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Fritz das Kitz

Kaum größer als ein Hase Fritz das Kitz

Anderthalb Tage lang hat der kleine Fritz nach seiner Mutter gerufen. Dann wusste Achim Büscher, Revierförster in Nammen, dass die Ricke tot sein musste.

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Familienanschluss: Horst Steuer (von links), Doris Deerberg, Achim Büscher und Maximilian Kopp füttern Fritz.

Quelle: ly

Nammen. Büscher brachte das Kitz, damals kaum größer als ein Hase und vielleicht zwei Wochen alt, zum Nammer Tierretter Maximilian Kopp, der das Baby mit Ziegenmilch aufzog.

„Gut gemacht“, lobt der Förster. „Ohne Max wäre es gestorben.“ Dort, an der Rintelner Straße, verbrachte Fritz etwa sechs Wochen. Heute lebt er am Forsthaus. Aus dem verwaisten Kitz, gefunden an der Nammer Klippe, ist inzwischen ein halbwüchsiger Rehbock geworden, etwa 14 Kilo schwer, neugierig und an Menschen gewöhnt. Genau da liegt das Problem. „Das Tier hat seine Scheu verloren“, erklärt Büscher.

Angst vor Hunden ist Fritz fremd, womöglich auch vor Autos. Auswildern ging also nicht, denn das hätte wohl den Tod bedeutet. Deshalb lebt Fritz heute auf einer wilddicht eingezäunten Wiese am Nammer Forsthaus, umsäumt von Sträuchern, der früheren Forstbaumschule. Er hat Familienanschluss. Auch das hätte auf Dauer vermutlich Probleme gegeben, weil Rehe, die von Hand aufgezogen werden, später zu Aggressionen gegenüber Menschen neigen. So blieb nur die Kastration.

Familienplanung hat sich für Fritz damit erledigt, was aber auch sonst kein Thema gewesen wäre, weil er seine Wiese allein bewohnen wird. Auf ein Gehörn muss er als Kastrat wohl ebenfalls verzichten. Tierquälerei ist die Einzelhaltung nicht. „Rehe“, so Büscher, „sind keine Rudeltiere, sondern Einzelgänger.“

Zur Regel soll es allerdings nicht werden, dass Tierwaisen am Forsthaus Asyl finden. „Wir eröffnen hier keinen Wildstreichelzoo“, betont Büscher. Laien rät er dringend davon ab, scheinbar elternloses Jungwild mit nach Hause zu nehmen. Meistens taucht die Mutter doch noch auf. Erst wenn sich wie im Fall Fritz längere Zeit nichts tue, könne der Förster eingeschaltet werden. Bis dahin lebt das Kleine besonders gefährlich.

Füchse zählen zu seinen natürlichen Feinden. „Hunde gehören im Wald an die Leine“, fügt Kopp hinzu, ein ausgebildeter Tierpfleger. An Fritzens Aufzucht beteiligt sind auch der Nammer Horst Steuer und Büschers Lebensgefährtin Doris Deerberg. Jeden Vormittag bereitet Steuer liebevoll ein Menü zu, bei dem er mit Möhren nicht spart. Gern genommen werden auch Brombeerblätter. Trotzdem steht Kopp auf Platz eins der Beliebtheitsskala. „Mich bufft Fritz auch schon mal an“, schmunzelt Steuer. Das Problem hat Deerberg nicht. „Ich war die Nanny“, erzählt sie.

Kopp hat schon vielen Tieren das Leben gerettet. Seine Motivation: „Es ist wichtig, Schwächeren zu helfen. Wer Tiere rettet, ist auch zu Menschen gut.“ Für Fritz das Kitz musste Kopp nachts alle zwei bis drei Stunden zum Füttern aufstehen. An die Flasche war der Kleine nicht zu gewöhnen. Die Lösung: Er trank aus einem Glas, dann klappte es auch mit der Ziegenmilch. Außerdem gehört Maulwurfserde auf den Speisenplan, am besten frisch aufgewühlt.

„Nur in der ersten Nacht hat Fritz einmal nach seiner Mutter geschrien“, erinnert sich Maximilian Kopp. Wenn er zu Besuch kommt, ist sein schwarzes Kamerunschaf Kanoa dabei, aufgezogen als Flaschenlamm und eines von vielen Geschöpfen, die bei ihm leben. An Tiere hat Kopp sein Herz verloren. „Fritz und Kanoa waren meine schönsten Rettungen“, erzählt er. Wenn der junge Mann in ihre Augen schaut, sieht er „Freiheit und Glück“. Gelernt hat er von Fritz auch etwas: „Ich bin heute wachsamer als früher.“ ly

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