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Flüsterleise unterwegs

DHL setzt auf StreetScooter mit Elektro-Antrieb Flüsterleise unterwegs

Über diesen Lieferwagen ärgern sich wohl nur die Wachhunde: Sie hören kaum noch, wenn ihr „Lieblingsfeind“, der Postbote, auf den Hof rollt.

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Gut zugänglicher großer Laderaum, leichtgängige Schiebetüren: Rainer Backhaus lobt die Vorzüge seines neuen Dienstwagens.

Quelle: kk

LUHDEN/BÜCKEBURG. Dieser ist nämlich jetzt auch in der Region immer häufiger mit einen StreetScooter unterwegs, um in der Verbundzustellung Briefpost und Pakete auszuliefern. Da bollert unter der Haube kein lauter Diesel mehr, stattdessen surrt fast unhörbar ein Elektromotor.

Zwölf der modernen Fahrzeuge, einer Eigenentwicklung der Deutsche Post DHL Group, sind bereits am Zustell-Stützpunkt im Luhdener Gewerbegebiet stationiert, weitere sollen folgen. Von dort aus werden die Samtgemeinde Eilsen, Bückeburg und Obernkirchen bedient. Die Fahrzeuge stehen in einer langen Reihe auf dem Betriebshof, noch hängen sie an der „Nabelschnur“: Über ein Spiralkabel und einen Spezialstecker werden ihre Lithium-Ionen Batterien über Nacht aufgeladen – genug Energie für 60 bis 80 Kilometer Fahrstrecke, je nach Bedingungen. Die Ladeterminals sind computerüberwacht und wurden extra für die neue Fahrzeuggeneration installiert.

Morgens um 8 Uhr sind die Zusteller gerade dabei, die Wagen zu beladen. Einer von ihnen ist Rainer Backhaus, der in Bückeburg Kunden im Südharrl bedient. Seit einigen Wochen ist er mit dem Scooter unterwegs – und durchaus begeistert. „Das ist schon ein tolles Gerät“, beschreibt er seinen neuen Dienstwagen.

Umweltfreundlich, sparsam und ausgesprochen praktisch

Nun gut: Einen Schönheitspreis könnte man mit dem 4,60 Meter langen Lieferwagen wohl kaum gewinnen. Vorn ein eher zierliches Führerhaus, hinten ein kastenförmiger Aufbau. Viel Luxus gibt es auch nicht. Hartplastik, einfache Schalter. Etwas Komfort versprechen der heizbare Fahrersitz und die elektrische Vorheizung im Winter. Dafür ist das Fahrzeug aber umweltfreundlich, sparsam und ausgesprochen praktisch. Kein Wunder, haben doch 200 Zusteller mit ihren Ideen und praktischen Erfahrungen an der Entwicklung mitgewirkt.

Die Ladekante ist hüfthoch angeordnet, das schont die Gelenke beim Ein- und Ausladen. Kartons lassen sich prima stapeln, kein Radkasten stört die Ordnung im quaderförmigen Laderaum, der von drei Seiten zugänglich ist. Ein Sonderlob der Zusteller haben sich die seitlichen Schiebetüren des Ladeabteils verdient: Leichtgängig gleiten sie durch die Führungen, ein Riesenfortschritt gegenüber anderen Fahrzeugen.

Und wie fährt sich das gelbe Raumwunder? Backhaus reicht mir den Schlüssel herüber und lädt zu einer kurzen Testfahrt über den Betriebshof ein. Pressesprecher Jens-Uwe Hogardt und Betriebsleiter Jens Meyer lächeln vielsagend: Sie wissen, da wartet ein ganz besonderes Fahrerlebnis.

Mäusekino mit den nötigsten Informationen

Also: Platz nehmen im Einsitzer. Der Fahrersitz ist recht bequem. Wo normalerweise der Beifahrer Platz nimmt, ist ein Metallgestell eingebaut. Dort werden Sortierkästen mit Briefpost eingesteckt. Jetzt klettert Backhaus hinein, seine neue Rolle als „Fahrlehrer“ macht ihm augenscheinlich Spaß. Schlüssel ins Zündschloss (obwohl ja gar kein Verbrennungsmotor gezündet wird), Drehung nach rechts. Das kleine digitale Kombiinstrument hinter dem Lenkrad erwacht zum Leben, Mäusekino mit den nötigsten Informationen. Statt des Tankinhalts wird der Ladezustand der Batterie angezeigt, 100 Prozent, alles im grünen Bereich.

Ein Blick nach rechts: Ein kleiner Kipphebel im Armaturenbrett ersetzt die Schaltung. Das ist simpel. Hebel rauf – vorwärts; Hebel Mitte – neutral; Hebel runter – rückwärts. Auffälliger ist da schon ein Monitor in Tabletgröße. Zwei Seitenkameras und und eine Rückfahrkamera erleichtern das Manövrieren. Eine sichere Sache, es gibt keinen toten Winkel mehr.

Nun den Fuß auf die Bremse, Kipphebel nach oben, Hand- und Fußbremse lösen – und vorsichtig Gas geben. Im Ecomodus setzt sich der Wagen eher behäbig in Bewegung, in dieser Fahrstufe bewegen sich die Zusteller normalerweise, wenn sie von Haus zu Haus rollen. Bis zu 300 Stopps pro Tour kommen da zusammen, eine erhebliche Belastung für Mensch und Maschine. Für höhere Geschwindigkeiten, auf der Landstraße läuft der StreetScooter 80 Stundenkilometer, gibt es eine weitere Fahrstufe. Die ist jetzt angeklickt. Beim Tritt aufs Gaspedal beschleunigt der beladen bis zu 2,2 Tonnen schwere Wagen stufenlos ziemlich flott. Das Faszinierende: Es ist nur ein Summen zu vernehmen. Gas zurücknehmen, der Wagen wird sofort langsamer. Das erinnert ein bisschen ans Autoscooterfahren auf dem Jahrmarkt – und macht richtig Spaß.

2000 Fahrzeuge sollen auf die Straße

Das finden auch Backhaus und seine Kollegen. Viel wichtiger für sie sind aber die praktischen Vorteile gegenüber herkömmlichen Zustellfahrzeugen wie VW-Caddy und VW T5. Immer wieder werden sie von Kunden angesprochen, ob es denn den gelben Elektrorenner auch zu kaufen gibt. Besonders Handwerker sind interessiert. Das ist aktive Werbung für Elektromobilität – und für das Image von Post/DHL.

„Ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Hogardt. Er verweist auf die Vorreiterrolle, die das Unternehmen mit der Einführung der StreetScooter in Sachen Umweltschutz, Stickoxid- und CO2-Reduktion übernommen hat. 800 sind bundesweit bereits im Dienst, 2000 sollen es Ende des Jahres sein.

Ach ja: Kaufen kann man den StreetScooter (noch) nicht. Zunächst gehen die acht Fahrzeuge, die täglich im Aachener Werk entstehen, an Post und DHL. Die Kapazität wird aber erhöht. Wenn der Eigenbedarf abgedeckt ist, soll auch für den allgemeinen Markt produziert werden. Das Fahrzeug ist eine Gemeinschaftsentwicklung von Post/DHL, Technischer Hochschule Aachen und StreetScooter GmbH. Die Produktionsfirma ist inzwischen komplett von Post/DHL übernommen worden. kk

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