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Wald verkommt zu Disneyland

Cammer / Förster beklagt Revierzustand Wald verkommt zu Disneyland

Revierförster Sören Peters hat im Ortsrat Cammer „Probleme, Sorgen und Nöte“ zur Sprache gebracht, die ihm der Cammeruner Abschnitt des Schaumburger Waldes bereitet.

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Friederichs Ruh gilt in Cammer als beliebtes Ausflugsziel, im Juli wurde hier ein Waldgottesdienst gefeiert.

Quelle: bus

Cammer. Im Bereich von Friederichs Ruh, Unter den Tannen und Bundeswehrschießstand gerate das Verhältnis zwischen Wald, Tieren und Bürgern zunehmend aus dem Gleichgewicht. „Es muss dringend etwas passieren. Falls die Entwicklung sich fortsetzen sollte, könnte ich eine Räumung dieses Bereichs ins Auge fassen“, betonte der Forstfachmann.

 Peters, der von Meinser Kämpen aus das westlich von Mittellandkanal und Landesstraße 450 bis Cammer und Berenbusch reichende Revier verantwortlich betreut, monierte insbesondere die Ablegungen von Grünabfällen im Randbereich des Waldes. Häufig fehle den Entsorgern das Bewusstsein für die von ihnen angerichteten Schäden. Mit den Abfällen würden Pflanzen in den Forst getragen, die dort große Schäden anrichteten.

 Der Förster machte vor allen Dingen auf amerikanische Traubenkirsche, kanadische Goldrute und indisches Springkraut aufmerksam. Pflanzen, welche die Fachliteratur als „invasive Neophyten“ bezeichnet – Gewächse, die sich in einem Gebiet etablieren, in dem sie zuvor nicht heimisch gewesen sind. Sie zeichnen sich häufig durch enorme Anpassungsfähigkeit und hohe Fortpflanzungsraten aus. Traubenkirsche (Prunus serotina), Goldrute (Solidago canadensis) und Springkraut (Impatiens glandulifera) gelten allesamt als problematisch und als Bedrohung für andere Pflanzenarten.

 Grünschnitt gehört auf die Deponie

 Die Traubenkirsche erhielt in den Niederlanden passenderweise die Bezeichnung „bospest“ (Waldpest). Die Goldrute hat hierzulande – anders als in ihrer nordamerikanischen Heimat, wo ihr knapp 290 Fraßinsektenarten zu Leibe rücken – keine natürlichen Feinde. Das auch „Drüsiges“ oder „Rotes“ sowie Emscher- oder Wupperorchidee genannte Springkraut kann in kürzester Zeit Wuchshöhen von mehr als zwei Meter erreichen und so die Konkurrenz schnell überdecken. Das im 19. Jahrhundert als Zierstrauch in Europa eingebürgerte Kraut stammt ursprünglich vom indischen Subkontinent. Es bevorzugt speziell feuchte Wälder sowie Auen- und Uferlandschaften mit hohem Nährstoffgehalt.

 „Mittlerweile haben wir Dimensionen erreicht, die nicht mehr tragbar sind“, stellte Peters fest. Wenn die fremden Pflanzen erst einmal ihren Weg in den Wald gefunden hätten, „dann werden Sie die nicht mehr los“. Zur Eindämmung der unerbetenen und aggressiv sich ausbreitenden Gastgewächse habe die Fürstliche Hofkammer allein im Bereich Cammer rund 10000 Euro investiert. Grünschnitt gehöre grundsätzlich auf die Deponie, unterstrich der Förster.

 Darüber hinaus erwähnte der Berichterstatter Umstände, die mit einer normalen Waldbewirtschaftung nicht in Einklang gebracht werden könnten. Hier werde von Anliegern ein Wegenetz in einem Ausmaß unterhalten, welches das Verträgliche bei Weitem überschreite. Jüngst seien östlich von Friederichs Ruh wieder neue Wege freigeschnitten worden. Der rund 100 Hektar umfassende „Dorfwald Cammer“ verkomme angesichts dieser „touristischen Aktivitäten“ zusehends zu einer Art Disneypark, der Lebensraum der Tiere erfahre massive Einschränkungen. Was im Endeffekt nicht nur zu außerplanmäßigen Investitionen führe, sondern auch erhebliche Pachtminderungen auf der Einnahmeseite der Hofkammer nach sich ziehe.

 Wichtig, Fehlverhalten vor Augen zu führen

 Ortsbürgermeister Hans-Georg Terner kündigte an, das Thema in der Dorfumschau zu behandeln. Es sei wichtig, den Handelnden ihr Fehlverhalten vor Augen zu führen. Überdies kamen Ortsratsmitglieder und Revierförster überein, im Frühjahr einen Waldschnatgang zu veranstalten, in dessen Rahmen die Problematik vor Ort erörtert werden soll. bus

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