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Bückeburg Stadt 365 Tage im Jahr unter freiem Himmel
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt 365 Tage im Jahr unter freiem Himmel
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20:15 27.08.2018
Bückeburg

Die große Herde Merinolandschafe grast friedlich auf dem abgeernteten Feld südlich des Industriegebietes Kreuzbreite. Sie lassen sich beim Fressen durch nichts stören. Nur die Lämmer springen verspielt hin und her. Als Frank Weizenkorn pfeift und einen Ruflaut von sich gibt, halten die Wiederkäuer sofort inne und schauen ihren Schäfer erwartungsvoll an. Auch Donna, ein Altdeutscher Hütepudel, wartet gut erzogen und gespannt darauf, welches Kommando der Chef als Nächstes gibt.

Ein schönes Bild, zu sehen, wie der Schäfer vor seiner großen Herde steht. Doch es gehört viel Idealismus, Leidenschaft für die Sache und Liebe zur Natur dazu, um diesen Beruf ausüben. Denn neben aller Romantik handelt es sich hier um einen Knochenjob.

Direkt nach seiner Ausbildung zum Tierwirt hat Weizenkorn mit 18 Jahren begonnen, als Schäfer zu arbeiten. Seither bestimmen die tägliche Hege und Pflege der Herde seinen Arbeitstag. Unter anderem gehören dazu: das Umstecken der Zäune, die Versorgung mit ausreichend Wasser, die Klauenpflege, die Versorgung bei Verletzungen sowie „Hebammen-Aufgaben“ in der Zeit des Lammens. In diesem Sommer kam erschwerend das Heranschaffen von zusätzlichem Futter dazu. Bereits seit neun Wochen muss Weizenkorn zufüttern, da die Vegetation auf den Feldern, bedingt durch die Trockenheit, zum Stillstand gekommen ist.

Die Schafe des Bückeburgers sind 365 Tage im Jahr unter freiem Himmel. Die meisten Tage davon ist Weizenkorn bei ihnen. Während die Schafe derzeit auf den abgeernteten Feldern einiger Landwirte im Umkreis von Bückeburg umherziehen, gehen sie die übrigen Wochen des Sommers auf Reise. In der Nähe von Hannover hat Weizenkorn auf einem Truppenübungsplatz Land gepachtet. Nicht zuletzt wegen der Gefahr, dass sich ein Wolf der Herde nähern könnte, lässt er die Tiere dort nicht unbeaufsichtigt. So wohnen Weizenkorn und Hundedame Donna in unmittelbarer Nähe der Herde im Wohnwagen, während die Schafe auf dem Truppenübungsplatz „Landschaftspflege“ betreiben.

Auch kniffelig in diesem Jahr war, die richtige Zeit zum Scheren zu finden. Da die Schafe direkt nach der Schur sehr anfällig für Sonnenbrand sind, hat Weizenkorn aufgrund der hohen Temperaturen die Schur verschoben. Man sollte meinen, unter dem dicken Fell müssten die Tiere elend schwitzen, doch das dicke Fell isoliert den Körper bestens. „Im Winter hält die Wolle die Wärme am Tier, und an heißen Tagen verhindert sie das Durchkommen der starken Sonnenstrahlen“, erklärt der erfahrene Schäfer. Jetzt aber, da abzusehen ist, dass die Temperaturen sinken, ist der „Friseur“ bestellt.

Weizenkorn hat ein braun gebranntes und wettergegerbtes Gesicht. Der 53-Jährige ist Schäfer aus Leidenschaft, liebt seinen Beruf und kann sich schlecht vorstellen, etwas anderes zu machen. Trotzdem kann er seinen beiden Töchtern nicht empfehlen, den Betrieb einmal fortzuführen. Die Arbeit ist schwer, und der Ertrag aus dem Verkauf der Tiere, der Wolle oder der Beweidung von staatlichen Flächen reicht gerade so. Ein normales Familienleben hat man als Schäfer auch nicht.

Aber auch, wenn sich für ihn keine Nachfolge finden sollte, wird er, solange es die Gesundheit zulässt, bei seiner Herde mit seinem Lieblingshammel „Fritz“ bleiben, denn eine andere Arbeit kommt für Frank Weizenkorn nicht infrage.