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300 Kirchenaustritte pro Jahr

Kapitalertragssteuer sorgt für Unmut der Gemeindemitglieder 300 Kirchenaustritte pro Jahr

Während die Zahl der Kirchenaustritte in anderen Regionen teilweise dramatisch ansteigt, erweist sich die Evangelisch-lutherische Landeskirche Schaumburg-Lippe als Insel der Seligen. „Wir konnten in den letzten Monaten keine signifikante Änderung beobachten“, stellt der Pressesprecher der Landeskirche, Ulrich Hinz, fest. Die Zahl der Austritte liege seit Langem um die „300 pro Jahr“.

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 Pastor Ulrich Hinz, Pressesprecher der Schaumburg-Lippischen Landeskirche: „Im Vergleich zu den anderen Landeskirchen ist es um die Schaumburg-Lippische gut bestellt.“

Quelle: pr.

Bückeburg. Die Kirchensteuer erregt die Gemüter, das war auch 2014 nicht anders. Kaum hatten die Banken die ersten Infoschreiben über die automatische Abführung der Kapitalertragssteuer verschickt, begann eine hitzige Diskussion. Von der Einführung einer neuen Kirchensteuer war die Rede, von Problemen mit dem Datenschutz und von einer Erhöhung durch die Hintertür. Es gab viel Ärger, und die Kirchen verloren (durch Austritte) noch einmal mehr Mitglieder als ohnehin schon (durch den demografischen Wandel). Vor allem die großen Landeskirchen hatten unter der Debatte zu leiden: Die Bayrische verlor im ersten Halbjahr 2014 14800 Mitglieder (ein Plus von mehr als 56 Prozent), die Nordkirche befürchtet, dass die Zahl der Austritte für das gesamte abgelaufene Jahr um 50 Prozent angestiegen ist. Kurzum: Für manches Mitglied, das vielleicht schon mit dem Gedanken an einen Austritt spielte, war der Infobrief der Hausbank das i-Tüpfelchen, die Beine in die Hand zu nehmen. Erste Umfragen zeigen jedenfalls durchaus, dass die Verwirrung um die Kapitalertragssteuer durchaus eine Rolle bei der Entscheidung gespielt hat. Manch einer habe sogar befürchtet, dass die Kirche eine neue zusätzliche Steuer erheben will, meint ein Pastor aus dem Schaumburger Land kopfschüttelnd.

 Dabei gibt es die Kapitalertragssteuer schon länger, genauer: seit 2009. Das Verfahren greift, wenn die Zinsgewinne des angelegten Kapitals bei Ledigen 801 und bei Verheirateten 1602 Euro insgesamt überschreiten. Ab diesen Beträgen erhebt der Staat 25 Prozent, wovon, wie seit vielen Jahren schon, acht bis neun Prozent Kirchensteuer abgehen. Seit Anfang des Jahres wird die Steuer nun auf eine neue Art erhoben. Erfolgte die automatische Weiterleitung des Kirchenanteils an der Kapitalertragsteuer bisher nur nach entsprechender Mitteilung des Steuerpflichtigen an seine Bank, gibt es diese Benachrichtigung nun nicht mehr. Die auf Kapitalerträge anfallende Kirchensteuer wird jetzt grundsätzlich automatisch Finanzämter und von dort an die steuererhebenden Kirchen und Religionsgemeinschaften weitergeleitet. Das Wissen, ob und wenn ja welcher Religion jemand angehört, kommt vom Bundeszentralamt für Steuern, das diese Daten in verschlüsselter Form den Banken übermittelt.

Warum die Kirche künftig auch jene Kirchensteuer automatisch einziehen lässt, die auf die Kapitalertragsteuer fällig wird? Ein Grund, so heißt es in Kirchenkreisen, sei das Schließen einer Gerechtigkeitslücke. Reiche Mitglieder sollen sich nicht mehr so leicht drücken können, der Kirche das ihr zustehende Scherflein zukommen zu lassen. Dass der Schuss jetzt möglicherweise nach hinten losgeht, führen Kirchenobere auch auf das Verhalten der Banken zurück. Manch ein Kreditinstitut habe seinem Kunden geraten, doch einfach aus der Kirche auszutreten. Die Infobriefe hätten Mitglieder, die schon mit dem Gedanken an Austritt spielten, noch einmal mit der Nase draufgestoßen.

 Für Pastor Stephan Lackner, Leiter der Wiedereintrittsstelle Hannover hat der Austritt aber nur vordergründig mit „finanziellen Gründen“ zu tun. Der eigentliche Grund liege tiefer, sagt Lackner. „Viele haben keinen Kontakt mehr zu ihrer Gemeinde“, hat der Geistliche beobachtet. Sein Rat: Die Kirche muss offen gehalten werden und die Schwelle zurückzukommen, dürfe nicht zu hoch sein.

 Eine offene Kirche, die nah bei den Menschen ist – das ist auch das Leitbild von Pastor Hinz, Pressesprecher der Landeskirche Schaumburg-Lippe. „Wir sind bemüht um ein sehr dichtes Netz von Pastoren mit Pfarrstelle, und dieses Netz wollen wir auch in Zukunft erhalten.“ Die Pastoren sorgten für eine enge Bindung an die Kirche. „Es geht darum, die sehr engen Beziehungen vor Ort zu erhalten. Diese Beziehungsarbeit ist uns sehr wichtig.“

 Für die Zukunft sieht Hinz die rund 55000 Mitglieder zählende Landeskirche gut aufgestellt. Die Kirche sei seit vielen Jahren Mitglied der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen: „Das klappt sehr gut und hat sich gut eingespielt.“ Die Kooperation innerhalb der Konföderation sorge dafür, dass man an etlichen Punkten (Jugendarbeit, Krankenhausseelsorge, Schulpastoren und Ähnliches) zusammenarbeite und so Synergieeffekte nutzen könne.

 Darüber hinaus gebe es auch innerhalb der Landeskirche Kooperationen, etwa zwischen den Kirchengemeinden Meinsen und Frille. „Wir haben da ein Projekt von Jugendlichen, die gemeinsam einen Film drehen und auf diese Weise auch das Handwerkliche lernen“, erzählt Hinz. Die Resonanz sei gut. Diese Art der Zusammenarbeit gelte es, in Zukunft weiter auszubauen – wo es nötig sei. „Wir müssen da kreativ bleiben und Experimente wagen.“ Im Vergleich zu den anderen Landeskirchen sei es um die Schaumburg-Lippische „gut bestellt“.

Und die Debatte um die Kapitalertragssteuer? Die ist in der Landeskirche aufmerksam verfolgt worden. Aber: Eine signifikante Steigerung der Austrittszahlen habe es wohl nicht gegeben, sagt Hinz. „An Rückmeldungen aus dem Kollegenkreis sehen wir, dass es im letzten Jahr nicht übermäßig mehr Austritte gegeben hat. Genau können wir das aber erst sagen, wenn die Zahlen draußen sind.“ Hinz schätzt, dass die Zahl der Austritte etwa auf dem Niveau der Vorjahre liegen dürfte. Das wären um die 300. mig

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