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„Wir haben mehr als nur eine schöne Landschaft“

Auetal / Ausblick „Wir haben mehr als nur eine schöne Landschaft“

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen, Zeit, um eine Bilanz zu ziehen. Redakteur Frank Westermann hat sich mit Bürgermeister Thomas Priemer unterhalten: über schöne und schlechte Momente, über Chancen und Finanzen, über Wünsche und ihre Grenzen.

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Mehr Angebote von Betrieben, die mit der Reiterei arbeiten, wünscht der Verwaltungschef. Denn das Auetal sei für die Reiterei prädestiniert.

Quelle: la

Auetal. Herr Priemer, was werden Sie aus diesem Jahr mitnehmen, was war der Höhepunkt?

 Der Höhepunkt in diesem Jahr war für mich die Eröffnung des Familienzentrums in Rolfshagen. Wir wollen dem demografischen Wandel offensiv entgegentreten, das bedeutet auch, dass wir bei den sogenannten weichen Standortfaktoren gute Bedingungen vorweisen. Mit dem Familienzentrum haben wir eine Einrichtung geschaffen für Eltern und Kinder, eine Anlaufstelle für alle, die Informationen, Hilfen brauchen, die sich weiterbilden wollen und den Erfahrungsaustausch suchen.

Und der Tiefpunkt?

 Borstel. Diese sehr langwierige Straßenbaumaßnahme hat mich persönlich sehr geärgert. Es gab jede Menge Verzögerungen, die nicht allein auf die Verhältnisse im Untergrund zurückzuführen waren. Neben der Belästigung der Bürger gibt es ja auch eine Infrastruktur, es gibt Menschen in Borstel, die dort arbeiten und ihr Geld verdienen. Die Borsteler wurden in den letzten Monaten sehr in Mitleidenschaft gezogen.

Würde Rintelns Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz hier mal eine Ratssitzung verfolgen, er würde bittere Tränen des Neids weinen: Man geht hier in den politischen Gremien sehr respektvoll miteinander um, oder?

 Kampfabstimmungen sind die absolute Ausnahme. Wichtig ist das Gefühl zu erzeugen, dass zum abschließenden Beschluss alle Beteiligten etwas beigesteuert haben. Eine gute politische Kultur vermittelt auch dem Bürger das Gefühl, dass die Dinge politisch vernünftig abgearbeitet werden.

Sie sind ja ein richtiger Gefühlsmensch.

 Auf jeden Fall strebe ich Harmonie an. Schauen Sie, im Auetal kennen sich alle, es gibt hier sehr viele gute örtliche Strukturen und Dorfgemeinschaften. Es gibt daher in der Politik auch viel Verständnis für die jeweils andere Seite, weil man sich auch privat trifft und immer wieder austauscht.

Sprechen wir über das liebe Geld. Wie viel hat die Gemeinde für die freiwilligen Leistungen zur Verfügung?

 Wir haben das mal ausrechnen lassen und sind auf 170000 Euro gekommen. Das sind 2,6 Prozent des Haushalts.

Viel ist das nicht.

 Damit müssen wir die Vereine unterstützen, die Seniorenarbeit, Kultur anbieten oder in die Jugendpflege investieren, weil wir dort deutlich stärker engagiert sind, als es der Gesetzgeber vorsieht. Oder nehmen Sie das Licht in der Sporthalle. In einer Schulsporthalle muss ich es aufrechterhalten, in einer Vereinshalle nicht. Das summiert sich schnell.

Aber es sind die freiwilligen Leistungen, die die Lebensqualität in einer Kommune bestimmen.

 Unbestritten. Lebenswert wird eine Kommune durch diese Leistungen. Und es ist gut, dass wir uns über alle Fraktionen hinweg einig sind, dass es keine wesentlichen Einschränkungen mehr geben wird. Um ein konkretes Beispiel zu nennen: Die Schließung eines Freibads wäre für eine Kommune ein Offenbarungseid. Ich kann nicht auf der einen Seite überall das familienfreundliche Auetal loben und auf der anderen dann solche Sachen machen. Das geht nicht.

Sie brauchen mehr Geld!

 Wer braucht das nicht? Ich hoffe auf eine wichtige Entscheidung im Januar, wenn der Rat entscheidet, wer für die nächsten 20 Jahre die Stromkonzession erhält. Zurzeit werden die Angebote ausgewertet, danach wird entschieden: Treten wir in eine große kommunal gesteuerte Gesellschaft ein, oder betreiben wir das Stromnetz selbst. Sagen wir es so: Ich erhoffe mir einen großen Einfluss auf die wirtschaftliche Tätigkeit der Gemeinde Auetal.

Also Einnahmen. Das weckt Begehrlichkeiten, immer.

 Wir sind gerade bei den Haushaltsberatungen für 2013, und alle Fraktionen haben begriffen, dass die Finanzausstattung der Gemeinde nicht den großen Spielraum erlaubt. Wir werden weitere Konsolidierungsmaßnahmen ergreifen müssen.

Es ist Aufgabe der Verwaltung, Vorschläge zu unterbreiten.

 Sie werden kommen, verlassen Sie sich drauf.

Da bin ich mir sicher. Apropos Vorschläge: Was erwarten Sie von den Studenten, die das Auetal auf seine Lebensqualität geprüft haben?

 Wir werden sicherlich von ihnen kein Regelwerk erhalten, keinen Zehn-Punkte-Katalog, den wir nur abarbeiten müssen, damit alles gut wird. Aber das Stoppen des demografischen Wandels muss eine politische Forderung werden, die allen die Entwicklung vor Augen führt und regelmäßig überprüft werden muss.

Sonst?

 Wenn ich gar nichts mache, trifft die Statistik zu: Dann leben im Jahr 2025 rund zehn bis 15 Prozent Bürger im Auetal weniger. Das Problem ist ja, dass die Gemeinde keinen Zugriff darauf hat, ob wir geburtenstarke oder geburtenschwache Jahrgänge haben. Wir müssen Anreize schaffen, wir können nur vorwärtskommen, wenn wir regionale Arbeitsplätze sichern und schaffen.

Kann das durch den Tourismus geschehen?

 Wir haben durchaus Bereiche, die wir vorweisen können, denn eine schöne Landschaft hat ja jeder in Deutschland. Da wäre der Pilgerweg, der zertifizierte Fernwanderweg auf dem Wesergebirge und Übernachtungsmöglichkeiten, um auch mal eine Buslandung Besucher aufzunehmen. Und weil Tourismus nicht an Gemeindegrenzen Halt macht, haben wir uns zusammengeschlossen mit Hessisch Oldendorf, Rinteln und Aerzen; auch, weil wir das Know-how und die finanziellen Mittel nicht haben, um ein derartiges Projekt allein zu stemmen, haben wir uns Profis angeschlossen. Wir haben Natur, wir haben Wanderwege, wir haben Radwege – aber Tourismus ist immer auf Langfristigkeit angelegt.

Und es ist schwer zu definieren.

 Klar, es gibt auch Skeptiker – und in diesem Punkt haben wir auch nicht immer Einigkeit im Rat. Aber wir sind jetzt ein fester Bestandteil der Region, wir werden überregional beworben. Und, nicht zu vergessen: Wir haben vor drei Jahren bei null angefangen. Was mir ein bisschen fehlt, ist die Bereitschaft, gerade im touristischen Bereich sich privat zu engagieren. In vielen Häusern ist noch Platz, und mit wenig Aufwand ist oftmals viel zu erreichen. Die meisten Touristen wollen nicht das Fünf-Sterne-Hotel, sondern ein gutes Bett zum Schlafen und morgens ein schönes Frühstück. Da ist noch Potenzial vorhanden. Außerdem gibt es verbilligte Darlehen und Fördermittel – und Ansprechpartner und Experten, die kommen gerne mal raus und gucken sich das an.

Denken Sie an einen ganz bestimmten Bereich?

 Das Auetal ist in meinen Augen prädestiniert für die Reiterferien. Es müssten vor allem die Betriebe, die mit der Reiterei arbeiten, Angebote entwickeln. Aber das alles sind Dinge, die im hohen Maße von der Freiwilligkeit geprägt werden.

In Rinteln hat die CDU den Bürgermeister aufgefordert, für mehr Betriebsansiedlungen zu sorgen. Wenn das so einfach ist, warum holen Sie den Deutschlandsitz der Telekom nicht ins Auetal?

 Über meine Versuche, Firmen ins Auetal zu holen, könnte ich ein Buch schreiben. Aber die Firmen entscheiden sich für Bad Nenndorf, Bantorf oder Lauenau, weil es dort beides gibt: eine Bundesstraße und eine Autobahn. Das haben wir nicht. Wer hier von der Autobahn abfährt, der will ins Auetal und nicht nach Stadthagen, Hameln oder Springe. Außerdem achten logistische Unternehmen, und über die sprechen wir ja, auch auf eine Bahn- und Wasseranbindung, wie etwa den Mittellandkanal. Das ist ja eben die große Schwierigkeit, weil die Infrastruktur fehlt. Aber wir haben ja auch Erfolge, wie etwa Genesis Display. Und die Firmen, die wir haben, gelten als sehr leistungsfähig. Zudem sind die Leerstände im Gewerbegebiet weitestgehend aufgefüllt. Aber es gibt dort auch noch vier Hektar, die wir Interessierten anbieten können.

Auf was sind Sie 2013 am meisten gespannt?

 Ob das Betreuungsgeld durchschlägt. Das Auetal ist auf jeden Fall vorbereitet, um das Recht auf einem Krippenplatz umsetzen zu können; sei es mit Blick auf das Personal, sei es mit Blick auf die Räumlichkeiten. Aber ich bin gespannt, wie viele Eltern sich entscheiden, ihr Kind nicht in den Kitas unterzubringen.

Letzte Frage: Was macht Ihr Lieblingsverein Borussia Dortmund im nächsten Jahr?

 Schlägt im Finale der Champions League die Bayern.

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