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Russen ohne Reue

Auetal/Bückeburg Russen ohne Reue

Im festen Glauben, nichts Verbotenes zu tun, haben zwei Söhne reicher Russen 1,5 Kilogramm Marihuana durch Deutschland kutschiert. Zollfahnder zogen sie im Dezember auf der Raststätte Auetal-Süd aus dem Autobahnverkehr.

Auetal/Bückeburg. Auetal/Bückeburg (ly). Eingekauft hatten die Studenten in Amsterdam, nach eigenen Angaben für 5000 Euro. Mit dem „Stoff“ wollten sie Freunden aus ähnlich gutem Hause im lettischen Riga eine Silvesterparty versüßen. Natürlich kostenlos, denn: „Alles andere hätten unsere Freunde nicht verstanden.“

 Nach knapp drei Monaten in deutscher Untersuchungshaft hat das Bückeburger Schöffengericht jetzt beide Männer zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung. Hinzu kommen jeweils 5000 Euro Geldbuße. Für Staatsanwalt André Lüth ist das Motiv klar: „Protzgehabe.“

 Richter Dr. Dirk von Behren geht davon aus, dass die Studenten der Wirtschaftswissenschaften „ihre Lektion gelernt“ haben. „Weil sie bisher in Watte gepackt waren, sieht man ihnen die U-Haft an“, stellte von Behren nach einem Blick in die müden Gesichter fest. Vor Gericht ging es unter anderem darum, ob die Täter Lehren aus ihrem Fehler gezogen haben (Antwort: ja) und ob Wiederholungsgefahr besteht (nein).

 Für die Angeklagten, 22 und 23 Jahre alt, sprachen deren Geständnisse. Außerdem wollten sie keinen Gewinn erzielen und sind nicht vorbestraft. „Begleitet“, so der Richter, „war die Fahrt von unbeschreiblicher Naivität.“ Weil man in Holland Marihuana rauchen darf, waren die Männer allen Ernstes davon ausgegangen, dass es ebenfalls erlaubt ist, das „Gras“ durch Deutschland zu transportieren. Deshalb hatten sie das Rauschgift auch nicht versteckt. Zum Teil lagen die Beutel auf der Rückbank, teils vorne im Wagen.

 Die Festnahme im Auetal war das traurige Ende eines längeren Ausflugs, der den jungen Russen auch kulturelle Highlights geboten hatte. Die Stimmung darf als ausgelassen bezeichnet werden. In einem Hotelzimmer fotografierten die Lustreisenden einen Tisch, auf dem Geldscheine verteilt waren, dazwischen die eigenen Pässe. Motto: Was kostet die Welt? Geld ist nicht das Problem. Einer der Moskauer hat neben dem Studium bereits einen recht gut dotierten Posten als Generaldirektor in einer der Firmen seines Vaters.

 Für eine vergleichbare Tat in Russland hätten beide Männer zehn bis 15 Jahre Haft bekommen. Um herauszufinden, dass die Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge nach dem deutschen Gesetz ebenfalls ein Verbrechen ist, hätte ein Blick ins Internet genügt.

 „Mein Vater ist sehr böse auf mich“, hat ein Angeklagter gehört. „Ich habe noch nicht mit ihm gesprochen.“ Beide Familien, so Verteidiger Oliver Theiß, hätten es abgelehnt, eine Kaution zu zahlen. Verteidiger Oliver Laxner glaubt: „Wenn sie nach Hause kommen, steht ihnen die größte Strafe noch bevor. Da wird es ein Wort zum Sonntag geben.“ Im Scherz fragte sich Richter von Behren, ob er den Russen mit Bewährung einen Gefallen tut. Zu spät: Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

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