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Zweimal Borstel, einmal Rehren

Wohin mit dem Grünschnitt? Zweimal Borstel, einmal Rehren

Gemeinhin treten Politiker mit ihren Plänen an die Öffentlichkeit, wenn sie sich auf Fakten und – weit wichtiger – auf die gern zitierten harten Zahlen stützen können. Wenn sie also auf den Cent genau wissen, was ein angestrebtes Projekt kosten wird. Bei der Arbeitsgruppe von SPD und Grünen, die nach einem Standort für eine Grünschnitt-Abgabestelle sucht, ist dies ein bisschen anders. Noch bevor es konkrete Zahlen gibt, geht sie an die Öffentlichkeit. Und das liegt auch am Buschfunk, am Borsteler Buschfunk, um genau zu sein, aber dazu gleich mehr.

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Im Gewerbegebiet nutzt der Bauhof eine Fläche Splitt und Grünabfall. Sie wäre auf Pachtbasis erhältlich.

Quelle: rnk

Auetal. Die rot-grüne Landesregierung hat bekanntlich die Brenntage abgeschafft, und seitdem ist die Gemeinde Auetal einer von zwei weißen Flecken im Landkreis, was den Grünabfall betrifft: Es gibt – wie in Lindhorst – keine Lösung über die Abfallwirtschaftsgesellschaft Landkreis Schaumburg (AWS) oder eben eine Annahmestelle für Grünabfall wie in Rinteln oder Obernkirchen. Die Befürchtung der Politiker: Jetzt entsorgt der Bürger seinen Abfall einfach im Wald. Nicht nur Manfred Spenner als Chef des Bauhofes, sondern auch der eine oder andere Ortsvorsteher wie Heiner Thies in Wiersen weiß entsprechende Geschichten zu erzählen: Mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen und einer Schubkarre an den Händen marschiert der Bürger auf den Friedhof, um dort seinen Grünschnitt abzukippen – es wird sich schon jemand kümmern.

 Die Gruppe SPD/Grüne habe im November 2014 aus Unzufriedenheit eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich zum Ziel gesetzt hat, eine „Grünschnitt“-Lösung für die Auetaler zu finden, erklärt Stefan Weber als SPD-Fraktionsvorsitzender am Montagabend im Rathaus. Denn die vorgeschlagene Lösung der AWS, den Grünschnitt für 60 Euro für maximal drei Kubikmeter abzuholen, sei doch „ein Witz“ gewesen, meint Weber. Die später nachgereichte Halbierung der Kosten war „eine Rechnung, die ich heute noch nicht verstehe“.

 Diese Arbeitsgruppe habe nun in den vergangenen Wochen mehrfach getagt und unterschiedliche Konzepte durchdacht. Anfang Dezember habe man dann erste Gespräche mit der Verwaltung geführt, schließlich sei es ja das Rathaus, das später entsprechende Pläne umsetzen müsse. Da sei es naheliegend, die Verwaltung frühzeitig mit ins Boot zu holen. Weber: „Jetzt sind wir so weit, dass wir drei ernsthafte Standortmöglichkeiten haben.“

 Die erste Standortmöglichkeit für eine Grünabfall-Abgabestelle liegt auf der Hand: Sie liegt im Rehrener Gewerbegebiet. Es ist die Fläche, die der Bauhof schon jetzt nutzt, um Grünabfall oder Splitt zu lagern. Sie liegt relativ zentral im Auetal und hat einen Vorteil: Sie wäre wohl auf Pachtbasis zu bekommen, entsprechende Gespräche müssen aber noch geführt werden. Weber sieht es erst einmal so: Eine Pacht macht mehr Sinn als eine Investition, aber um jeden Preis werde man nicht auf Rehren bestehen.

 Die beiden anderen möglichen Abgabestellen liegen im Borsteler Bereich. Die erste wäre der Sportplatz. Dieser befindet sich im Besitz der Gemeinde, und eine mögliche Abgabestelle würde die derzeitige Nutzung nicht gefährden oder beenden, stellt Weber für seinen Arbeitskreis heraus: Weder Schweineparty noch der Trainingsplatz für die Hunde wären beeinträchtigt. Soll auch heißen: Ganz so viel Platz wird nicht benötigt.

 Die dritte Möglichkeit findet sich im Dorf selbst, auf dem Raiffeisen-Gelände, das seit Jahr und Tag verfällt. Und dies ist auch ein Grund, warum der Arbeitskreis an die Öffentlichkeit geht: Die Pläne sind durchgesickert. „In Borstel“, formuliert es Ortsvorsteher Hans-Werner Gerber, „regt sich schon der Widerstand.“ Und auch der eine oder andere Bürger habe zum Telefonhörer gegriffen, die Rathausnummer angerufen und gefragt: „Stimmt es, dass eine Grünabschnitt-Abgabestelle in den Ort kommt?“ Es ist auch der örtliche Buschfunk, der den Arbeitskreis zur Transparenz zwingt. Das Raiffeisen-Gelände wäre unter Kostengesichtspunkten wohl die schlechteste Wahl: Das Gelände müsste für einen fünfstelligen Betrag gekauft werden, anschließend müsste die Gemeinde noch mehr Geld in die Hände nehmen, weil die Gebäude abgerissen und entsorgt werden müssten.

 Sondierungsgespräche mit dem Besitzer des Raiffeisen-Geländes habe man geführt, sagt Weber. Überhaupt man habe sehr viele und sehr konkrete Gespräche geführt: Mit dem Landrat und mit der AWS, weil sie mit einbezogen werden müsse; völlig unabhängig davon, welche Lösung am Schluss gefunden werde. Manfred Spenner sieht es ähnlich: Bei der AWS gehe es auch um eine Gleichbehandlung der Auetaler Bürger: „Wir haben keine Annahmestelle, und es kann nicht sein, dass der Bürger aufgefordert wird, 20 oder 30 Kilometer zu fahren, um den Grünschnitt loszuwerden.“

 Die Gruppe bereitet jetzt einen Antrag vor, der die Verwaltung beauftragt, diese drei Möglichkeiten genau durchzukalkulieren und dem Rat einen Vorschlag zu unterbreiten. Das neue Konzept, sofern es finanziell machbar ist und vom Rat verabschiedet wird, soll zum Beginn der nächsten Grünschnittphase, also Anfang Herbst, greifen, sagt Weber. Spenner rechnet damit, dass in vier bis sechs Wochen Zahlen auf dem Tisch liegen.

 Zu klären sind noch einige Punkte: Wie lange ist die Abgabestelle geöffnet? Darüber, so Weber, habe man noch nicht gesprochen, aber den ganzen Tag werde sie wohl nicht offen sein. Zu den Investitionen gehört, so oder so, auch noch ein entsprechendes Fahrzeug. Sparen würde die Gemeinde auch: Rund 17.000 Euro zahlt sie in diesem Jahr für die Entsorgung des Grünschnitts, die bei einer eigenen Annahmestelle entfielen, dazu kämen noch Einnahmen durch die Abgabe selbst.

rnk

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