukunft aufgeben könnte“. Zudem werde möglicherweise eine Ansiedlung weiterer Paare in der umliegenden Waldfläche, die hierfür als Bruthabitat ausreichen könnte, verhindert, da es an ausreichendem Nahrungshabitat für Neuansiedlungen mangelt. Oberhalb von Hattendorf, so hatte Wittmann damals erklärt, würden in dem Teich auch Molche leben, für den Schwarzstorch wären sie ein Festessen.

In den vergangenen Tagen hat Höppner den Teich großzügig frei schneiden lassen, hat den Bereich des Himmelsteiches großzügig von Büschen und Bäumen befreien lassen, denn die meisten Amphibien mögen ihr Wasser badewannenwarm: Fehlt das Sonnenlicht, dann fehlt die Aufwärmung und der Teich wird nicht oder wenig genutzt.

Zwei Tage hat Christian Höppner nun am vergangenen Donnerstag und Freitag die Arbeiten auf der Wiese und auf dem Feld überwacht, angelegt wurden neue Tümpel, es sind nun vier und viele kleine Tümpel in Form von Radspuren, sogenannte Blänken: flache natürliche Wasseransammlungen mit periodisch wechselndem Wasserstand – volkstümlich gerne als Tümpel bezeichnet.

„Es sind Versuche, um mal zu sehen, wo das Wasser stehen bleibt; es ist ein bisschen wie bei Jugend forscht“, hat Wittmann auf der Jahresversammlung des Nabu am Sonnabend das Projekt beschrieben; man werde erst im Lauf der Zeit sehen, wie sich das Projekt entwickle.

Dass der Nabu dort oben ein ziemlich großes Feld und eine ebenso große Wiese kaufen konnte, lag an dem Verkäufer: „Er hat uns ein Angebot gemacht, das wir nicht ablehnen konnten“, meint Wittmann: „Er hat auf viel, viel Geld verzichtet.“ Und so etwas erhalten: Eine wunderbare Wiese und einen Acker, auf dem eben kein Mais angepflanzt wird. Die Wiese soll beweidet werden, der Teich wird eingezäunt.

Eine Störung für die dort lebenden Tiere, etwa Rehe, sah Wittmann durch die Beweidung nicht: Bruno Scheel vom Nabu Kreisverband habe durch Fotofallen im Steinbruch Liekwegen Bilder geschossen, die zeigen würden, wie die dortigen Pferde von den Rehen besucht würden – friedliche Koexistenz werde es in Hattendorf und auch in Borstel geben.

Und der Acker, er könnte ein Schutzacker werden, berichtet Wittmann in der Versammlung, also ein ähnlicher Acker, wie er ein paar Hundert Meter zu finden ist. Mitte 2010 wurde an dieser Stelle der erste niedersächsische Schutzacker eröffnet. Dort wachsen Ackerwildkräuter oder Segetalarten, die die europäische Kulturlandschaft seit Beginn des Ackerbaus in der Jungsteinzeit schon begleiten.

Sie treten gemeinsam und ohne bewusstes Zutun des Menschen mit den Nutzpflanzen auf und sind als zumeist einjährige Arten an diese sowie die regelmäßige Störung durch die Bodenbearbeitung, Pflege und Ernte der Kultur angepasst. Der Landwirt schätzte sie nie, lernte aber durch geeignete Maßnahmen die Schädlichkeit dieser Kulturfolger zu reduzieren. Mit dem Aufkommen chemischer Bekämpfungsmittel, den Herbiziden, wurde ihm ein Instrument in die Hand gegeben, Ackerwildkräuter erstmals umfangreich und mit verhältnismäßig geringem Aufwand zu bekämpfen.

So nahm ihre Verbreitung seit den 1960er Jahren radikal ab, insbesondere die der zahlreichen, wegen ihrer Kleinheit, Kurzlebigkeit und geringen Konkurrenzkraft auch früher kaum als besonders schädlich angesehenen Arten.

Jetzt, so stellt Wittmann fest, „ist der Boden absolut tot.“ Da wächst nichts mehr, keine Kräuter, keine Blumen, absolut nichts auf acht Hektar Ackerland. Zum Herbst wollen die Mitglieder die Ärmel hochkrempeln und dort Hecken pflanzen, und eingesät werden soll dann auch, doch ein zweiter Schutzacker bliebe auf jeden Fall einsichtbar, „die Leute sollen die Schätze ja auch sehen“, so Wittmann.

Die Kosten wird die Ortsgruppe übernehmen, weil sie das Geld nicht auf der Bank parken will, sondern seit jeher in Objekte und Projekte investiert, und Angst vor der Arbeit und dem steinreichen Gelände hat Wittmann auch nicht: „Wir haben Spitzhacken in unsere Ausrüstung. Und es ist ja auch nicht die erste Fläche, der wir so zu Leibe rücken.“

Ob allerdings die Mitglieder gleich in Scharen zum Arbeitseinsatz pilgern werden, ist fraglich. Vorbei die Zeiten, als mit vielen Ehrenamtlichen die Schiefe Lanner gemäht werden konnte, und auch zur Jahresversammlung fanden sich gerade einmal rund 15 der 247 umfassenden Auetaler Nabu-Gruppe ein.

Aber mit all diesen Plänen, so Wittmann, sei auch klar, dass sich die Ortsgruppe nicht auflösen werde. Aus Sicht eines Naturschützers ist das natürlich schade, denn Wittmann bezog sich auf seinen Vorgänger Bruno Scheel, der einst erklärt hatte: „Wenn alles getan ist, was Naturschützer tun können, wenn alles gut ist, dann lösen wir uns auf.“ rnk

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