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Raden Platz für alle

Dass der Ernteumzug für die Radener Kinder schnell hinaus in die Natur führte, über holprige Feldwege und vorbei an Vieh- und Pferdeweiden, es hat einen ganz schlichten Grund: Das Dorf ist winzig, und es führt nur eine Straße hinein und wieder hinaus.

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Quelle: cok

Raden. Winzig war auch der Umzug, ja, die Frage ist, ob man überhaupt von einem „Umzug“ sprechen kann, wenn daran nur ein einziger Wagen beteiligt ist. Egal: Alle knapp 20 Kinder des 80-Einwohner-Ortes passten locker in den hübsch geschmückten Planwagen der „Dorfgemeinschaft“, und wo auch immer sie auf ihrer rumpeligen Fahrt durch Feld und Wiese Spaziergängern begegneten oder auf einem etwas abgelegenen Gehöft ein Mensch zu ihnen herüberblickte, winkten sie fröhlich, und man winkte erfreut zurück.

 Allzu viel ist nicht los im Ort, für die Erwachsenen nicht und auch nicht für die Kleinen – da ist so ein Kinder-Ernteumzug eine echte Sensation. Ortsvorsteher Friedhelm Sassenberg scheint so glücklich wie ein Familienvater, der gerade die Tür zum Weihnachtszimmer freigegeben hat. Zusammen mit fleißigen Helferinnen aus dem Dorfgemeinschafts-Verein hat er nun zum dritten Mal das kleine Erntefest vorbereitet und dafür seine Scheune zur Verfügung gestellt, wo Tische und Bänke zum gemütlichen Kaffeetrinken einladen, selbst gebackener Kuchen auch die Senioren des Dorfes anlockt und ein großer Strohhaufen die Kleinen zum Herumtollen animiert.

 Raden hat keinen Schützenverein und keine freiwillige Feuerwehr mehr, keinen Spielplatz und keinen Kindergarten. „Aber immerhin können unsere Kinder fast ohne Sorge auch mitten auf der Straße spielen“, meint der Ortsvorsteher. Vorsicht ist höchstens vor Leuten wie den beiden Motorradfahrern geboten, die gerade durchs Dorf fahren, weil sie eine schön kurvige Fortsetzung der Straße erwarten, und die gleich wieder zurückkehren, da am Ende der Straße nur die „Auetaler Geflügelfarm“ liegt und davor ein Wendeplatz. Zwei Kilometer ist es bis nach Antendorf, und die können im Winter durchaus eine Herausforderung auch für geübte Fahrer sein.

 Aber schön, so wunderschön liegt die Landschaft ringsum. Schnell führen Feldwege in die Höhe, zum „Steinsche“, der Anhöhe, von der aus man bis zum Steinhuder Meer und den „Kali-Berg“ blicken kann. Die herbstlich umgepflügten Äcker sehen aus, als hätte man dort statt Saatgut großzügig Steinchen ausgesät.

 Auf der einstündigen Fahrt mit dem Erntewagen, auf und ab, gucken selbst die kleinen Kinder immer wieder fasziniert hinaus in die Weite, während Treckerfahrer Maik Peter selbst die engsten Kurven ganz gelassen bewältigt.

 Friedhelm Sassenberg ist ein eingeborener Radener, ebenso wie die Mehrzahl der anderen Einwohner. Vor zwanzig Jahren kamen ein paar Berliner in den Ort, und natürlich sind sie immer noch die „Zugezogenen“, was nicht heißt, dass es nicht freundschaftliche Beziehungen gäbe, bis hin zur einen oder anderen Heirat. Wie jetzt alle in der Scheune zusammensitzen, könnte man meinen, es würde ein Familienfest gefeiert. Man nutzt es aus – auch vor dem gegenüberliegenden Partyservice Tegtmeier –, dass mal im Ort selbst ein Fest gefeiert wird.

 „Früher gab’s ja noch den Tanz in den Mai“, meint eine ältere Frau. „Das sollten wir mal wieder machen.“ Bonbons wurden übrigens nicht geworfen bei diesem Ernteumzug. „Wieso auch“, meint Sassenberg. „Die Kinder sitzen ja alle im Wagen – da könnten wir höchstens von außen Bonbons reinwerfen.“ Es gibt aber keine Süßigkeiten während der Fahrt. Sie ist ein Gewinn in sich selbst. Nur danach, da erobern sich die Jungs und Mädchen das Kuchenbüfett. Und sie werden bestimmt drängeln, dass das nächste Erntefest nicht erst in fünf Jahren stattfindet. cok

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