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„Wunderbar, das wird großartig“

Hattendorfer Acker wird Refugium für bedrohte Arten „Wunderbar, das wird großartig“

Es sind 13,8 Hektar, nach denen sich jeder Landwirt die Finger lecken würde, 13,8 Hektar für eine Beweidung oder – noch besser – als Anbaufläche für Mais. Es sind 13,8 Hektar, die der Naturschutzbund (Nabu) gekauft hat; für einen sehr günstigen Preis, weil der Verkäufer dem Naturschutzgedanken nahe stand.

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Bei der Besichtigung von Feld, Flur und Teichanlagen: Holger Buschmann (von links), Rolf Wittmann und Gerd Meier. Obwohl es am Tag zuvor heftig geregnet hat, ist der Teich leer. Also muss nachgebessert werden.

Quelle: rnk

Hattendorf. „Das wird wunderbar“, sagt Holger Buschmann an diesem kalten Morgen, als der Vorsitzende des Landesverbandes gemeinsam mit den örtlichen Nabu-Strategen Rolf Wittmann und Gerd Meier das Gelände in Hattendorf abschreitet, „das wird ganz großartig.“ Denn die Pläne liegen seit jeher auf dem Tisch. Jetzt steht die Umsetzung an – und die Nachbesserung auch.

 Das Areal lässt sich grob in drei Flächen teilen: Es beginnt mit einem riesigen Acker, der zu einem Teil in einen Schutzacker umgewandelt werden soll, „weil sich das gesamte Projekt als ein echter Erfolg entpuppt hat“, wie Buschmann erklärt.

 Mitte 2010 wurde in Hattendorf der erste niedersächsische Schutzacker eröffnet; eine Fläche, die eine dem Erhalt schutzwürdiger Ackerwildkräuter förderliche Bewirtschaftung sicherstellt. Ziel und Funktion: Schutz und Erhalt gefährdeter Segetalarten und -gesellschaften, die Wiederausbreitung seltener Ackerwildkräuter und die Bewahrung des genetischen Potenzials von „Unkraut“-Sippen. Dort kann wachsen, gedeihen und blühen, was auf der Roten Liste steht oder gar in Niedersachsen schon als gänzlich ausgestorben gilt.

 Die Naturschützer haben den Samen der auf dem ersten Schutzacker blühenden Pflanzen gesammelt. Er wird auf dem zweiten Acker ausgesät. „Allerdings nur die wirklich seltenen Exemplare“, meint Buschmann und zeigt mit großer Geste über den restlichen Acker: Sieben Grasarten wachsen jetzt dort, alles Sorten, die als konkurrenzschwach gelten, und 30 unterschiedliche Kräuter. Es wird ein Weg angelegt, auf dem der Landwirt mit dem Traktor zum zweiten Schutzacker fahren kann, und Hecken werden lückenhaft gepflanzt.

 Es wird eine Landschaft werden, „wie wir sie früher einmal hatten“, erklärt Buschmann. Nur Geduld müsse man haben, sie werde „langfristig“ entstehen. Soll heißen? „Zehn bis 20 Jahre“, sagt der Nabu-Chef.

 Der obere Bereich umfasst Weide und Gehölze, Teich und Bäume, er wird erst einmal geteilt. In unteren Bereich ist eine Beweidung vorgesehen, dort sollen Pferde und Rinder weiden. Die Pferde werden dabei ganzjährig draußen bleiben, sofern das Veterinäramt zustimmt. Buchmann ist davor nicht bange. Er weist nach vorn, dort stehen Eichen, Erlen, Feldahorn, Linden – und das bedeute, viel Schutzraum für die Tiere. Er drängt sich mit Meier und Wittmann durch das Gebüsch, und dann steht das Trio vor einem Teich, der kürzlich ausgebaggert wurde. „Das ist doch phantastisch für die Pferde“, meint Wittmann. Auch andere Tiere fühlen sich am Teich wohl, der in diesem Jahr übrigens zum ersten Mal seit langer Zeit ganzjährig Wasser führte: Überall ist der Boden von Wildschweinen aufgewühlt, an den Rändern wachsen Schwertlilien und Wasserminze.

 Es sei die Mischung, die dem Naturschutz dienen solle, erklärt Buschmann: „Rinder und Pferde fressen ganz unterschiedlich, und so düngen sie auch.“ Während Pferde feste Plätze hätten, sei es dem Rindvieh ganz egal, wo es seine Ausscheidungen hinterlasse. Die beiden Pferde werden Koniks sein, das ist eine Ponyrasse aus dem mittel- und osteuropäischen Raum. Ihr Vorteil: Sie sind sehr robust und finden sowohl in der Landwirtschaft als auch bei der Erhaltung von zahlreichen Naturschutzgebieten Verwendung. Sie sind also praxiserprobt, langlebig und robust, denn sie haben sich vor allem als Trag- und Zugpferd in der Landwirtschaft bewährt. Sie gehen auf den Tarpan, ein im 19. Jahrhundert ausgestorbenes Wildpferd, zurück.

 Bei den Teichen entdeckt Wittmann einen Kammmolch und freut sich darüber: Das ist das Futter für einen Storch, vielleicht siedelt sich dort mal einer an.

 An der neuen Tümpelanlage auf den Wiesen kühlt sich die gute Stimmung ein paar Grad ab, denn dort stehen Nachbesserungen an. Obwohl es am Tag zuvor heftig und lang geregnet hat, führen die Tümpel kein Wasser. Es muss mit einer Lehmton-Mischung nachgedichtet werden, weil der untere Teichbereich zu durchlässig ist. Wittmann und Meier bleiben gelassen, die Kosten trage der Landesverband.

 Am Wegesrand findet Buschmann noch eine Skabiosen-Flockenblume, die viel Energie in die Versorgung ihres Wurzelwerkes stecken muss. „Und hier endet ihre Verbreitung, hier ist ihre Grenze“, sagt der Chef des Landesverbandes: Am Bückeberg und weiter westlich sei sie nicht mehr zu finden. Auch der Wirbeldost wachse dort reichlich, ein rosa blühender Lippenblütler mit schwachem aromatischem Duft, der bei Bienen und Schmetterlingen beliebt sei. Daher sei diese anspruchslose sonnenliebende Pflanze auch recht gut für den Naturgarten geeignet, so Wittmann. Und sie passe bestens zu den Ackerplänen.

 Noch in diesem Jahr soll das Areal eingezäunt sein, und Hecken und Sträucher werden auf ein vernünftiges Maß zurückgeschnitten. Dann können die Tiere kommen. rnk

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