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Warum der Gatte auf dem Weg nach Rom ist

Borstel / Weihnachtswochenende Warum der Gatte auf dem Weg nach Rom ist

Die Dämmerung senkt sich über den Ort, tief stehen die Wolken. Es ist Freitag, 16.30 Uhr, Ortsvorsteher Hans- Werner Gerber wartet mit den Mitgliedern der Dorfgemeinschaft darauf, dass das Licht der Straßenlampen angeht.

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Freitagnachmittag, 16.30 Uhr: Die Kinder und Jugendlichen wollen den Baum schmücken, später gibt es dafür Hotdogs und Getränke.

Borstel (rnk). Dann würden sie nämlich auch glühen, die Birnen am Weihnachtsbaum, der gegenüber der Zimmerei Kluge aufgestellt ist. Denn die Dorfgemeinschaft hat den Baum direkt neben einer Straßenlampe aufgestellt und hier den Strom abgezapft: Gehen im Dorf die Lichter an, dann strahlt auch der Weihnachtsbaum. Nur die Lampe direkt neben ihm, die bleibt dunkel. „Wir sind hier schon umweltbewusst“, sagt Gerber; es ist eine ebenso einfache wie naheliegende und pfiffige Lösung. Und es ist, wenn man so möchte, der Auftakt zum langen Weihnachtswochenende der Dorfgemeinschaft.

 Dann kommen die Kinder: Sie haben Pakete dabei, festlich verpackt, aber ohne Inhalt: reines Dekors, damit der Baum weihnachtlicher wirkt. Dafür gibt es später Hotdogs und Getränke für den Dorfnachwuchs in der Alten Schule. Die Dorfgemeinschaft hat einen großen Helfer: die Zimmerei Kluge, die für das Fällen und den Transport des Baumes die notwendigen Arbeitsgeräte stellt. Einen Baum zu finden, das war in den vergangenen zehn Jahren nicht allzu schwer, immer stärker hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine Tanne im Garten ein einziger Irrtum ist, ein Fehler der siebziger Jahre. Viele Bewohner sind froh, wenn er zu Weihnachten gefällt wird. Und was nicht zu Weihnachten benötigt wird, das wird für das Osterfeuer genommen. „Last Christmas I gave you my heart“, singt ein Junge, als er sein Paket an den Baum knüpft. Womit auch geklärt wäre, welches Lied dem Chronisten der Heimatzeitung bis zum Heiligen Abend nicht mehr aus dem Kopf gehen wird.

 Einen Tag später, 15 Uhr, in der Alten Schule. Bärbel Jochens, Anni Gerber und Maria Klinger sitzen an einem Tisch und falten Servietten. 80 Stück, denn genau so viele Plätze sind an zehn Tischen eingedeckt. Es ist eine mühsame Übung, aber es soll ja auch schön sein, wenn am Sonntag die immerhin 75-köpfige Dorfgemeinschaft zum Kaffeetrinken für die Senioren einlädt. 70 Gäste waren es im zurückliegenden Jahr, genau so viel werden dieses Mal erwartet. 15, 16 Torten werden heute gebacken; wenn morgen die ersten Senioren Platz nehmen, ist die Hauptarbeit längst erledigt.

 24 Stunden später dauert es nur ein paar Minuten, bis die Gäste das erste Mal ihre Hände auf die Schenkel hauen, denn von der ersten Sekunde an hat der große Runaldo die Senioren im Griff – und lässt sie auch nicht mehr los. Runaldo ist Mitglied im „Magischen Zirkel Deutschlands“ und misst die Zeit, die er auf der Bühne steht, in Jahrzehnten, und zwar im höheren einstelligen Bereich. Aus dem Nichts verschwinden Gegenstände oder erscheinen wieder, zudem weiß Runaldo (der eigentlich Günter Runne heißt, aber das muss wirklich unter uns bleiben) auch, wie man zwischen den Welten der Wunder und des Geheimnisvollen sein Publikum mit altersgerechten Dönekens unterhält. Das hört sich dann so an: Ein Ehepaar wendet sich an den Pfarrer, weil es keine Kinder bekommen kann, und der Gottesmann verspricht, in der nächsten Woche, wenn er in Rom ist, dort mal eine Kerze für sie anzuzünden. Anschließend wird er versetzt, kommt aber nach sechs Jahren zurück ins Dorf. Dort steht die Ehefrau, an ihrer Seite fünf Kinder, wie die Orgelpfeifen. „Und?“, fragt der Pastor, „wo ist denn der Ehemann?“ Antwortet die Frau: „Auf dem Weg nach Rom – die Kerze auspusten.“

 Runaldo tritt heute nicht mehr auf den großen Bühnen auf, aber in Dorfgemeinschaftshäusern wie hier in Borstel beim Kaffeetrinken für Senioren, da ist er immer noch gern dabei. Und das für eher schmales Geld: 150 Euro für 30 bis 40 Minuten. Und er ist jeden Cent wert. (E-Mail: g.runne@t-online.de). Ach ja: Wer bei einem Auftritt von Runaldo mal wählen soll zwischen einem roten und einem grünen Apfel und einer Kartoffel, der sollte die Kartoffel nehmen. Aber das nur nebenbei.

 Anschließend erklärt Helmut Büttner noch mithilfe einer Dia-Schau die heimische Tierwelt und erzählt das eine oder andere aus der Jagd. Und wer jahrzehntelang den Schülern des Gymnasiums die geheimnisvollen Tiefen der Welt der Chemie nahegebracht hat, der weiß auch, wie man Senioren mit Wissen (und Charme) unterhält.

 Kurzum: sehr stimmig das alles, sehr schön. Und prima gesungen wurde auch noch.

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