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Schützenchef soll lange in Haft

Plädoyer der Staatsanwaltschaft Schützenchef soll lange in Haft

Ein langer Prozess neigt sich langsam dem Ende zu. Für den Hauptangeklagten Vincenzo B., dem ehemaligen Ehrenvorsitzenden, fordert die Staatsanwaltschaft fünf Jahre Haft. Vereinsmitgliedern sollen gegen Geld die regelmäßige Teilnahme am Schießen und Sachkundeprüfungen bescheinigt worden sein.

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Geschossen hatten die Schützen des Schießsportvereins Hameln 2000 auf einem Schießstand in Rehren.

Quelle: Dana

Rehren/Hameln. Seit Anfang Januar ist die 18. Große Strafkammer des Landgerichtes Hannover damit beschäftigt, herauszubekommen, was an den Vorwürfen dran ist, die die Staatsanwaltschaft sechs Mitgliedern des Schießsportvereins Hameln 2000 vorwirft. 

Es geht um Bestechung und um scharfe Schusswaffen. Diversen Personen sollen gegen Geld die einjährige Mitgliedschaft im Verein, die regelmäßige Teilnahme am Schießen auf dem Schießstand in Rehren und eine Sachkundeprüfung bescheinigt worden sein.

 Diese drei Punkte sind die Voraussetzung dafür, dass jemand, der eine scharfe Schusswaffe führen möchte, überhaupt eine Waffenbesitzkarte beantragen kann. Die Sache flog auf. Der Schuss ging für die Schützen nach hinten los.

 Gestern sah die Staatsanwaltschaft für den Hauptangeklagten Vincenzo B. eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten als angemessen an. Für die Mitangeklagten Roman K. und Oliver G. fordert die Anklage ein Jahr und neun Monate Haft, beziehungsweise ein Jahr und drei Monate Haft.

 Diese Strafen sollen, so das Plädoyer der Staatsanwaltschaft, zur Bewährung ausgesetzt werden – unter gleichzeitiger Verhängung von Geldauflagen in Höhe von 6000 Euro und 4000 Euro.

130 Zeugen vernommen

Bislang hat die Strafkammer an nunmehr 30 Tagen verhandelt und dabei mehr als 130 Zeugen vernommen. Am Donnerstag hat die Staatsanwaltschaft ihr Plädoyer gehalten. Sie geht beim einstigen Ehrenvorsitzenden und ehemaligen Kassenwart des Vereins von 35 Taten der Bestechlichkeit in besonders schwerem Fall aus – bei den Mitangeklagten, zwei ehemaligen Vereinsvorsitzenden, von Beihilfe in 20 und einmal in 15 Fällen.

 Vom Vorwurf der Mittäterschaft, der in der Anklageschrift gegen beide erhoben wurde, ist die Staatsanwaltschaft abgerückt. Dreh- und Angelpunkt im Verfahren sei eine Rechtsfrage gewesen, die es zu klären galt, sagt der Pressesprecher und Richter am Landgericht, Hans-Christian Rümke: „War der Angeklagte Amtsträger?“ Die Staatsanwaltschaft sei davon ausgegangen, dass Vincenco B. „Amtsträger im Sinne der strafrechtlichen Vorschrift“ ist.

 „Und da geht es darum, wer einem Amtsträger Vorteile zukommen lässt“, so Rümke. Hier sei die Staatsanwaltschaft der Meinung, dass B. – weil er in den Genehmigungslauf eingebunden war – Aufgaben der öffentlichen Verwaltung als Beliehener wahrgenommen habe.

Zwei Jahre in Untersuchungshaft

Schon deshalb, weil die Waffenbehörde, die die Voraussetzungen für eine Erteilung der Waffenbesitzkarte prüft, an die Sachkundenachweise gebunden ist. Deshalb sieht die Staatsanwaltschaft hier eine Amtsträgereigenschaft vor. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft spricht für den Angeklagten, dass er schon über ein Jahr in Untersuchungshaft sitzt und geringe Summen eingenommen worden sind.

 Teilweise seien es mit 500 bis 600 Euro pro Fall nach Auffassung der Staatsanwaltschaft „überschaubare Summen“ gewesen, wie Rümke sagt. Das Verfahren gegen drei ehemalige Angeklagte – Jens A., Dirk H. und Patrick V. – wurde mittlerweile unter Zahlungsauflagen von zweimal 3000 und 1800 Euro eingestellt.

 Das Urteil gegen die drei Angeklagten soll in der nächsten Woche gesprochen werden. Die rund 400 Mitglieder des inzwischen aufgelösten Vereins hatten ihren Schießstand unweit der Autobahn 2 im Auetal.

Von Frank Neitz

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