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Cammer / Renaturierte Riehe

Damit Tiere und Pflanzen sich stabil entwickeln


Schon über ein Jahrzehnt lang arbeiten Politik, Ortsrat Cammer und Verwaltung der Stadt Bückeburg gemeinsam an dem Projekt, das landschaftliche Kleinod Riehe auf dem Weg vom Ortskern Cammer nach Norden in Richtung Nordrhein-Westfalen ökologisch zu verbessern. Ende vergangenen Jahres wurde ein großer Schritt dazu getan.

Cammer (rd). Dort, wo die Anliegerstraße Holzkamp die Riehe kreuzt, konnte die Stadt als Projektträger vier kleinere, landwirtschaftliche Grundstücke erwerben. Die Gesamtkosten einschließlich Renaturierung betragen 45 000 Euro, wovon die Stadt etwa 45 Prozent aufbringen muss. 55 Prozent werden durch die Förderung des Landes Niedersachsen unter finanzieller Beteiligung der Europäischen Union im Rahmen der Förderrichtlinie Natur- und Landschaftsentwicklung und Qualifizierung für Naturschutz und Leader gedeckt.

Der gerade Verlauf der Riehe wurde mäandert, also geschlängelt, und ihr Querschnitt vergrößert. Sie schlängelt sich jetzt durch ihre kleine Niederung. Einzelne Abschnitte werden noch bepflanzt. Die Umsetzung geplant und begleitet hat das Landschaftsplanungsbüro ONeun, Wolfgang Hanke. Ausgeführt wurden die Arbeiten durch den Garten- und Landschaftsbaubetrieb Siemen, Bad Münder.

So entstanden kleine, sich durch die Boden- und Geländeverhältnisse unterscheidende Lebensbereiche. Auf dieses Mosaik an Lebensräumen am und im Gewässer sind jeweils andere Tier- und Pflanzenarten angewiesen. Sie können jetzt neuen Lebensraum finden, so die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung. Südlich des angrenzenden Pappelwaldes und auch nördlich der Renaturierungsfläche haben sich sehr seltene und deshalb nach Naturschutzrecht unter Schutz gestellte Seggenriede und Sumpfdotterblumenwiesen erhalten. Von hier kann die renaturierte Fläche von diesen seltenen Arten wiederbesiedelt werden.

Zwei Flächen werden von Acker in Grünland umgewandelt. Sie sollen zukünftig als Weide landwirtschaftlich genutzt werden. Auch dies kommt der Ökologie des Gewässers zugute. Es wird weniger Erdreich von den Seiten her eingetragen, die Räumung muss seltener erfolgen, Tiere und Pflanzen können sich ungestört entwickeln. Im Falle eines Hochwassers wird durch das erweiterte Profil mehr Wasser aufgenommen und die oberliegenden Häuser bleiben verschont.
Insgesamt ist die Riehe jetzt ab der Friller Straße auf einer Länge von 500 Metern renaturiert. Sie bildet so eine wichtige Lebensraumachse für die Tier- und Pflanzenwelt. Viele solcher Rückzugs- und Entwicklungsorte sollen, zu einem Mosaik zusammengefügt, ein Biotopverbundsystem bilden, in dem Tiere und Pflanzen sich stabil entwickeln und von denen aus sie alte, verloren gegangene Lebensräume wiederbesiedeln können.

In Deutschland sind akut 70 Prozent der hier ursprünglich vorkommenden Lebensräume durch Bebauung und Vereinheitlichung der Landschaft bedroht. Die Riehe-Niederung ist ein solcher seltener Lebensraum, ein wichtiger Baustein, die Biodiversität zu erhalten.

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