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„Suche Mann mit Pferdeschwanz – Haarschnitt egal“

Musikkabarett in Rolfshagen „Suche Mann mit Pferdeschwanz – Haarschnitt egal“

Die passende Liebe zu finden, ist im Zeitalter des Internets nicht leichter geworden, ganz bestimmt nicht. Aber es war auch schon vor der Erfindung des Computers eine Kunst für sich, auf den richtigen Partner zu stoßen, mit dem es sich unbeschwert und Seite an Seite durchs Leben tanzen lässt.

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Ein kongeniales Duo: Wer Andy Mokrus und Traute Römisch (noch) einmal erleben möchte: Am Sonntag, 15. März, treten sie ab 17 Uhr im Rintelner Prinzenhof auf – und nehmen dort die bucklige Verwandtschaft aufs Korn.

Quelle: pr.

Rolfshagen. Man probierte es mit einem Inserat. „Und immer suchen dort Menschen einen Partner, die selbst weltoffen, charmant, klug, sensibel und schlank sind – man fragt sich, warum sie angesichts so vieler Vorzüge denn keinen Menschen finden“, legt Traute Römisch den Finger in die erste Wunde. Dann verliest die Hamelnerin bei ihrem Auftritt in der voll besetzten „Reihe 19“ in Rolfshagen ein paar Inserate: „Salz sucht Suppe“ oder „Junge Alte sucht alten Jungen“.

 Auch schön: „Langweiliger Akademiker sucht Frau ohne Hund, Katze, Therapeut“. Noch schöner: „Suche Mann mit Pferdeschwanz – Haarschnitt egal“; und am schönsten: „Ich bin so schlecht im Bett – das musst du mal erlebt haben.“

 Es ist der einzige Ausflug ins leicht Zotige, und der ist ja der Inseratenwelt und damit der real existierenden Partnersuche geschuldet, denn der große Rest des Programms kommt deutlich differenzierter daher. Römisch untersucht bei Joachim Ringelnatz, bei Erich Kästner, bei Frank Goosen, wie es sich verhält mit der Partnersuche. Vorbei die Zeit, als der Vater von Goosen seine künftige Ehefrau beim Tanzkurs fragt, ob er vielleicht dem Fräulein Droste die Handtasche nach Hause tragen dürfe und dann beim Plausch den Mund nicht aufbekommt, weil er sich seiner Zahnlücke schämt. Dabei ist es doch genau diese Zahnlücke, die das Fräulein Droste so hübsch und niedlich und auch ein bisschen sexy findet.

Es ist ja wirklich nicht einfach mit den Männern und den Frauen: Sitzen beide zusammen, und nur der Mann redet, dann ist es mit Sicherheit ein erstes Treffen, das erste Date. Sitzen aber beide zusammen, und nur sie redet, dann leben beide schon lange zusammen. „Man könnte meinen“, sagt Römisch, „der Mann muss sich vom verbalen Wasserfall des ersten Treffens bis zum Rest seines Lebens erholen.“

 Aber was wäre Traute Römisch ohne ihren kongenialen Partner Andy Mokrus? Eben: nur die Hälfte wert. Mokrus ist ein fabelhafter Pianist und mehrfacher Träger des niedersächsischen Jazzpreises, der nahezu jedes Römisch-Lied mit einem jazzigen Sound unterlegt. Da klingt es doppelt schön, wenn die Hamelnerin darüber singt, wie es ist, einen Prinzen im Kopf und einen Frosch in der Hand zu haben, und dass es ein Happy End erst geben wird, wenn man/frau die Hoffnung auf einen Prinzen zu den Akten gelegt hat.

 Und weil der Begleiter am Piano so gern übersehen wird: Mokrus ist auch ein Klassik-Könner. Der Hannoveraner gehört zu den Nominierten im renommierten Diabelli-Wettbewerb, der Gewinner wird am 18. April in München gekürt. 1819 hatte der Wiener Musikverleger und Komponist Anton Diabelli alle namhaften österreichischen Komponisten gebeten, über ein von ihm vorgegebenes Thema zu schreiben. Insgesamt 51 Komponisten und Pianisten schickten Variationen: unter ihnen unter anderem Ludwig van Beethoven, Franz Schubert und Franz Liszt. Diabellis Idee ist und war hervorragend: Die Variationen basieren alle auf einem gemeinsam vorgegebenen Walzer und der Vorgabe der Instrumentierung, nämlich in diesem Fall: Klavier.

 Auch Traute Römisch hat sich in diesem Frühjahr einen Termin im Kalender notiert. Es steht ein Ausflug nach Hildesheim an, wo ein Musiker fünf von ihr komponierte Chansons für einen Kirchenchor umgeschrieben hat. Und die Hamelnerin freut sich auf dieses Kleinkonzert: „Es ist für mich eine besondere Premiere.“

 Aber zurück nach Rolfshagen, zurück in die „Reihe 19“, wo das Publikum an diesem Abend auch die Schlager seiner Jugend singen darf: „Schuld war nur der Bossanova“ und „Rote Lippen soll mann küssen“ werden angestimmt, und als die Römisch später singend fragt, ob man nicht einen Mann für sie habe, da erklingt auf der einen Seite ein „Ja, ja, ja“, und auf der anderen erschallt ein „Nein, nein, nein“.

 Einen kleinen Hänger gibt es im Programm nur in der zweiten Hälfte, als Römisch die Geschichte von zwei verliebten, aber völlig unterschiedlichen Polizeischuhen vorträgt, die erst zueinanderfinden, als die Hüter des Gesetzes eine Razzia in einem Bordell ansetzen und der Regierungsrat so überstürzt fliehen muss, dass er die beiden erstbesten Schuhe nimmt, die er finden kann. Später wirft er sie über eine Brücke – und die beiden miteinander verschnürten Fußbekleider finden ihr Glück: Über den Fluss treiben sie in die See und immer weiter– es erwartet sie ein lauer Sommerabend am Meeresstrand.

 Ein buntes Programm mit Gedichten und Geschichten sowie Liedern in Deutsch, auf Platt und Wienerisch neigt sich dem Ende zu, aber zuvor lassen Römisch und Mokrus es noch einmal krachen: Sie singt krachend und fetzig von Dieter, der eine Puppe im Schrank hat (und die liebt er – und sie wird auch nie krank), ehe sie noch von dem Lumpensammler erzählt, der eine Großmutter einsammelt: Sie will ihm nun folgen bis zum Ende aller Tage, sie will ihn lieben.

 Die Liebe, sie kann ja auch manchmal so märchenhaft schön sein und erst ganz spät zu einem kommen. Ewig altes und immer junges Spiel. rnk

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