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Schiller ist immer dabei

Auetal / Schoholtensen Schiller ist immer dabei

Also, das mit Schiller, das war so: Jürgen Albrecht hatte von seiner Tante zwölf Bände vererbt bekommen, die Gesamtausgabe, und die machte richtig was her im Bücherregal.

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Bühne frei

Wenn es sein muss, dann verlängert Jürgen Albrecht auch mal ein Gedicht.

Quelle: rnk

Von Frank Westermann. Erst, als er als Taxifahrer gejobbt hat, da hat er die Bücher auch mal aufgeschlagen. Er hat sie dann alle gelesen und war fasziniert. „Da habe ich mehr gelernt als in der ganzen Schule“, sagt der Bad Nenndorfer beim Auftritt vor den Auetaler Landfrauen.

 Und diese Faszination hat bis heute nicht nachgelassen. Friedrich Schiller ist immer noch der Künstler, den Albrecht am meistens schätzt und am liebsten rezitiert. Das wird spätestens deutlich, als der die Über-Ballade auf die menschliche Treue vorträgt: Im schwarzen Mantel, fast wie Schiller selbst, trägt Albrecht die Bürgschaft vor. Auch die „Teilung der Erde“ des Marburgers wird von ihm rezitiert. Zwei Bilder des Dichters hat er übrigens an die Wand der Alten Schule gehängt, Schiller schaut doppelt auf ihn. Und eine Büste des Dichters hat Albrecht auch dabei.

 Der Bad Nenndorfer beginnt den Nachmittag mit einem Gedicht von Mascha Kaléko; es ist traurig-schön, wie fast alles dieser nahezu vergessenen Dichterin der Neuen Sachlichkeit, die Sprache ist schnörkellos und direkt.

 Der Bekanntheitsgrad von Otto Reutter ist dagegen ungebrochen hoch, seine Couplets haben die Zeit überdauert, wie Jürgen Albrecht inhaltlich bewies: „Wir leben in ’ner eiligen, hastigen Zeit/mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand.“ Was würde Reuter acht Jahrzehnte später wohl dichten, wenn er den weltweit tobenden Globalisierungsprozess erleben würde?

 Toll, man kann das nicht anders sagen, trägt er „Der gute alte Onkel“ von Victor Blüthgen vor – denn dem Gedicht fehlt das Happy End. Jetzt hat es eines, weil Albrecht, der auch Chef des Kinderchores „Das fröhliche Dutzend“ ist, bei einer Autofahrt dieses Gedicht über einen Mann, dessen Lebensliebe einen anderen freit, vorgetragen hat. Und dieses fehlende Happy End wurde dabei bemängelt. Jürgen Albrecht hat daher ein paar eigene Strophen geschrieben und drangehängt, und schwupps: Das Mädchen, das dem Mann eben noch das Herz gebrochen hat, kommt reumütig wieder zurück.

 Dazwischen gibt es Sprüche, die er irgendwo gelesen oder als Fotograf in den Kindergärten dieser Republik aufgeschnappt hat: Man kann nur eine Frau heiraten – das nennt man Monotonie. Oder: Wenn schwimmen schlank macht, was machen die Blauwale dann falsch? Und wenn Katholiken auf eine Demonstration gehen – sind sie dann Protestanten?

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