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230 Hektar für den Naturschutz

Bückeburger Niederung 230 Hektar für den Naturschutz

Die Bückeburger Niederung ist nach Überzeugung von Ratsherr Wolfhard Müller (SPD) „ein Kleinod und weit und breit fast ohne Beispiel“. on ein paar Flächen am Dümmer und den Meerbruchwiesen am Steinhuder Meer abgesehen gebe es nur in der Niederung Feuchtgrünland mit so einer natürlichen „Vernässung“.

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Altes neu verpackt

Foto vom Mittleren Bruch von Anfang April, als das Areal überschwemmt war. Im Kerngebiet des Naturschutzgebietes kann inzwischen sogar der Seeadler beobachtet werden – oder Bekassinen und weitere seltene Watvögel.

Quelle: Archiv

Bückeburg. Große Schwärme Vögel rasten und ziehen weiter. Schwarzstorch und Eisvogel wurden heimisch. Vom Fahrrad aus erläuterte Müller den 27 Teilnehmern der öffentlichen Tour den Sachstand und die Zukunftspläne für die Niederung. Unter den Teilnehmern waren auch einige Landwirte, die den Vorhaben und Plänen in der Niederung sehr kritisch gegenüberstehen.

Der erste Halt war am Fischergraben, wo Müller erläuterte, warum dieser nicht gründlicher geräumt werde: „Sonst fließt das Wasser in dem renaturierten Altbett schneller ab, und wertvoller Lebensraum geht verloren.“ Einmütiges Nicken erntete er mit seiner Forderung nach Bekämpfung endemischer Pflanzenarten wie dem toxischen Jakobskreuzkraut und dem alles verdrängenden Indischen Springkraut.

Herausreißen und verbrennen

Müller erklärte, er wolle am liebsten die Pflanzen mit Helfern herausreißen und verbrennen. Aber der Landkreis halte davon nichts: „Wir müssen uns eben was anderes überlegen.“ Auch am nächsten Punkt, der sogenannten Judenweide abseits des Hauptweges – wo aufgrund wilder Müllablagerungen der Weg neuerdings irgendwann am Stacheldraht endet –, wuchert Springkraut dicht und mannshoch.

Weiter geht es an der Aue, die seit 2006 in ihrem neu geschaffenen Altbett mäandert, vorbei an ein paar stoisch grasenden Galloway-Rindern, die zum Schutz bodenbrütender Vögel nur in kleiner Zahl auf großer Fläche gehalten werden dürfen. „Fische und Kleintiere können wandern“, verrät eine fast zugewachsene Infotafel am Rand. Ärgerlich, dass sich vor einem Wasserdurchlass der Überfahrt über die Aue leicht Äste verklemmen. Vielleicht gebe es ja mal eine Lösung, und der Erdhaufen mit Rohr könne weg, so Müller. Denn eigentlich seien die Flächen jenseits der Aue auch über eine andere Zufahrt erreichbar. Einige Landwirte zucken mit den Schultern ob dieses Vorschlags.

Beispiel für gelungenen Naturschutz

Stopp vier der Tour ist der Mittlere Bruch. Thomas Rippke, Sprecher der Bürgerinitiative Bigtab, warnt vor trassenfernen Bahnplänen, die schlimmstenfalls die Niederung durch gewaltige Eingriffe in den Grundwasserhaushalt ruinieren. Der Mittlere Bruch, als Ersatzmaßnahme für den Ausbau der B65 renaturiert, sei ein Beispiel für gelungenen Naturschutz, ergänzt Müller. Auf 25 Hektar vernässter Fläche finden sich Seeadler, Bekassinen und viele weitere unscheinbare wie seltene Watvogelarten.

Durch Eindeichung stehe inzwischen sogar eine große Fläche für den Hochwasserschutz zur Verfügung. Einzelne Landwirte murrten vernehmlich, dass so immer mehr Flächen der Landwirtschaft entzogen würden.

Müller bot den Landwirten an, doch auf den extensiv genutzten Flächen das schwarz-weiße Niederungsrind zu halten. Dafür würde es Fördermöglichkeiten geben. Diese Rasse sei ein besserer Futterverwerter und beim Verbraucher sehr begehrt.

Kerngebiet ausdehnen

Zum Unmut schwoll das Murren der Landwirte am Aussichtspunkt der 17 Hektar großen Amtmann’schen Wiesen. Müller bot Landwirten den Dialog an und betonte, er strebe weiteren Naturschutz in erster Linie auf Flächen an, die für die konventionelle Landwirtschaft aufgrund von „Vernässung“ ohnehin unwirtschaftlich seien. Müller betonte aber auch sein Ziel, das Kerngebiet des Naturschutzgebietes von derzeit 58 Hektar langfristig auf 230 bis 240 Hektar in der insgesamt 400 Hektar großen Niederung auszudehnen.

„Kommt nicht in Frage“ und „Darauf kannst du Gift nehmen“, schimpfte einer der Anwesenden. „Ich nehme kein Gift“, entgegnete Müller. Über die eventuelle Ausweitung des Naturschutzgebietes entscheide allein der Kreistag, nicht die Landwirte, der Förderverein Bückeburger Niederung oder er.

Regen löst den Tross auf

Scheies Ortsbürgermeister Friedrich Meyer forderte von der Politik wenigstens Rechtssicherheit. Mal werde behauptet, die Niederung bleibe, wie sie ist; dann werde wieder über neue Naturschutzgebiete geredet. Nicht einmal geklärt sei die Frage von Fraßschäden durch angelockte Gänse, ereiferte sich ein Nebenmann. Doch bevor die Diskussion richtig hitzig werden konnte, fielen dicke Tropfen aus dunklen Wolken – und der Tross löste sich auf.  r, rc

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