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Seit zehn Jahren Pilgerbegleiter

Herrmann Meier klar zur Wende Seit zehn Jahren Pilgerbegleiter

Es ist zehn Jahre her, Herrmann Meier ist gerade in den Ruhestand gegangen – und die Kirche sucht Pilgerbegleiter. Meier hat sich also beworben.

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Hessisch Oldendorf/Auetal. „So richtig mit Lebenslauf“, erzählt er, und eigentlich ist er davon ausgegangen, dass er abgelehnt wird: „Ich bin ja auch Jäger“, und Jäger, so hat er vermutet, nehmen sie nicht, weil sie ein schlechtes Image haben. „Wir töten ja auch Tiere“, erklärt Meier. Aber sie haben ihn dennoch genommen. Und die Ausbildung war sehr intensiv, erinnert er sich, in der Theorie und Praxis. Elf Leute, und es galt Anwesenheitspflicht, Ausreden waren nicht erlaubt. „Einer war Hochschullehrer, und als er einmal gefehlt hat, da durfte er nachsitzen – in Fischbeck“, erzählt Meier.

 „Dann hat man uns ins Ehrenamt gehoben.“ Meier bekam eine Etappe, die er betreuen durfte: Es ist der Abschnitt von Rehren nach Fischbeck, und es ist seine Etappe, die Strecke, die er in zehn Jahren lieben gelernt hat. „Ja, das kann man so sagen, den Weg liebe ich.“ Weil er dort jeden Baum kennt, jeden Weg, viele Menschen, weil er unterwegs was erzählen kann und will, weil er hier auch den Wechsel der Jahreszeiten erlebt, weil man bewusster lebt. „Na ja“, sagt Meier, „es ist natürlich auch eine gewisse Bequemlichkeit, immer der gleiche Weg.“ Das begleitende Pilgern ist auch recht bequem, immerhin geht einer voran, der für die passende Liturgie sorgt, der erzählt, zum Schweigen anhält oder ein Lied anstimmt.

 Pilgerbegleiter sind wichtig, denn der Pilgernde lässt sich in aller Regel auf etwas Neues ein: Er trifft eine persönliche Entscheidung und lässt sich auf ein Terrain ein, das für ihn völlig ungewohnt ist. Da ist das begleitende Pilgern für viele Menschen einfache, als sich allein auf den Weg zu machen. Der Pilgerer sucht zumeist: sich selbst, Bestätigung im Glauben, Begegnungen mit anderen Menschen, Lösungen für Probleme, Antworten auf Fragen. Ein Pilgerbegleiter kann gut helfen, den richtigen Rhythmus zu finden. Denn eine Pilgerung ist auch eine Wallfahrt.

 Und der Begriff Wallfahrt kommt etymologisch von dem Wort Wandel, er bedeutet so viel wie „sich wandeln“. Sinn einer Pilgerreise ist also, dass man als verwandelter Mensch in den Alltag zurückkehrt.

 „Es ist auch völlig unwichtig, wie viele pilgern, wie groß die Gruppe ist“, betont Meier. Meist begleiten ihn so um die zwölf Menschen, aber es kann auch deutlich mehr sein, wenn etwa eine Gemeinde aus Wolfsburg sich ankündigt. „Ich gehe aber auch, wenn es nur einer ist.“ Was sie erleben, wenn sie von Rehren nach Fischbeck pilgern, „das ist eine sehr schöne Strecke“, sagt Meier. Sie beginnt in Rehren an der Kapelle, führt über Rannenberg, „wo sie die Sandsteine falsch aufgestellt haben“ und wo man einen guten Blick auf die Autobahn hat, auf der so viele schlimme Unfälle passieren, „da hat man unterwegs schon einen örtlichen Bezug“, meint der 71-Jährige, der so viele Jahre jünger wirkt.

 Dann führt der Weg zum Schneegrund, mit den sich ständig wechselnden Lichtverhältnissen, die Rohdener Wiese, Segelhorst, wo er den Schlüssel zu Kirche und Gemeindehaus organisiert hat, Hessisch Oldendorf mit seinem Friedhof, auf dem Meier immer 20 Minuten Halt macht, damit die Pilgernden sich mit ihrer eigenen Endlichkeit auseinandersetzen können, Krückeberg und eben das Stift Fischbeck, wo das Gemäuer schon ganz allein für eine besondere Stimmung sorgt.

 Aber was viele gar nicht wissen: Der Pilgerweg von Loccum nach Volkenroda verfügt noch über einen Nebenweg, dem Nebenweg Kloster Möllenbeck. „Ja“, sagt Meier, „das ist auf den ersten Blick ein bisschen verwirrend, zumal sie es in Möllenbeck als Reformierte mit dem Pilgern nicht so haben.“ Aber als der Weg damals eingerichtet wurde, da habe angeblich Ortsbürgermeister Karl Buchholz interveniert. Und der habe damals befunden, dass Möllenbeck auch zum neuen Pilgerweg gehören müssen. Also gibt es heute zwei Wege von Rohden nach Möllenbeck, einen links und einen rechts der Weser. Und jedes Jahr wird ein Teil dieses Nebenweges beschritten.

 Am Pfingstmontag, 25. Mai, geht es von Rohdental nach Deckbergen, die Pilgerung beginnt um 10 Uhr mit einem Gottesdienst unter freiem Himmel im Waldbad Rohden. Im Anschluss gibt es einen Imbiss. Nach einer Wegliturgie empfängt die Kirchengemeinde Deckbergen die Teilnehmer mit Kaffee und Kuchen.

 „Beim Pilgern“, sagt Meier abschließend, „beim Pilgern kommt es nicht auf die Richtung oder auf das Ziel an, man kann auch im Zimmer pilgern.“

 Und wahrscheinlich hat er recht. Wahrscheinlich kommt es beim Pilgern vor allem erst einmal auf den Beschluss an, den man vor dem ersten Schritt fassen muss: Klar zur Wende.rnk

 In diesem Jahr wird Herrmann Meier noch zwei begleitete Pilgerungen von Rehren nach Fischbeck anbieten: am 27. Juni und 31. Oktober. Treffpunkt ist jeweils um 9 Uhr am Pennymarkt in Rehren. Anmeldungen nimmt Herrmann Meier unter (05152) 1745 entgegen. rnk

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