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Unterstützung auf dem letzten Weg

Minden Unterstützung auf dem letzten Weg

Wenn Dorothea Dieker an der Tür klingelt, bleibt nicht mehr viel Zeit. Doch sie kann Todkranken helfen, das Beste aus den traurigen letzten Wochen oder Monaten zu machen. Jeder Tag zählt.

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Die Patientenkoordinatorinnen Barbara Eberhard, Dorothea Dieker und Ursula Hillrichs (von links) entwickeln individuelle Versorgungskonzepte für Patienten.

Quelle: pr.

Minden. Dorothea Dieker ist unterwegs für das ambulante Palliativ-Netz im Kreis Minden-Lübbecke, kurz PAN. Sie ist eine von vier Koordinatorinnen, zusammen mit ihrer Kollegin Ulrike Riechmann zuständig für Patienten aus Minden, Hille, Petershagen und Porta Westfalica. „Kranke sollen zu Hause sterben können. Das ist unser primäres Ziel.“

 Um den Altkreis Lübbecke kümmert sich Ursula Hillrichs, um Bad Oeynhausen und dessen Randgebiete Barbara Eberhard. Alle sind Krankenpflegerinnen mit Zusatzausbildung und bringen Erfahrung aus der stationären Hospiz-Arbeit mit. Sie informieren, beraten und unterstützen, vermitteln Kontakte zu Pflegediensten, tauschen sich mit Ärzten aus oder regeln den Papierkram. Am Ende steht ein passgenaues Versorgungskonzept.

 So können sich Patienten und deren Angehörige auf das Wichtigste konzentrieren: Sterben in Würde, Abschied nehmen nach Möglichkeit in den eigenen vier Wänden, wo alles vertraut ist. Meistens gelingt es, dass Kranke die Augen daheim für immer schließen. „Nur etwa zehn Prozent“, so Dieker, „sterben im Krankenhaus.“

  Fast so etwas wie Freundschaft

 Eberhard muss häufig Abschied nehmen. Manchmal entsteht in der kurzen Zeit fast so etwas wie Freundschaft, dann fällt es umso schwerer. „Ständig sterben Menschen, die ich mag“, sagt Eberhard. „Aber man darf nicht mit der Zielsetzung an die Arbeit gehen, man müsste Menschen retten. Unsere Aufgabe ist es, den letzten Weg so erträglich wie möglich zu gestalten.“

 Um die ärztliche Versorgung der Sterbenden kümmern sich außer dem Hausarzt spezielle Palliativmediziner. Zum Netz gehören 17 von ihnen, alle mit entsprechender Qualifikation. Wer Dienst hat, ist rund um die Uhr erreichbar. „Kein Patient soll Schmerzen haben“, erklärt die Mindener Ärztin Sigrid Richter. „Natürlich gibt es Krankheiten, bei denen man die Schmerzen nur auf ein erträgliches Maß reduzieren kann.“ Es gehe darum, Symptome zu lindern. „Unsere größte Herausforderung ist Luftnot, die häufig aus Angst entsteht. Gespräche sollen diese Angst nehmen.“

 Zusehen macht hilflos

 Die letzten Stunden können für Angehörige schlimmer sein als für Patienten, denn Zusehen macht hilflos. Doch auch Angehörige können etwas tun. „Sie können zum Beispiel Mundpflege machen“, schlägt Hillrichs vor. Wenn Todkranke nicht mehr trinken, trocknet der Mund aus.

 „Angehörige“, so Hillrichs, „können außerdem einfach präsent sein, sich in der Wohnung aufhalten, vorlesen, die Hand halten.“ Aber nicht ununterbrochen. Viele Patienten, sogar Kranke im Koma, warten einen Moment ab, in dem sie allein sind, um in Ruhe sterben zu können. Sie haben Angst, dass ihre Lieben sie sonst nicht gehen lassen.

 Alle Mühlenkreiskliniken kooperieren mit den PAN-Patientenkoordinatorinnen. Pro Quartal betreut das Netzwerk etwa 200 Patienten. Für die Anmeldung sorgt der Hausarzt, mit den Krankenkassen verhandelt PAN. Den ersten Hausbesuch macht ein Palliativarzt.

 Innerhalb von zwei Tagen kommt dann eine Koordinatorin. Sie bringt ebenfalls Zeit mit, verschafft sich einen Eindruck vom Zustand des oder der Kranken und schlägt vor, wie es weitergehen soll. „Viele sind erleichtert, dass sie so schnell Hilfe bekommen“, weiß Eberhard aus Erfahrung. Manchmal kann es aber auch besser sein, ins Hospiz zu gehen. Denn manchmal wird der Zustand sehr schnell schlechter. Kontakt: www.pan-im-muehlenkreis.de.r

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