Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 18 ° Regenschauer

Navigation:
Letzte Ruhe im Wald

SPD Auetal beschäftigt sich mit Friedwald Letzte Ruhe im Wald

Als Sylvia Frevert vor sechs Jahren ihr Buch „Friedwald. Eine Bestattungsalternative“ vorstellte, hat sie in einem Interview mit dem Deutschlandfunk davon gesprochen, dass der Untertitel ihr eigentlich zu schwach gewählt sei: Für sie habe Friedwald die moderne Bestattung schlicht revolutioniert.

Voriger Artikel
Fast 150 000 Zigaretten geschmuggelt
Nächster Artikel
Und abends mit Beleuchtung

Der Ruhe-Forst in Bückeburg richtet sich an alle, die in einem Wald ihre letzte Ruhe finden möchten.

Quelle: rnk

Auetal. „Das ist das richtige Ding zur richtigen Zeit“, sagte die Autorin. Und tatsächlich gibt es ja ganz pragmatische Gründe für eine Friedwaldbestattung. Das klassische Grab auf dem Friedhof braucht Pflege. Die Hinterbliebenen müssen sich darum kümmern oder es von einem Friedhofsgärtner pflegen lassen. Das kostet Zeit, wenn man zum Beispiel nicht am selben Ort wohnt und somit gegebenenfalls weite Fahrten nötig sind, um das Grab in Ordnung zu halten. Oder es kostet eben Geld. Denn die traditionelle Grabstätte, die ist sehr pflegeintensiv, das können viele Menschen, selbst wenn sie wollten, heute in den meisten Fällen nicht mehr leisten. Und Friedwald ist das erste Unternehmen, die beides verbindet: das alte Bedürfnis, einen Ort der Trauer zu haben, und die neue moderne Gesellschaft, die einen Ort braucht, der keine Ansprüche an sie stellt. In unmittelbarer Nähe gibt es zwei dieser Orte: den Ruheforst in Bückeburg und den Friedwald in Varenholz.

 Auch in der Gemeinde Auetal beschäftigt man sich mit dem Thema: Es ist ein Antrag, den die SPD an die Verwaltung herangetragen hat. Im Rathaus in Rehren möge man sich Gedanken machen, ob diese alternative Bestattungsform nicht auch im Auetal angeboten werden kann.

 „Zumindest Baumbestattungen“, meint Bürgermeister Heinz Kraschewski, „sind in zwei Kirchengemeinden möglich, in Rolfshagen und Hattendorf.“ Auch wenn er nicht über eine Bürgerbefragung als statistische Grundlage verfüge, so sei doch feststellbar, dass dieses Angebot nicht angenommen werde. Bei der Ursachenforschung zählt er zwei mögliche Gründe auf: Erstens sei die Baumbestattung im Vergleich zu den Friedwald-Angeboten oder dem Ruheforst in Bückeburg vielleicht zu teuer. Und möglicherweise genüge ein Friedhof eben nicht den Ansprüchen, die man an einen Friedwald anlege. Kraschewski spricht von einem Angebot, das am Volkswillen vorbeigehe.

 Natürlich besitze die Gemeinde eigene Waldflächen, sagt der Bürgermeister, aber nicht jede sei für ein Friedwald-Angebot nutzbar. „Eine Tannenschonung ist dafür nicht zu gebrauchen.“

 Dass sich die Bestattungskultur gerade massiv verändert, das sieht auch Friedrich Gärling von der CDU so: „Die Bestattung in traditioneller Form ist ein Auslaufmodell“, sagt der Unions-Ratsherr. Vorstellen könne er sich ein Friedwald-Angebot durchaus. „Und wenn es das nicht in einer Flächengemeinde wie dem Auetal geben kann, wo denn sonst noch?“

 Man habe das Thema bei der Klausurtagung mit den Grünen auf die Tagesordnung gesetzt, erklärt Rüdiger Teich. Aus diversen Gesprächen mit den Bürgern habe er erfahren, dass bei Bestattungen abgewandert wird, zum einen in den Ruheforst in Bückeburg, zum andern zum Friedwald in Varenholz. „Wir müssen das ganze Gebilde strukturiert angehen“, sagt er. Der SPD-Ratsherr und Rolfshäger Ortsvorsteher spricht von einem „Portfolio Friedhof“, das eine bedarfsgerechte Ausrichtung benötige.

 Das Problem sei dabei, eine geeignete Waldfläche zu finden. Zudem plane man in diesem Punkt ja auch für die nächste Generation. Man könne auch die Friedhöfe nicht sofort schließen, schließlich müssten Ruhezeiten beachtet werden.

 Wenn man eine Fläche ausweise, „dann sind wir einen Schritt weiter“, sagt Teich. Vor allem ein Preisvergleich mit anderen Kommunen müsse gezogen werden. „Das müssen wir uns genauer anschauen“, die Kosten seien zu hoch. Wenn es der Bürgerwille und Bürgerwunsch sei, dass die Gemeinde eine andere Art der Bestattungskultur anbieten solle, dann müsse man dem nachkommen. Dass bei Begräbnissen abgewandert werde, „ist ein Zeichen, dass wir etwas falsch machen“.

 Die Möglichkeit der Baumbestattung wird im Auetal nicht angenommen, und Siegbert Held glaubt zu wissen, warum das so ist: „Weil sie nicht bekannt ist.“ Nicht bei den Bestattern und bei der Bevölkerung schon gar nicht, sagt der WGA-Ratsherr. Also müsste man als Allererstes die Bestatter wissen lassen, dass es in Rolfshagen und Hattendorf dieses Angebot gibt, damit die Fachleute dann informieren könnten.

 Das sei die „wesentlich bessere Lösung, als jetzt ein neues Fass aufzumachen“, meint Held. Denn Waldflächen zu nutzen und zuvor sogar zu pachten, das bedeute erhebliche Investitionen und binde Kräfte des Bauhofs, denn es müsse ja gepflegt werden. Der Ruhe-Forst in Bückeburg sei auch so schön, weil er gepflegt werde.

 Daher sei es sinnvoller, den Bekanntheitsgrad der Baumbestattungen deutlich zu vergrößern, denn dann müsse nicht eigens gepflegt werden, weil diese Flächen schon heute unter Pflege stehen würden. „Aber der Preis muss ebenfalls runter“, sagt Held. rnk

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

O’zapft is heißt es in der Stadthäger Festhalle wieder am Freitag und Sonnabend, 23. und 24. September. Dann dominieren die Farben Blau und Weiß in der Halle und fesche Frauen in farbenfrohen Dirndln tanzen auf den Tischen... mehr