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Warum noch warten?

Bürgerenergiewende diskutiert Südlinktrasse Warum noch warten?

Vorstandsvorsitzender Manfred Görg beginnt die 15. Sitzung des Arbeitskreises mit einer Standortbestimmung. Der Verein Bürgerenergiewende Schaumburg (BEnW) könne nicht am Thema Südlink vorbeigehen, denn seit bekannt sei, dass eine mögliche Trasse von Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs-Leitungen auch durch das Auetal führen könne, „sind wir doch aufgescheucht.“

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„Wir wollen mehr Zeit, mindestens ein Jahr“: Hans-Jörg Kohlenberg, Manfred Görg und Jörg Janning (von links) von der Bürgerenergiewende Schaumburg.

Quelle: rnk

Rolfshagen. Görg kann es zu Beginn noch nicht wissen, aber das Thema dieses Abends, das wird die Zeit sein.

 Die Zeit, die war. Die Zeit, die ist. Und die Zeit, die bleibt.

 Die Zeit, die war, ist noch nicht lange vergangen, ein paar kurze Monate sind es, nicht mehr, seitdem bekannt wurde, dass über riesige Leitungen der im Norden der Bundesrepublik gewonnene Windstrom in die südlichen Regionen von Deutschland gebracht werden soll. Denn in diesem Jahr hat laut Zeitplan der „informelle Projektdialog“ begonnen, aber, so fragt Jörg Janning in die Runde, „hat einer von euch von diesen Veranstaltungen gehört oder gelesen?“ Die aus Schaumburger Sicht am nächsten gelegenen der insgesamt 22 Veranstaltungen war in Hameln. Soll heißen: Das war damals, als noch drei Varianten diskutiert wurden, weit weg.

 Doch der nächste Schritt im Verfahren steht an, und zwar jetzt, das passiert in der Zeit, die ist: die öffentliche Antragskonferenz, in der Öffentlichkeit und Behörden zwei Monate lang Änderungen einbringen können. „Wir sollten uns damit beschäftigen“, sagt Janning.

 Später wird ein Thesenpapier verabschiedet, dort finden sich die Eckpunkte des Vereines zum Südlink-Projekt: Man ist nicht grundsätzlich dagegen, das nicht, „es ist kein Papier, das grundsätzlich ablehnend ist“, sagt Görg, aber man stellt auch Forderungen auf. Im Detail liest sich das so: Die Energiewende erfordert einen vernetzten Aus- und Umbau des Stromnetzes, „es geht nicht ohne“, wird Görg später sagen, um die dezentral erzeugte, regenerative Energie aufzunehmen, zu verteilen und zu nutzen. Und diese Energiewende sei auch eine Chance für die Entwicklung des ländlichen Raumes, „denn vorrangig wird hier regenerative Energie erzeugt, und dieses Energieangebot ist nahregional zu nutzen“, wo die Energie ist, da kommt auch die Industrie hin, wird später ein Mitglied erklären. Doch eine „Wertschöpfung für die Region“ sei Südlink nicht, „das hier ist das genaue Gegenteil“, formuliert es Janning.

 „Die Bayern führen uns an der Nase durch den Ring“

 Generell, so heißt es in den Eckpunkten weiter, sei die Energiewende „mehr als anderer Strom aus der gleichen Steckdose“. Dies vorausschickt, wirke das Südlink-Vorhaben „wie ein Fremdkörper bei der notwendigen Netzanpassung“. Aber wenn ein solcher „Steckdosenschluss“ zwischen dem Norden und dem Süden dieser Republik „für die Realisierung der Energiewende unumgänglich erforderlich“ sei, dann sei „umfassend“ darzulegen, wie sich, erstens, Südlink auf die Entwicklung regenerativer Energieerzeugung in Bayern und Baden-Württemberg auswirke. Aber, so Janning, sei es nicht Teil einer Energiewende, wenn sich Bayern das Projekt selbst vor die Brust nehme, sich also selbst darum kümmere, dass der Anteil der regenerativen Energie steige? Wie auch immer: „Die Bayern führen uns an der Nase durch den Ring“, meint Janning.

 Zwei weitere Fragen wirft das Eckpunktepapier der BEnW auf: Wie wirkt sich der Verzicht auf Eigenenergienutzung in Schleswig-Holstein auf den Betrieb und die Ansiedlung energieintensiver Betriebe aus? „Warum schickt Schleswig-Holstein seine Energie weg“, fragt Görg in die Runde, „welche Interessen stecken dahinter?“

 Der dritte Einwand ist ein rein technischer: Warum lasse sich die Nordlink-Seekabeltechnologie nicht an Land weiter führen, warum also die Leitungstrassen?

 Die Energiewende ist kein Sprint, sondern ein Marathon, von „langen Energiewendezeiten“ ist im Eckpunkte-Papier die Rede. Und genau hier liegt für die Bürgerenergiewende Schaumburg der sprichwörtliche Hase im Pfeffer: Warum dieser Zeitdruck? Warum eine öffentliche Antragskonferenz, die wohl am 12. Februar beginnt und nur zwei Monate dauert? Es kann doch nicht sein, sagt Janning, „dass wir eine so grundlegende Entscheidung in so kurzer Zeit abfeiern müssen? Wir wollen Zeit.“ Und: „Mindestens ein Jahr.“

 Angesprochen wird auch eine parteiübergreifende Resolution zum Stromtrassen-Projekt Südlink. Abgeordnete von CDU/CSU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen haben sich letzten Monat darin dafür ausgesprochen, den von den Alternativtrassen betroffenen Kommunen mehr Zeit für die Bewertung der Vorschläge einzuräumen. Die Kommunen müssten sich auf die entscheidenden Antragskonferenzen bestmöglich vorbereiten können, heißt es in der Petition. Und: „So sind vor allem durch die Alternativplanungen, die seit Ende September bekannt sind, neue Gebiete hinzugekommen, deren Kommunalvertreterinnen und -vertreter bislang nicht oder nur mittelbar mit der Materie befasst gewesen sind. Weiterhin konnte nach unserer Auffassung bislang vonseiten des Netzbetreibers Tennet nicht nachvollziehbar dargestellt werden, warum die alternativen Trassenkorridore „Ost“ und „West“ nicht weiter verfolgt worden sind.“ Das sehen Görg, Janning und die Mitstreiter ähnlich, zudem sieht der Vorsitzende eine weitere Gefahr, die er ein bisschen sperrig formuliert: Es könne sich eine Stimmung akkumulieren, die die ganze Energiewende kippen lasse.

 Görg nimmt als erklärendes Beispiel einen Schaumburger Landwirt, der auf seiner Scholle ein Windrad aufstellen möchte: Wie erklärt man ihm, dass das nicht gehe, wenn im gleichen Bereich eine Riesen-Trasse gebaut werden könne?

 Die Sitzung endet mit einer grundsätzlichen Entscheidung für die Zeit, die bleibt: „Wir wollen wahrgenommen werden als Arbeitskreis, der sich mit dem Thema befasst“, sagt Görg, warum noch warten? Man wolle sich positionieren, „damit wir uns als Verein aktiv einmischen können.“ Denn eines stehe seit jeher fest: „Wer nicht kämpft, der hat schon verloren.“

 Das ist, möchte man sagen, eine zeitlose Erkenntnis. rnk

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