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Voller Energie: Die „Vermaisung“ schreitet munter voran

Auetal / Landwirtschaft Voller Energie: Die „Vermaisung“ schreitet munter voran

Zunächst ein paar Zahlen: Von der gesamten Fläche der Gemeinde Auetal werden etwa 67 Prozent als landwirtschaftliche Fläche genutzt. Davon sind etwa 13 Prozent Grünland und 87 Prozent Acker.

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Sehr viel Mais und ein bisschen Hude oberhalb von Borstel: Der Maisanbau im Auetal schreitet munter voran. © rnk

Auetal (rnk). In der Gemeinde Auetal befindet sich auch das Wasserschutzgebiet Riesbachtal. Die Zone II des Schutzgebietes ist mit 1153 Hektar recht weit gefasst. Dort besteht ein Ausbringungsverbot für organischen Dünger. Dies führt dazu, dass in der Gemeinde etwa 27 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche mit einer Restriktion, also einem Verbot für organische Dünger belegt sind.

Das Potenzial an freien Flächen für weitere organische Dünger beträgt etwa 35 Prozent an der landwirtschaftlichen Fläche. So weist es die kürzlich vorgestellte Potenzialstudie über die Biomassenutzung in der Region Weserbergland, zu der die vier Landkreise Nienburg, Schaumburg, Hameln-Pyrmont und Holzminden gehören, aus. Von der landwirtschaftlichen Fläche werden bisher 385 Hektar für den Mais genutzt, das sind 10,6 Prozent der Ackerfläche, die zwei Biogasanlagen versorgen. Der Anteil wird auf 14 Prozent steigen, weil vergrößert wird, aber Probleme sieht Josef Strotdrees von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, der die Studie angelegt hat, nicht auf das Auetal zukommen.

Der ursprüngliche Ansatz für den Einsatz von Biomasse zur Energie-Erzeugung sah die Verwertung von Mähgut extensiv genutzter Flächen – von Reststroh und -holz – vor. Vor allem war die sinnvolle Nutzung der problematischen, riesigen Überkapazitäten von Gülle aus der Intensivtierhaltung vorgesehen. Der Anbau von nachwachsenden Rohstoffen für die Erzeugung von Strom und Biokraftstoffen sollte Landwirten die Existenz sichern und bäuerliche Strukturen erhalten helfen. Und dann kam noch das EEG, das Erneuerbare-Energieneinspeisungsgesetz, mit seiner 20-jährigen gesicherten Förderung – und löste einen Boom bei der Errichtung von Biogasanlagen aus. Heute gilt: Gülle ist „out“ – Mais ist „in“.

Denn Mais erbringt den größten Methanertrag, damit die größte Stromausbeute – und den höchsten Gewinn. Deshalb wird in der Praxis fast nur Mais zur Biogaserzeugung verwendet. Dabei gilt das alte Motto der Landwirtschaft: „Klotzen statt Kleckern, wachsen oder weichen.“ Die Anlagen werden immer größer, schnelle Amortisation und höchstmöglicher Profit bestimmen die Praxis. Kleinanlagen als weiteres Standbein für die Landwirte sind überholt. Dauerhafter Monokulturen-Mais für Biogasanlagen und Raps zur Kraftstoffgewinnung – so sieht derzeit die Praxis aus, mit all ihren negativen Folgen für Natur und Umwelt. Artensterben, der Verlust von Biodiversität und die Vernichtung ganzer Ökosysteme sind die Folgen, warnen Experten seit Jahren.

Von einer „Vermaisung“ der Landschaft und speziell des Auetals spricht auch Rolf Wittmann als Vorsitzender der Auetaler Gruppe des Naturschutzbundes – „ganz klar“. Wer mit offenen Augen durch Bernsen, Hattendorf, Rehren oder Westerwald, Kathrinhagen und Holtensen fährt, „der kann sehen, dass im Auetal mit zwei Biogasanlagen, die betrieben werden, das Potenzial an Fläche für den Mais ausgeschöpft ist“. Allerdings sind für die Naturschützer die Veto-Möglichkeiten dünn gesät, selbst wenn sie wie Wittmann dem Gemeinderat und dort der Mehrheit angehören: Anlagen bis 500 Kilowatt gelten als privilegiert, sie dürfen nicht verboten werden. Das Problem, so Wittmann, sei der Strompreis, der subventioniert werde: „Wird die Subventionierung runtergefahren wie bei der Solaranlage, wird sich das regulieren.“

Energie aus Biomasse ist natürlich auch für Naturschützer Witmann grundsätzlich eine faszinierende Idee, aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht. Aber: Gut gemeint ist längst nicht gut gemacht. Daher spricht sich der Bernser gegen weitere Biogasanlagen im Auetal aus, in einem Gespräch mit der Auetaler SPD hat er jetzt vorgefühlt: Gelingt ihm die Wiederwahl in den Gemeinderat, soll 2012 ein gemeinsames Konzept für die Auetaler Energiewirtschaft aufgestellt werden. Denn die Ackerflächen sind ja da, sagt er: „Aber was machen wir mit ihnen? Nutzen wir sie für die Energie? Für die Nahrung?“ Der eigentlich gut gemeinte Ansatz der Biogasanlage, nämlich Abfall zu verarbeiten, der sei auf jeden Fall „aus dem Ruder gelaufen.“

Einen weiterer Aspekt, den Wittmann sieht: Der massenhafte Anbau von Mais und Raps als Biomasse zur Energieerzeugung verdrängt bald auch die letzte Stilllegungsfläche. Das führt zu der Frage, wo bleiben die für die Natur so wichtigen Brachflächen? Intensiver Maisanbau bedeutet Flächenkonkurrenz, treibt die Pachtpreise in ungeahnten Höhen und verdrängt die heimische Lebensmittelproduktion. Generell würde Wittmann die Debatte über Mais und Energie gerne auf andere Beine stellen: Hin zur Frage, ob man sich nicht besser damit befasst, wie Energie eingespart werden kann: „Das Potenzial ist da, das ist immer noch unfassbar groß.“ Die Rechnung ist einfach, findet er: „Wenn wir Energie sparen, brauchen wir nicht mehr so viele Anlagen.“

Generell gilt: Die Anbaufläche von Mais in Deutschland hat sich in den vergangenen 50 Jahren ungefähr verdreißigfacht, rechnen Naturschützer vor.

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