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Auetal Wenn Worte den Tod bedeuten
Schaumburg Auetal Wenn Worte den Tod bedeuten
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00:20 06.04.2015
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Rehren

Rehren. Was genau den damals 61-jährigen Schlüter zu seiner verhängnisvollen Aussage brachte, kann heute wohl nicht mehr abschließend geklärt werden. Doch am 3. April 1945 redete sich der Wirt der Gaststätte „Zum Auetal“ am Rehrener Marktplatz gegenüber seinen Gästen in Rage: Es sei der Wehrmacht zu verdanken, dass die Engländer jetzt vor der Tür stehen, polterte Schlüter. Ausgerechnet vor Soldaten der Wehrmacht, die an der Theke saßen. „Werft Eure Scheiß-Waffen weg!“, soll er in die Runde gerufen haben. „Bald ist sowieso alles vorbei. Das verdanken wir dem Verbrecher Adolf Hitler.“

Im Anschluss an die Aussage kam es zum Streit. Doch Schlüter ließ sich nicht besänftigen und legte nach: „Es wäre besser gewesen, wenn das Attentat auf den Führer am 20. Juli gelungen wäre“, soll er gesagt haben. Die Soldaten forderten ihn auf, die Worte zurückzunehmen – er weigerte sich.

Auch am nächsten Tag, als Gewehrläufe auf ihn zielten, stand er zu seiner Aussage. Unter der Autobahnbrücke wurde er wegen „wehrkraftzersetzender Äußerungen“ erschossen. Heute erinnert eine Gedenktafel an den Auetaler.

Vor dem Schwurgericht Bückeburg wird der Fall 1964 neu aufgerollt. Im Mittelpunkt steht der zur Tatzeit 21-jährige Leutnant Jürgen Löffler. Er erklärt vor Gericht, der Gauleiter habe befohlen, den Gastwirt zu erschießen.

Nach der Vernehmung von 28 Zeugen kommt es zum Urteil: zwei Jahre Haft für Löffler. Auch nach damaliger Rechtslage hätte Löffler keine Exekution anordnen dürfen, da kein Befehl eines militärischen Vorgesetzten vorgelegen habe, befindet das Gericht. Doch wegen des Straffreiheitsgesetzes von 1954 muss er seine Haft nicht absitzen. jak

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