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Inszenierter Mord ruft Polizei auf den Plan

Juristisches Nachspiel Inszenierter Mord ruft Polizei auf den Plan

Manch ein Polizist fragt sich hin und wieder, ob er gerade Bestandteil der „Versteckten Kamera“ ist oder zufällig in den Drehort eines drittklassigen Kriminalfilms geraten ist. So auch am vergangenen Donnerstag in einem Bückeburger Ortsteil, wohin die Beamten zu einem inszenierten Mordfall ausrücken mussten, wie die Polizei Bückeburg auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte.

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Ketchup schmeckt nicht nur gut, sondern eignet sich offenbar auch hervorragend für Inszenierungen.

Quelle: js

Bückeburg. Der „Kriminalfall“ beginnt vor etwa drei Jahren damit, dass einer Ehefrau die Zweisamkeit mit ihrem Mann nicht mehr ausreicht und sie einen gleich Gesinnten aus Bonn, ebenfalls verheiratet, in einem Internetforum kennenlernt. Die beiden treffen sich und vertiefen die Zuneigung über einen längeren Zeitraum – auch bei gelegentlichen Treffen in Bückeburg.
Schließlich kommt der Ehemann hinter die außerehelichen Eskapaden der Frau. Das Ehepaar kann in einem Gespräch das Vorgefallene aufarbeiten. Sie beschließen einen Neuanfang. Die Bückeburgerin teilt ihrem Bonner Freund daraufhin das Ende der Liaison mit. Dessen Ehefrau hatte zwischenzeitlich ebenfalls Wind von der außerehelichen Beziehung ihres Mannes bekommen.
Der Bonner kann schlecht loslassen, so die Fortsetzung. So sendet er dem Paar aus dem Bückeburger Ortsteil, insbesondere dem Ehemann, per E-Mail schlüpfrige Details und Fotos, die aus den gemeinsamen zurückliegenden Treffen mit der Ehefrau hervorgegangen sind. Das stört die Bückeburger Eheleute erheblich. Sie schmieden deshalb einen perfiden Plan, um den Störenfried loszuwerden.
Der Bonner erhält aus Bückeburg eine E-Mail mit einem Foto im Anhang, die seine ehemalige Geliebte bäuchlings auf dem Boden liegend mit dem Kopf in einer offensichtlich großflächigen Blutlache zeigt. Dazu der Satz: „Danke, dass Du mir die Augen geöffnet hast.“ Diese E-Mail leitet der Bonner sofort dem Polizeikommissariat Bückeburg zu.
In diesem Wissen rücken die Beamten des Polizeikommissariats am vergangenen Donnerstag gegen 10.20 Uhr: davon ausgehend, dass sich in dem Ortsteil ein Tötungsdelikt zugetragen hat. Die Beamten suchen umgehend den „Tatort“ auf und kommen zu der Erkenntnis, dass es den perfekten Mord nicht gibt: Die „Tote“ lebt, der „Mörder“ ist friedlich und die Blutlache war herkömmliches „Ketchup“ aus der Flasche, die der Ehemann über die bereitwillig auf dem Boden liegende Ehefrau ausgekippt hat, wie die Befragung der Beteiligten ergibt.
Die Inszenierung hat jetzt noch ein Nachspiel für das Bückeburger Ehepaar. Denn die Staatsanwaltschaft Bückeburg hat die Regie übernommen. Sie überprüft, ob mit der Inszenierung eine Straftat vorliegt: das Vortäuschen einer Straftat. Darüber hinaus wird zu bewerten sein, wer den polizeilichen Einsatz zu bezahlen hat. Nach Angaben der Polizei waren die Beamten „in nicht gerade kleiner Besetzung“ ausgerückt. Wie es so üblich ist, wenn eine Meldung über einen Mord bei der Wache eingeht.

Von Raimund Cremers

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