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230 Kinosessel wechseln Besitzer

Modernisierung 230 Kinosessel wechseln Besitzer

„Hat noch mal jemand einen 10er-Maulschlüssel für den Onkel Michael?“, tönt es durch den Saal. Ungewohntes Bild im „Residenz“-Kinocenter Bückeburg: Dort, wo sonst Super-Agent Ethan Hunt alias Tom Cruise in „Mission Impossible – Rogue Nation“ gegnerische Agenten jagt, panische Vergnügungsparkbesucher in „Jurassic World“ vor gefräßigen Dinosauriern fliehen oder Channing Tatum in „Magic Mike XXL“ mittels athletischem Hüftschwung die Frauen zu verzücktem Kreischen animiert, sind rund 30 Personen emsig am Schrauben, Hämmern und Montieren.

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Oliver Liebrecht und Gianluca Wilharm nehmen schon einmal testweise in ihren neuen Sitzgelegenheiten Platz.

Quelle: jp

Bückeburg. Zur ersten „Stuhlausbau-Party“ hatte das Lichtspielhaus nach der letzten Abendvorstellung eingeladen. Wobei der Begriff „Party“ ein wenig irreführend und daher von den Filmtheaterbetrieben Rubba bewusst in Anführungszeichen gesetzt war: Denn anstatt zu tanzen, zu feiern oder zu trinken, taten die Partybesucher nur eines: Im Schweiße ihres Angesichts zu arbeiten.

 Grund für den ungewöhnlichen Aufgalopp cineastisch interessierter Hobbyhandwerker: Zwei Jahre nach der Umstellung auf digital und der kompletten Modernisierung der Vorführtechnik hat das alteingesessene Bückeburger Lichtspielhaus in der vergangenen Woche ein komplett neues Interieur erhalten. Außer dem Teppichboden wurden auch die beliebten, aber in die Jahre gekommenen knallroten Sitze ausgetauscht. Doch zum Verschrotten, da waren sich Betreiber wie Besucher gleichermaßen einig, waren die kultigen Sitzgelegenheiten trotz einiger Gebrauchsspuren viel zu schade. Daher erging der Aufruf an die heimischen Film-Fans: Wer einen echten „Resi“-Kinosessel sein Eigen nennen möchte, der kann ihn sich kostenlos abholen. Natürlich nur, solange der Vorrat reicht und unter einer maßgeblichen Bedingung: Die stolzen Neubesitzer hatten selbst für die Demontage und den Abtransport zu sorgen. Der Andrang war erwartungsgemäß hoch, sodass die Liste mit den Reservierungen der insgesamt 230 roten Kinosessel, zumeist angeordnet in Vierer-Sitzreihen, schon nach 29 Personen geschlossen werden musste.

 „Alle Stühle sind vergeben“, konnten die Geschäftsführer Fritz und Frank Rubba zufrieden feststellen. Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten: Während für die Filmtheaterbetriebe durch die Stuhlabbau-Party der Aufwand für die ansonsten fällige Entsorgung entfiel, konnten sich die Mitglieder der Abbau-Kommandos mit dem cineastischen Altmobiliar ein Stück waschechte nostalgische „Resi“-Atmosphäre ins Wohnzimmer holen. So wie Patrick Rosenfeld: Der Bückeburger hatte sich genau die Sitzreihe reservieren lassen, in der er in den zurückliegenden Jahren sage und schreibe 800 Sneak-Previews gesehen hatte.

 Seit dieser Woche erstrahlt der größte Vorführsaal des Bückeburger Kinocenters in neuem Glanz. Erhalten hat das „Resi“ die gleichen Sessel, über die auch das „Cinema“ verfügt: etwas geneigter als die Alten und mit abgerundeter Lehne, was mehr Sitzkomfort und eine verbesserte Abstützung des Rückens garantiert. Als Farbe wurde das gleiche Rot wie bei den Alten gewählt und nicht etwa Blau wie in den kleineren Kinosälen – der Protest der Kinogänger wäre ansonsten kaum zu überhören gewesen. jp

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