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Die Gelbbauchunke ist zurück

Exkursion durch den Steinbruch Die Gelbbauchunke ist zurück

Unwegsam ist gar kein Ausdruck. Zunächst geht es mit deutlichem Gefälle eine Weile bergab. Auf dem zerfurchten, stellenweise losen Boden sollte jeder Schritt wohlüberlegt sein.

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Typisch für Gelbbauchunken sind auch die herzförmigen Pupillen.

Quelle: ´ly

Kleinenbremen. Dann versinken die Teilnehmer der kleinen Exkursion fast bis zu den Knöcheln im Matsch, obwohl es in den vergangenen Tagen kaum geregnet hat.

Hauptsache, die Gelbbauchunke fühlt sich dort wohl. Das tut sie offenbar, denn innerhalb eines Jahres ist eine vermutlich dreistellige Population entstanden. Im August 2014 hatten Naturschützer in diesem Steinbruch am Nordhang des Wesergebirges bei Kleinenbremen, betrieben von der Barbara Erzbergbau GmbH, rund 1200 Kaulquappen ausgesetzt, später weitere 400.

Zurück zur Exkursion: Einige Minuten später erreicht die Gruppe den ersten Tümpel, nur das Wasser fehlt. „Zugeschlämmt“, erklärt Christian Höppner, Projektmitarbeiter beim niedersächsischen Naturschutzbund Deutschland, kurz Nabu. Kein Drama, zugeschlämmt sind längst nicht alle der fast 90 Tümpel, die der Nabu angelegt hat, sondern vielleicht die Hälfte.

„Das war vorauszusehen“, sagt Höppner. „In dem Steinbruch wird noch deponiert.“ Die Unken haben sich in andere Gewässer verzogen. Im Winter will der Nabu die Tümpel freimachen. Außerdem sollen an einer Wand des Steinbruchs ein oder zwei Betonbecken für die äußerst seltenen Froschlurche gebaut werden. Die Behälter füllen sich dann auf natürliche Weise mit Regenwasser.

Bleibt es bei einem einzelnen Becken, könnte dies eine Oberfläche von zweimal sechs Metern haben. „Wir unterstützen dieses Vorhaben sehr, um alle Chancen auszunutzen“, betont Michael Geissler vom Umweltamt des Kreises Minden-Lübbecke, mit dessen Unterer Landschaftsbehörde der Nabu kooperiert – ebenso wie mit der Barbara.

Mit dem Verlauf des Projekts sind Höppner und seine Mitstreiter bisher sehr zufrieden. Beim Monitoring, einer systematischen Bestandserfassung in dem Steinbruch, sind 27 Unken gezählt worden, die kräftigste ist etwa fünf Zentimeter lang. Tatsächlich sind es viel mehr. Gestützt auf Erfahrungswerte, geht Höppner von geschätzten 200 Tieren aus. Im kommenden Jahr sollen sie zur Fortpflanzung schreiten.

Gelbbauchunken gab es dort bis in die sechziger Jahre, danach verschwand die Art aus dem Steinbruch. Bereits vor der jetzigen Wiederansiedlung existierten an zwei anderen Stellen Porta Westfalicas kleinere Vorkommen, über deren genauen Standort sich die Naturschützer aber ausschweigen, um die kleinen Froschlurche mit der gelben Wampe vor Menschen zu schützen. Insgesamt sind in Minden-Lübbecke 24 Gebiete für eine natürliche Wiederansiedlung vorgesehen, alle in Porta.

Gelbbauchunken gelten als Pionierart. Sie stehen Pate für Tiere wie Zauneidechsen, Kammmolche oder Kreuzkröten, die im Steinbruch gesehen worden sind. Geburtshelferkröten könnten ebenfalls vorkommen. Insgesamt umfasst das bundesweite Nabu-Projekt „Stärkung und Vernetzung von Gelbbauchunken-Vorkommen in Deutschland“ 130 Gebiete in acht Regionen, verteilt über fünf Bundesländer. Als vorbildlich gilt der Steinbruch in Liekwegen, wo mehr als 1000 Tiere leben. Wiederansiedlung in Biotopen dient auch einer Vernetzung der letzten Vorkommen. ly

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