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„Qualifikation ist unser Alleinstellungsmerkmal“

Rehren / SPD-"Spaziergänge" „Qualifikation ist unser Alleinstellungsmerkmal“

Seit 27 Jahren ist er selbstständig, seit einem Vierteljahrhundert wird in seiner Firma ausgebildet, 21 fest angestellte Mitarbeiter beschäftigt Fred Tünnermann, dazu kommen bei Bedarf noch Leiharbeiter. Soll heißen: Der Mann weiß, wovon er redet. Und er nimmt kein Blatt vor den Mund, was ein Gespräch ebenso erfrischend wie zuweilen unerwartet verlaufen lässt.

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Seit 27 Jahren ist er selbstständig, seit 25 bildet er aus: Elektromeister Fred Tünnermann hat sich jetzt mit der Politik getroffen – und die eine oder andere unbequeme Wahrheit ausgesprochen.

Quelle: la

Rehren (rnk). Und daher hören Rüdiger Teich, Hans-Jürgen Bethge und Stefan Weber von der SPD-Fraktion sowie Karsten Becker als SPD-Landtagskandidat auch sehr viel zu in diesem Gespräch, das die Sozialdemokraten gesucht haben. Denn die SPD hat im Auetal einen echten Renner: Das sind die Spaziergänge durch die Orte, bei denen sich die Genossen Probleme ansehen und anhören, die dann oft recht unbürokratisch behoben werden können. Die SPD als Kümmerer-Partei, die SPD als Partei der ganz normalen Menschen – ein Auetaler Erfolgskonzept, das jetzt vom Bürger auf die Firmen ausgedehnt wird. Nach der Firma Wendt in Rolfshagen wird Elektromeister Fred Tünnermann in Rehren besucht.

 Gebäudeinstallationen, Telekommunikation, Netzwerktechnik, Wärmepumpen, Photovoltaik, E-Check, Satellitenanlagen und herstellerübergreifende, in der Gebäudeleittechnik führende europäische Installationsbusse, die im gesamten Haus elektrische Verbraucher schalten, regeln und überwachen. Mit dem Elektriker, den die meisten Menschen noch vor ihrem Auge haben, hat das Berufsfeld jetzt nicht mehr viel zu tun, erklärt Tünnermann: Der Elektriker von heute ist ein spezialisierter Fachmann; mit seinem Meistertitel deckt er selbst heute sieben Ausbildungsfächer ab. Von seinen Mitarbeitern läuft ein Drittel heute nicht mehr mit Hammer und Meißel über die Baustelle, sondern mit dem Laptop. Auch der Kundenkreis hat sich geändert, und zwar gewaltig: Wer heute zwischen 20 und Ende 40 ein Haus baut, der ist mit der modernen Technik aufgewachsen und hat sie längst in seinem Leben integriert – und gibt bei den Elektroinvestitionen in seinem neuen Haus auch mal bis zu 50000 Euro aus, damit alles auf dem neuesten Stand ist. „Dafür wird die Badewanne eine Nummer kleiner“, erklärt Tünnermann. Der technisch versierte Häuslebauer will die Heizung regeln, die Alarmanlage verwalten oder die komplette Beleuchtung des Hauses ein- oder ausschalten – und hätte den Zugriff am liebsten über das Internet, und zwar weltweit. „Kein Problem“, sagt Tünnermann, seine Leute sind so geschult, dass alles machbar ist.

 Das alles hat durchaus seinen Preis: Ein Lehrgang für einen seiner Angestellten kostet schnell einen Betrag im mittleren vierstelligen Bereich. Und dann? Dann kommt die Industrie, legt ein paar Hunderter oder auch einen Tausender auf das Monatsgehalt drauf – und der Kollege hat einen neuen Job in einer anderen Stadt. „Es liegen Welten zwischen dem Beruf des Elektriker vor zehn, 15 Jahren und den heutigen Anforderungen“, sagt Tünnermann. Aber was soll man machen? „Die Qualifikation ist unser Alleinstellungsmerkmal.“

 Auch wenn Tünnermann durchaus nicht mit allem einverstanden ist, auch wenn er hier etwas zu bemängeln und dort etwas anzumerken hat: Es läuft gut. Von Lauenau bis Hannover hat er einige Objekte gemacht, die Mund-zu-Mund-Propaganda sorgt dafür, dass es an Anfragen nicht mangelt. Darf es auch nicht, sagt er: „Morgens um Viertel nach sieben muss der Hof leer und meine Mitarbeiter müssen auf dem Weg zur Arbeit sein“, erklärt er. Dann ist es natürlich nachvollziehbar ärgerlich, wenn ein falsch parkender Lastwagen die Ausfahrt versperrt; das kostet Zeit und damit bares Geld.

 In den vergangenen drei Jahren hat er jeweils zwei Auszubildende eingestellt. Aber viele sind es ja nicht mehr, die heute noch Elektriker werden wollen. Die 50 Fachbetriebe im Landkreis freuen sich schon, wenn es überhaupt vier, fünf Azubis gibt. Bezahlt wird in seiner Firma generell übertariflich, das gehe heute auch gar nicht mehr anders, wenn man die Leute an den Betrieb binden wolle. Über seine Mitarbeiter kann Tünnermann nichts Schlechtes sagen, ganz im Gegenteil: „Wir haben vielen die Möglichkeit gegeben, etwas aus sich zu machen. Und sie müssen auch mal Fehler machen dürfen. Dann wird darüber geredet – und weiter geht’s.“

 Umgezogen ist er in diesem Jahr, aus dem beengten Räumen in Rolfshagen nach Rehren. Finanzielle Unterstützung durch Landkreis und Land hat er dafür rnicht in Anspruch genommen. Aus mehreren Gründen: Erstens steckt in dem neuen Betrieb in Rehren wenig Fremdkapital, zweitens hat er mit seinen Leuten viel selbst gemacht, und drittens hat er mal die notwendigen Dokumente für die Unterstützung durchgesehen: Ein Wochenende lang, so dick war der Stapel, und Tünnermann zeigt mit zwei Fingern eine zehn Zentimeter umfassende Spanne: „Da hab ich es sein gelassen, das steht in keinem Verhältnis. Das lohnt einfach den Aufwand nicht.“

 Und der neue Energiemarkt? Photovoltaik? Erneuerbare Energien? Da fehlen die Fachleute in der Politik, so Tünnermann: „Du gibst dem Kunden heute ein Angebot, und übermorgen sieht alles wieder anders aus.“

 Und das Auetaler Gewerbegebiet? Die Lage zur A2 ist gut, könnte aber besser sein, meint Tünnermann, so wie in Luhden – denn: „Die kapitalkräftigen Betriebe, die sich in Luhden angesiedelt haben, die könnten auch hier im Auetal sein.“ Und sie würden eine Lösung für eine zentrale Aufgabe anbieten: „Wenn hier eine Weiterentwicklung stattfinden soll, müssen wir den Leuten was bieten.“ Damit sind Arbeitsplätze gemeint, erklärt Tünnermann: „Und das schaffen wir im Auetal nicht.“

 Aber generell, so erklärt der Elektromeister mehrmals, generell ist er gerne hier. Andere Standorte kamen bei der Frage nach einem Umzug nicht infrage, da fehle die Nähe zur Autobahn. Außerdem wollte er auch im Landkreis Schaumburg bleiben.

 Und Sorgen braucht er sich auch nicht groß machen, denn die Elektrobranche ist aus seiner Sicht eine klare Zukunftsbranche – und die Nachfolge in seiner Firma längst geregelt. Aber es gibt auch Tage, da sagt sich der selbstständige Elektromeister: Er ist jetzt 55. In sieben Jahre möchte er die Verantwortung für einen mittelgroßen Betrieb an seinen aufgebauten Nachfolger abgegeben.

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