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Längst nur noch beim Nachnamen genannt

Angelika Milster singt in der Bückeburger Stadtkirche Längst nur noch beim Nachnamen genannt

Mit ihrem zweiten Auftritt in der Stadtkirche hat Angelika Milster ihre Bückeburger Fans rundum glücklich gemacht. „Die Milster“ plauderte und sang, sang und plauderte. Von ihren Bambis und ihrem Mann, von Kitsch und Gänsebraten. Daneben viel Weihnachtliches und die Gewissheit: Sie kann es.

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Angelika Milster, gekleidet im schwarzen Mantel mit Fell-Stola, steht im Rampenlicht.

Quelle: mig

Bückeburg. Die Kulissenschieber werden an diesem Abend nicht gebraucht. Ein festlich geschmückter Weihnachtsbaum steht im Altarraum – aber der steht da ohnehin. Ansonsten ein Strahler mit gelbem Licht und ein Mikrofon. Das war’s, mehr braucht Milster nicht für ihr Konzert in der Reihe „Begegnungen“. Punkt 17 Uhr ist es schließlich so weit. Angelika Milster betritt die Stadtkirche. Schreitet durch den Mittelgang, neigt immer wieder den Kopf nach beiden Seiten. Mit der Grandezza einer Dame nimmt sie einen, später einen zweiten Strauß Rosen in Empfang.

 Dann steht sie im Mittelpunkt des Lichtkreises: eine kleine Frau, in einem langen schwarzen Mantel und mit einer Fell-Stola, über die Schultern. Sie kennt die Bühne.

 Längst nennt das Publikum nur noch ihren Nachnamen – eine Ehre die nur wenigen zuteil wird. Angelika Milster ist „die Milster“, eine „Diva“. Milster hat sich einen Platz im Herzen des Publikums ersungen. Und wer glaubt, dass die Sängerin in ihrem 63. Lebensjahr leiser geworden ist, der irrt. Selbst die Spitzentöne gelingen ihr ohne Mühe – das „Nessum Dorma“ schmettert sie voller Inbrunst in den Kirchenraum.

 Was sofort auffällt: Milster scheint das Alter kaum Mühe zu bereiten. Ihr Gesang ist strahlend wie eh und je – die Koloraturen sitzen wie eine Eins. Was sicher auch daran liegt, dass sie ihr Handwerk gelernt hat, unter anderem mit Ausbildungen in Gesang, Tanz und Schauspiel. Das hat die „First Lady des deutschen Musicals“ zu einer vielseitigen Künstlerin gemacht. Milster singt nicht nur, sie lebt das Gesungene. Und diese Emotionen nimmt man ihr sofort ab.

 Da ist das „Vaterunser“, das ganz anders wirkt, wenn es kraftvoll gesungen wird. Oder das mystisch-dunkle „Kyrie“, das aus tiefstem Herzen zu kommen scheint. Milster singt mit viel Schmelz in der Stimme. Das gibt den Liedern eine ganz eigene Note – genauso wie die ausdrucksvolle Gestik der gelernten Schauspielerin. Man merkt sofort: Hier steht eine Sängerin auf der Bühne, die Gesang und Gestik bis ins kleinste aufeinander abstimmt. Ein eindringlicher Vortrag, dem sich der Zuhörer kaum entziehen kann. Dass Milster den Kirchenraum für sich entdeckt hat, ist ein echter Glücksfall.

 Sie selbst scheint sich in der Stadtkirche jedenfalls richtig wohlzufühlen. Zunächst erzählt sie, warum sie heute Abend unter anderem auch Weihnachtslieder singt („Wir haben schließlich immer noch Weihnachten“) und berichtet davon, das Kirchen immer auch ein Ort der Musik gewesen seien. Weiter erfährt das Publikum, dass sie selbst kein Weihnachtsmuffel ist: „Ich mag Kitsch und verteile Schmuck im ganzen Haus. Noch an Ostern finde ich manchmal einen Weihnachtsmann – mein Mann stöhnt schon immer.“

 Für die Unsitte, sich an Weihnachten nichts mehr schenken zu wollen, hat Milster nur wenig Verständnis: „Das ist doch blöd, ich sag immer: Nur was Kleines“, sagt die Sängerin und zeigt auf ihre Hand. Im Übrigen sollte jeder Weihnachten feiern, „wie es ihm gefällt“.

 Als Nächstes bringt Milster das Wiegenlied „Guten Abend, gute Nacht“ zu Gehör. Ein gleichzeitig schönes und trauriges Lied, das zeigt, dass sie auch die leisen Töne beherrscht. Mit „Dieses Land ist mein“ verbindet die Sängerin dann eine besondere Bitte: „Ich wünsche mir, dass sich Israelis und Palästinenser nicht als Israelis und Palästinenser treffen, sondern als Menschen.“

 Weiter geht’s im Programm, das vor allem geistlicher Natur ist: Unter anderem hat Milster „Heilige Nacht“, „Ave Maria“, „Kyrie Eleison“, „Agnus Dei“ und das beschwingende „Herbei o ihr Gläubigen“ im Gepäck. Einmal mehr beweist die 63-Jährige dabei ihr stimmliches Potenzial. Auch der Song „Memorys“ darf nicht fehlen – der Song also, den Milster bei „Cats“ gesungen hat.

 Den Schlusspunkt setzt ein Potpourri aus Weihnachtsliedern. „Bitte alle mitsingen“, fordert die Milster ihr Publikum auf. Das lassen sich die Zuhörer nicht zweimal sagen – schnell bildet sich ein großer Chor. Milster verstummt für einige Takte und lauscht. Für einen kurzen Augenblick wird aus der Sängerin eine andächtige Zuhörerin. Als das Konzert zu Ende ist, bricht ein Beifallssturm los. mig

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