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Weisheit und alte Schmöker in Zweierreihen

Tief im Offenen Bücherschrank geschmökert Weisheit und alte Schmöker in Zweierreihen

Der Mittfünfziger hat eine Jutetasche dabei, aus der er drei Romane von Bodo Kirchhoff auspackt: Gebunden, in gutem Zustand, auch eine Erstausgabe scheint dabei zu sein.

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Greifen Sie zu: Das Offene Buchregal im Rathaus.

Quelle: rnk

Rehren. Das alles braucht er nicht mehr, das alles kann jetzt in die Bücherei eingestellt werden. Keine Lust mehr auf Kirchhoff? Nein, erzählt der Auetaler, eigentlich war es nur ein großes Missverständnis: Nach einem Roman des Schriftstellers war er so begeistert, dass er sich antiquarisch alles zugelegt hat, was von dem Autor, Essayisten und Dramatiker noch zu haben war – um dann festzustellen, dass er den Stil von Kirchhoff überhaupt nicht mag. Also weg damit, und weil man Bücher nicht wegwirft, werden sie weitergegeben.

 Und dafür ist das „Offene Buchregal“ im Rehrener Rathaus nicht der schlechteste Platz: ein Zimmer, in dem sich an einer Wand ein Holzregal findet, in der rund 200 bis 300 Bücher stehen – Weisheit und alte Schmöker in Zweierreihen. Zum Beispiel die Bücher von Eleanor Alice Burford, die unter vielen Namen mehr als 200 historische Schmöker schrieb und als Victoria Holt noch heute durch die Büchereien spukt, von Gwen Bristow, Utta Danella, Peter Scholl-Latour, Norman Mailer oder von Harold Robbins, dessen Mixtur von Erfahrungen, Fakten sowie viel Sex ihn zu einem der meistverkauften Autoren machte. Bei geschätzt 750 Millionen verkauften Büchern konnte er mit der Verachtung der Literaturkritiker wohl gut leben. Doch der Lesergeschmack ist wandelbar: Heute würden Robbins Schmöker kaum noch Käufer finden, heute dominieren überwiegend skandinavische Krimis die Bestellerlisten. Aber wer sucht, wird fündig: Im Buchregal steht auch Friedrich Ani mit seinem Krimi-Roman „Die Erfindung des Abschieds“, den Kritiker in der Schweiz als einziges deutschsprachiges Buch unter die zehn besten Kriminalromane der neunziger Jahre wählten.

 Bürokratie gibt es beim „Offenen Buchregal“ nicht. Wem ein Buch gefällt, der kann es mitnehmen, einfach so. Und derjenige, der Lektüre vorbeibringen möchte, gibt sie einfach ab, drei Mitarbeiterinnen im Rathaus kümmern sich um das große Regal.  rnk

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