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Vier Hektar für den Naturschutz

Rannenberg / Nabu Vier Hektar für den Naturschutz

Wenn alles so klappt, wie er es sich vorstellt, dann, so erklärt Achim Bleck, „wird sich hier im nächsten Jahr der Grasfrosch gut vermehren und in drei Jahren werden sie zu Tausenden in die Grünfläche streben.

Rannenberg (rnk). “ Und dann? „Dann haben wir hier einen gedeckten Tisch“, sagt der Rannenberger, womit er sich nicht auf die französische Küche bezieht. Hier, das ist eine Wiese oberhalb des Sportplatzes Obersburg, und der gedeckte Tisch ist Bleck wichtig, weil er hofft, dass der Schwarzstorch auf den Appetit kommt und sich niederlässt. Oder der Graureiher. Oder beide.

 Bleck hat hier in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren viel ehrenamtliche Arbeit geleistet und in Verbindung mit einem Projekt des niedersächsischen Landesverbandes Naturschutzbund Deutschland und dessen Ortsgruppe Auetal ein halbes Dutzend längliche Steinhaufen angelegt, die zudem noch tief in die Erde reichen: Sie sind als sogenanntes Trittsteinbiotop für die Geburtshelferkröte angelegt. Diese Art besiedelt hauptsächlich Südwest- und Westeuropa und zum Teil Mitteleuropa; in Deutschland ist sie auf den zentralen Mittelgebirgsraum auch im niedersächsischen Weser-Leine-Bergland zu finden, ihrem nördlichsten Verbreitungsraum. Dass sie sich in Mitteleuropa besonders wohlfühlt, liegt am Wetter: Dort sind die Landlebensräume wärmebegünstigt und weisen viele bodenfeuchte Verstecke auf, etwa unter Steinplatten oder Erdlöchern.

 Oder eben Steinhaufen. Sie bieten Schutz, die Tiere können sich hier verstecken, sie können hier ihr Winterquartier beziehen; sie bevorzugen eine frostsichere Tiefe von 30 bis 50 Zentimetern.

 Und sie können sich hier vermehren, denn als Fortpflanzungsgewässer nutzt die Art eher anspruchslos eine breite Palette sonniger bis halbschattiger Gewässer mit unterschiedlicher Größe und Wasserführung. Wie hier in Rannenberg liebt es die Geburtshelferkröte, wenn Versteck und Gewässer nahe beieinander liegen. Denn unterhalb der Steinhaufen und oberhalb der Aue haben Bleck und die Auetaler Nabu-Gruppe eine sogenannte Blänke mit Quellzulauf angelegt: eine flache natürliche Wasseransammlung, einen Tümpel mit periodisch wechselndem Wasserstand.

 Die Rannenberger Blänke wird nicht nur eine eigene Tier- und Pflanzenwelt aufweisen, die sich auf jahreszeitlich extrem schwankende Wasserstände einstellt, sie hilft auch bei der Verbreitung der Geburtshelferkröte: Bei der Paarung nehmen die Männchen die frisch abgelegten Eistränge, wickeln sie um ihre Hinterbeine und Unterleib und tragen sie mit sich, bis die Kaulquappen nach wenigen Wochen reif zum Schlüpfen sind – daher sollten die Blänken im Winter nicht zufrieren, wenn die letzte von bis zu drei jährlichen Larvengenerationen die Frostperiode bis zum Sommer überstehen soll. Die Lebensweise der Geburtshelferkröte ist auch unter Amphibien etwas Besonderes.

 Kai-Olaf Krüger, der als Biologe für den Nabu-Landesverband im Leiferder Nabu-Artenschutzzentrum arbeitet, leitet das Projekt, das auch mit Geld der Bingo-Umweltlotterie finanziert wird. Gemeinsam mit Bleck und Rolf Wittmann vom Auetaler Nabu schreitet er ein vier Hektar großes Grundstück ab, das Bleck gepachtet hat und in seiner Ganzheit betrachtet werden muss.

 Dass der Rannenberger hier langfristig die Natur schützen darf, ist vor allem der örtlichen Familie Requardt zu danken, die ihm den größeren Teil der Flächen auf Lebzeiten verpachtet hat: „Das schafft Gestaltungsspielraum“, sagt Achim Bleck.

 Zwar steht der Vernetzungsgedanke für die Geburtshelferkröte im Vordergrund, soll der Bereich Bückeberg mit dem Langenfelder verbunden werden, aber alle Beteiligten haben das große Ganze im Blick: Schafe putzen auf den Wiesen Brennnesseln und Disteln weg, gemäht wird sehr spät, der Boden soll mager gehalten werden, damit seltene Arten eine Chance haben.

 Bleck verweist gerne auf den Hattendorfer Schutzacker, auch dort liegen im Boden die Samen von Pflanzen, die seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen wurden, weil die Umweltbedingungen so schlecht geworden sind. Bleck, Krüger und Wittmann verweisen auf den inneren Zusammenhang: Artenvielfalt kommt Insekten zugute und hat Auswirkungen auf Amphibien und Vogelwelt. Der Rannenberger spricht von einer durch Dünger und Pestizide „nicht belasteten Wiese“. Es sind vier Hektar, die vor wenigen Jahren noch einige Verbuschungen aufwiesen. Mit der Hand, der Sense, der Motorkraft oder mit den Schafen hat Bleck es geschafft, „hier Pflege reinzubringen“, es sind jetzt wieder Nutzflächen. Auch für die Geburtshelferkröte sind Beweidung und Mahd wichtig, da sie offene Strukturen benötigt.

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