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Bückeburg Ortsteile „Der Druck ist spürbar“
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Ortsteile „Der Druck ist spürbar“
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07:50 15.02.2019
Bei den Viertklässlern der Grundschule Heeßen steht bald der Wechsel auf eine der weiterführenden Schulen an. Quelle: wk
Heeßen

Um die Väter und Mütter dabei zu unterstützen, lädt die Grundschule Heeßen die Eltern im Abstand mehrerer Wochen zu zwei eigens dafür angesetzten Elternsprechtagen ein. Der eine Termin hat bereits stattgefunden, der nächste ist für Ende März geplant. Die Kinder, um die es bei dieser Entscheidung geht, können bei den Einzelgesprächen dabei sein, müssen es aber nicht.

„Das Wichtigste ist, dass man sich sein Kind genau anguckt“, rät Anja Buhr, die kommissarische Leiterin der Grundschule. Zu überlegen sei von den Eltern, was auf welchem Bildungsweg auf das Kind zukommt und was davon zum jetzigen Zeitpunkt für dieses Kind passt.

Denn wenn ein Kind jetzt schon viel üben muss, um sich den Unterrichtsstoff anzueignen und die Klassenarbeiten zu schaffen, dann kann der Wechsel auf das Gymnasium durchaus eine Überforderung des Kindes zur Folge haben. Ungeachtet der dort zusätzlich zum regulären Deutsch- und Mathematikunterricht angebotenen Förderkurse.

Nicht nur auf die Noten schauen

Für den Lernerfolg bedeutsam ist laut Buhr, dass den Kindern der Spaß an der Schule nicht verloren geht. Daher sollten Eltern auch keinen übermäßigen Druck auf das Kind ausüben. Der Stellenwert, den Schule hat, sollte zwar „deutlich“ sein, indem dem Kind etwa klar sei, dass die Hausaufgaben zu erledigen seien. Aber Eltern sollten die Schulnoten „nicht als das anschauen, was das Kind ausmacht“.

Tatsächlich stehen aber doch etliche Grundschüler unter hohen Erwartungen: „Der Druck kommt auch viel von zu Hause, weil sich die Eltern eine gute Laufbahn für ihr Kind wünschen“, berichtet Buhr. „Der Druck ist spürbar.“ Und daher gibt es ihrer Erfahrung nach auch immer wieder Eltern, die ihr Kind trotz schlechten Notenbildes auf das Gymnasium schicken – entgegen der Empfehlung der Grundschullehrer. „Für das Kind tut es mir leid, denn da sind viel Frust und viel Enttäuschung für das Kind vorprogrammiert“, so Buhr.

„Ich finde den freien Elternwillen wichtig“, merkt Ina Meier, Lehrerin an der Grundschule Heeßen, zu diesem Thema an. Aber auf keinen Fall sollten Eltern danach entscheiden, auf welche weiterführende Schule die Freunde des Kindes wechseln. Relevante Kriterien seien außer den Schulnoten vielmehr auch die Lernbereitschaft und das Arbeitsverhalten des Kindes.

Letztes Wort bei den Eltern

Die Entscheidung für den einzuschlagenden Bildungsweg sollten letztlich die Eltern treffen – „auf Basis einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule“, ergänzt Buhr. Denn die Kinder seien noch zu jung, um eine Entscheidung von dieser Tragweite zu treffen.

Zu bedenken gibt Meier noch Folgendes: Die Möglichkeiten, die Schüler heutzutage nach erfolgreichem Abschluss der zehnten Klasse haben, noch das Abitur zu machen, seien „viel größer“ als zu früheren Zeiten. Daher sei es nicht zwingend erforderlich, schon nach der vierten Klasse auf das Gymnasium zu wechseln. Außerdem gebe es auch noch Alternativen zum Abitur – das Handwerk beispielsweise suche „händeringend“ Nachwuchs.

Von Michael Werk