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Schmerzlicher Abschied von „Henriette“

Meinser Hirschkalb zieht weiter Schmerzlicher Abschied von „Henriette“

Das „Henriette“ nicht für ewig würde bei ihnen bleiben können, ist Sören Peters und seiner Familie schon klar gewesen.

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Meinser Kämpen. Mitte Mai vergangenen Jahres hatten sie sich entschlossen, das damals vermutlich erst ein, zwei Tage alte Hirschkalb, das plötzlich im Vorgarten der von ihnen bewohnten Revierförsterei gestanden hatte, bei sich aufzunehmen und großzuziehen (wir berichteten). Doch lange Zeit hofften sie, dass sich das zur jungen Rothirschdame heranwachsende Tier mit Erreichen der Geschlechtsreife von ihrer menschlichen Ziehfamilie abnabeln und Anschluss an die im angrenzenden Schaumburger Wald lebenden Hirsche finden würde. Aber je näher dieser vermeintliche Moment kam, desto offensichtlicher wurde, dass „Henriette“ keinerlei Anstalten machte, die ihr vertrauten Bezugspersonen – allen voran ihre Ziehmutter Heidi Peters (die Ehefrau von Sören Peters) – zu verlassen.

Gleichwohl zog das völlig frei lebende Tier immer größere Kreise rund um die im Meinser-Kämpen gelegene Revierförsterei des Fürstlichen Forstamtes Bückeburg. So inspizierte es zum Beispiel regelmäßig die Gärten in der Nachbarschaft, wo es sich durch das Abfressen von Blumen und Anknabbern von jungen Bäumen nicht gerade beliebt machte. Demgegenüber erfreute sie mit ihrer zutraulichen Art – und weil es halt absolut außergewöhnlich ist, einem frei lebenden Wildtier dermaßen nahe zu kommen – aber viele Spaziergänger, die etwa am Mittellandkanal unterwegs waren. Mehr noch: Einige Naturfreunde kamen sogar immer wieder extra deshalb nach Meinser-Kämpen, um dort nach „Henriette“ Ausschau zu halten und sie zu streicheln.

Dass die junge Rothirschdame ihre Radien mit der Zeit indes bis hin nach Mittelbrink ausdehnte und dabei auch einigen viel befahrenen Straßen überquerte, bereitete Sören Peters wegen der damit verbundenen Gefahren allerdings zunehmend Sorgen. Insofern kamen er, seine Ehefrau und ihre gemeinsamen drei Töchter – Elisa, Maresa und Theresa – nicht drumherum, eine neue Bleibe für ihr inzwischen ponygroß gewordenes Findelkind zu suchen. Eine, in der „Henriette“ ausreichend Freiheiten genießen kann, aber eben auch gut behütet ist und eine, wo sie durch ihr Herumstreunern keine Gefahr für den Straßenverkehr darstellt. „Da muss man die Vernunft walten lassen“, betont der Revierförster.

Also nahm Familie Peters Kontakt mit mehreren großen Tierparks auf, um nachzufragen, ob sie „Henriette“ dort unterbringen können. Allerdings bekamen sie unter anderem vom Wisentgehege Springe und vom Tierpark Hannover eine Absage, weil deren Leiter befürchteten, dass es durch die Zutraulichkeit des Tieres in Verbindung mit etwaigem Fehlverhalten der aufs Streicheln dieser Rothirschdame bedachten Besucher zu Problemen kommen könnte. Kein Problem sah dagegen der Leiter des Wildparks Ederseee, in den „Henriette“ denn auch vor gut zwei Wochen mittels Pferdeanhänger gebracht worden ist.

Im Wildpark Edersee gibt es ein von den Besuchern begehbares großes, naturnahes Freigehege, in dem ungefähr zehn Rothirsche, 30 Stück Damwild und drei Rehe leben, berichtet Sören Peters. Zudem habe der Leiter dieses Wildparks, der ebenfalls Förster ist, ein Faible für von Hand aufgezogene Wildtiere. Überdies sehe dieser auch keine Notwendigkeit, „Henriette“, die ja auf Menschen geprägt ist, vor den Besuchern „wegzusperren“.

Mit dem Dam- und Rehwild verstehe sie sich übrigens schon gut, während sich das Rotwild, das sehr klare Familienbande habe, noch sehr distanziert gebe, ergänzt Peters. Letztlich sei es aber nur eine Frage der Zeit, wann „Henriette“ auch von ihren Artgenossen angenommen wird. Ein bisschen Zeit braucht es aber offenbar auch, bis ihre Ziehfamilie die vollzogene Trennung verarbeitet hat: „Meine Frau hat in den Tagen darauf am meisten gelitten“, verrät der Familienvater. Speziell das Abschiednehmen in dem Wildpark sei aber auch seinen drei Töchtern schwergefallen. Gleichwohl sehe man die jetzige Situation mit einem weinenden und einem lachenden Auge: Weinend, weil „Henriette“ nicht mehr da ist, und lachend, weil sie im Wildpark Edersee gut aufgehoben ist – und weil zukünftig wieder Blumen und andere Pflanzen im Garten der Revierförsterei gedeihen werden. Die nämlich waren während „Henriettes“ Anwesenheit ebenfalls deren Appetit zum Opfer gefallen.

 Bleibt zu erwähnen, dass sich Familie Peters zunächst einen vierwöchigen Besuchsstopp im Wildpark Edersee verschrieben hat, um „Henriette“ die dortige Eingewöhnung zu erleichtern. Dann aber wollen sie regelmäßig nach ihrem früheren Familienmitglied schauen und sehen, wie es sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt.

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