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Arbeitsteilung auf der Drogenplantage

Cannabis-Plantage in Borstel Arbeitsteilung auf der Drogenplantage

Haftstrafen zwischen 36 und 40 Monaten hat das Bückeburger Landgericht gestern gegen drei frühere Betreiber einer Cannabis-Plantage in Borstel verhängt.

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Symbolbild

Quelle: DPA

BORSTEL/BÜCKEBURG.. Richterin Eike Höcker, Vorsitzende der 2. Großen Strafkammer, nannte die Anlage „hochprofessionell“. Fast 500 Pflänzchen hatten sich prächtig entwickelt, waren aber noch nicht erntereif. Sie hätten zusammen mehr als zwölf Kilogramm Marihuana ergeben.

Arbeitsteilung auf der Drogenplantage: Alle drei Betreiber hatten spezielle Aufgaben. So war der Hauseigentümer (56) für die Technik zuständig. „Er stellte nicht nur die Räumlichkeiten zur Verfügung, sondern kümmerte sich auch um die Elektroanlage“, erkärt Richterin Höcker. Ausgerüstet war die Plantage beispielsweise mit Natriumdampflampen, einer ausgefeilten Entlüftungsanlage und elektrisch gesteuerten Ventilatoren. Zu jeder Dampflampe gehörte ein Vorschaltgerät, insgesamt 51. Technische Laien verlieren da leicht den Überblick.

„Es war ein Volltreffer“

Als Drahtzieherin gilt die gleichaltrige Frau des 56-Jährigen, denn sie hatte die Kontakte. Schließlich muss man die Ernte auch loswerden. Ein zweiter Mann, offenbar der Geliebte der Frau, sei „für das Gärtnerische zuständig“ gewesen, so Höcker. Er hatte bereits Erfahrung mit dem Anbau von Hanf.

Unter Geldnot litten nach Erkenntnissen der Kammer alle drei. „Sie waren wirtschaftlich am Ende“, erklärt die Richterin. Das Trio habe daher ein Interesse am Erfolg der Plantage gehabt und diese gemeinsam betrieben. Bei der Frau kam als Motiv offenkundig Spielsucht hinzu.

Strafmildernd berücksichtigte das Gericht vor allem die drei Geständnisse. Zudem war die Plantage an jenem 1. November 2016, als Polizisten in Borstel anrückten, noch im Aufbau. „Es war ein Volltreffer“, erinnert Eike Höcker an die gelungene Razzia. Aus einem Strafverfahren, das in Münster lief, hatten die Fahnder Hinweise auf eine Frau mit anderem Namen erhalten. Wie sich herausstellte, war es die 56-Jährige aus Borstel. Es folgten monatelange Ermittlungen. Telefone wurden abgehört, ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera machte Aufnahmen von dem Gebäude.

Die Plantage war im Obergeschoss des Hinterhauses untergebracht. Offenbar hatten im Erdgeschoss zuvor bereits mehrere Mieter eine ähnliche Anlage betrieben. Diese Räume waren dadurch unbewohnbar. Die neuen Betreiber bedienten sich des Equipments, das die Mieter zurückgelassen hatten, und ließen die Plantage an anderer Stelle wieder aufleben. Zum Zeitpunkt der Razzia waren die Hanfpflanzen elf bis 25 Zentimeter groß.

Erpressung vermutet

Auch Staatsanwalt Jan Salaschek hält die Frau für die Drahtzieherin. „Dies wird von meiner Mandantin mit äußerstem Nachdruck bestritten“, entgegnete Verteidiger Tuan Anh Delarber.

Von der Untersuchungshaft sei die 56-Jährige „äußerst beeindruckt“. Die Frau selbst hatte sinngemäß erklärt, sie sei von den vorherigen Betreibern, ihren Landsleuten, erpresst worden, die Plantage wieder aufzubauen.

Ihr mutmaßlicher Geliebter bekam Kost und Logis. „Wo soll da der finanzielle Anreiz gewesen sein?“, fragte dessen Anwalt Lars Hinners eher rhetorisch. Dimitrios Kotios, der den Hauseigentümer vertritt, sieht seinen Mandanten lediglich als Gehilfen. Finanzielle Interessen habe der Ehemann nicht gehabt. „Er hat mitgemacht, weil er davon ausging, dass seine Frau erpresst wird.“

Vorausgegangen war dem Urteil eine legale Absprache aller beteiligten Juristen. Im Gegenzug für Geständnisse hatte die Kammer den Angeklagten zugesichert, in keinem Fall mehr als dreieinhalb Jahre Haft zu verhängen. Die Frau bekam schließlich drei Jahre und vier Monate, ihr Mann einen Monat weniger, der Geliebte drei Jahre. Gegen das Urteil ist noch Revision möglich.  ly

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