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00:17 28.01.2017
Rainer Harting ist Linienrichter beim TuS Kleinenbremen. Quelle: ly
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Kleinenbremen

„Er ist unheimlich ehrlich und bewahrt auch dann die Ruhe, wenn es auf dem Platz hektisch wird“, berichtet Florian Brandt (29), Co-Trainer der ersten Fußballmannschaft. Harting ist geistig und körperlich behindert. Auf dem Platz macht er einfach nur seinen Job – wie jeder andere. „Ich freue mich, wenn ich die Jungs sehe“, erzählt Harting. „Linienrichter will ich bleiben, solange es geht. Das bedeutet mir viel.“ Wenn zur Anstoßzeit Familienfeiern sind, geht die Tätigkeit im Verein vor. Harting wird auch zu privaten Festen eingeladen. Im Lauf der Jahre sind Freundschaften entstanden.

Wenn er nicht gerade auf der Arbeit in den Diakonischen Werkstätten Minden ist, dreht sich Hartings Welt zum großen Teil um Fußball, den TuS Kleinenbremen und das Amt als Linienrichter. „Das ist sein Leben“, sagt Mutter Ruth (83), die dankbar ist, weil sich die Sportler so um ihren Sohn kümmern. „Das ist auch für mich wichtig. Rainer ist dann ganz anders zufrieden“, erzählt sie. „Sonst säße er hier und hätte schlechte Laune.“

An der Leistung gibt es nichts auszusetzen

Florian Brandt sorgt dafür, dass der Linienrichter, privat übrigens ein Fan des FC Bayern München, vor jedem Spiel von daheim abgeholt wird. Häufig erledigt der Co-Trainer das selbst. An Hartings Leistung auf dem Platz gibt es für Brandt nichts auszusetzen. TuS-Vorsitzender Rolf Harting (58) ist ebenfalls stolz auf seinen Bruder. Die Integration von Menschen mit Behinderungen im Verein findet er „ganz normal“.

Die erste Fußballmannschaft des TuS Kleinenbremen spielt in der Kreisliga B Süd, wo der Gastgeber und das Gästeteam jeweils einen Linienrichter stellen. Rainer Harting darf in der Liga, bei Pokal- und Freundschaftsspielen zur Fahne greifen, nicht jedoch in Partien, bei denen es um den Aufstieg geht. Pro Jahr kommen so etwa 50 Einsätze zusammen. Wenn der TuS auf eigenem Platz antritt, ist der 60-Jährige oft nacheinander Linienrichter bei Spielen der ersten und zweiten Mannschaft.

Beim TuS Kleinenbremen war er bereits als Kind angemeldet worden – kein Wunder in einer fußballverrückten Familie. Früher nahm Harting auch am Training teil, später konzentrierte er sich ausschließlich auf den Job als Linienrichter. „Er ist bei sämtlichen Schiedsrichtern im Kreis bekannt“, so Florian Brandt. „Nach 40 Jahren kennen ihn alle.“ Ende Februar geht die Saison weiter. Dann steht Harting wieder an der Linie – bei Wind und Wetter. „Ich mache das für die Jungs“, sagt er. „Und für mich selbst.“

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