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Die Schadenshöhe nach dem Brand im Jetenburger Hof weiterhin offen Abgeriegelt

Wie wird es jetzt wohl weitergehen? Eine Antwort kann Mirko Stjepanovic zwei Tage nach dem Brand – im Hotel-Restaurant Jetenburger Hof noch nicht geben.

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Der Blick aus der Vogelperspektive offenbart den immensen Schaden, den das Feuer am vergangenen Freitag im Dachgeschoss angerichtet hat. Wie es drinnen aussieht, weiß Mirko Stjepanovic noch nicht.

Quelle: pr.

Bückeburg (thm). Das Gebäude kann der Gastronom zurzeit nicht betreten, denn das hat die Polizei am vergangenen Freitag versiegelt.

 „Ich darf nicht rein, derzeit weiß ich nicht, welche Schäden es gibt“, sagt der in Bückeburg beliebte Gastwirt. Zunächst müsse die Kripo die Brandursache feststellen, und auch die Versicherung werde das Gebäude noch untersuchen. „Ich schätze, dass die morgen kommen, gestern und heute war noch keiner da.“ Auch ob Einsturzgefahr herrsche, könne er nicht sagen.

 Das Wasser ist abgestellt, der Strom ebenfalls. Nichts geht mehr im Augenblick. Jedenfalls fast nichts. Die Jugendfreizeitstätte als Nachbar und Christian Schütte vom Ordnungsamt haben noch am Tag des Brandes schnell und unkompliziert geholfen. „Ich bekomme Strom von dort, so kann ich wenigstens die Froster betreiben und die verderbliche Ware einlagern.“ Was auch hilft, den – vermutlich sehr hohen – Schaden zu minimieren.

 Die Dachgeschosswohnung, in der Stjepanovic mit Ehefrau Dobrinka und der elfjährigen Tochter lebt, steht am Brandtag leer. Er ist im Treppenhaus unterwegs, um eine Glühbirne auszuwechseln, als das Feuer ausbricht. Frau und Kind machen derzeit Ferien in Griechenland. „Das Dachfenster, unter dem das Lüftungsrohr aus der Küche aus dem Dach tritt, stand offen. Gut, dass die beiden nicht da waren“, sagt der Familienvater, während sein Blick abermals ins Weite schweift. „Nicht auszudenken.“

 Die beiden älteren Söhne leben nicht mehr bei ihren Eltern. Bei einem von ihnen ist Stjepanovic fürs Erste einmal untergekommen. Frau und Tochter versuchen, so schnell wie möglich einen Flug zurück nach Hause zu bekommen.

 Weil er das Gebäude noch nicht betreten darf, hat der Gastronom eine Leiter an ein Gastraumfenster im Parterre gestellt: „Über der Theke ist ein Loch, auf einem Tisch habe ich nasse Servietten gesehen“, gibt er seinen Eindruck vom Schaden wieder. Am Freitag war er noch im Keller, um die Fleischvorräte aus den dort stehenden Kühltruhen zu retten. „Der stand schon 20 Zentimeter tief unter Wasser“, sagt Stjepanovic.

 „Ein Feuerwehrmann hat unser Reservierungsbuch gerettet“, ist der Wirt über dessen Geistesgegenwart dankbar. Noch während des Brands ist Hilfe für das Hotel-Restaurant angelaufen. Von Sonnabend auf Sonntag wäre das Hotel ausgebucht gewesen. So habe er mit der Hilfe von Bückeburger Gastronomen die Gäste auf andere Häuser verteilen können. Eine Trauergesellschaft, die für den frühen Freitagnachmittag gebucht war, ist kurzfristig vom Ratskeller aufgenommen worden. Dessen Wirtin Claudia Schurig ist später an der Brandstelle auf der Suche nach Stjepanovic gewesen: „Wir können ihm unsere Küche anbieten. Er hat doch sicherlich gebuchte Veranstaltungen zu erfüllen. Wir wollen helfen.“

 Bückeburg nimmt Anteil am Schicksal der Stjepanovics. In der Stadt sind die Tageszeitungen am Tag nach dem Feuer schnell vergriffen. Viele wollen wissen, was da passiert ist, wie es ihrem Lieblingswirt geht. „Bislang habe ich 62 SMS bekommen, mit Hilfsangeboten, und von Leuten, die Anteil nehmen“, sagt der Mann, den und dessen Familie viele Bückeburger seit Jahrzehnten wegen deren Herzlichkeit mögen.

 Bei all den Schwierigkeiten, die nun auf ihn und seine Familie zukommen können, denkt Mirko Stjepanovic auch an die anderen Leidtragenden des Brandunglücks: „Ich bin glücklich, dass niemand schwer verletzt worden ist. Meinen Mitarbeitern geht es wieder gut. Und dem Feuerwehrmann hoffentlich auch.“ Fünf Mitarbeiter sind am Brandtag wegen des Verdachts auf Rauchgasvergiftung für kurze Zeit ins Krankenhaus gebracht worden. Eine Mitarbeiterin verletzt sich am Fuß – glücklicherweise kein Bruch, wie zwei Tage nach dem Brand klar ist. Besagter Feuerwehrmann wird mit Kreislaufproblemen ebenso ins Krankenhaus gebracht wie ein weiterer Brandschützer: Der wird am Fuß verletzt, als er von einem uneinsichtigen Autofahrer an einer Absperrung angefahren wird.

 Kein Einzelfall, wie die Feuerwehr Bückeburg am Tag nach dem Brand mitteilt. Mehrere Autofahrer hätten versucht, die Absperrungen zu passieren und dabei die Einsatzkräfte bei ihrer Arbeit gefährdet.

 Bei einem der größten und längsten (neun Stunden) Brandeinsätze in der Stadt Bückeburg während der vergangenen Jahre hatte die Feuerwehr 170 Einsatzkräfte mit 40 Fahrzeugen aus allen Teilen des Landkreises Schaumburg im Einsatz, darunter allein 20 Trupps unter Atemschutz.

 Am Tag nach dem Feuer regnet es. Stjepanovic sitzt unter dem Dach seines nicht in Mitleidenschaft gezogenen Biergartens. Sein Blick schweift über die rußgeschwärzten Fensterlaibungen hinauf zum Dach, er sieht die verkohlten Dachsparren. „Ein ganz trauriges Bild“, schildert er die Szene. Da versagt ihm die Stimme, sein Blick sucht Halt im Nichts.

 „Mir ist jetzt wichtig, die Nerven zu behalten“, richtet er den Blick in die Zukunft. So gut das in dieser Lage geht. „Ich möchte ein großes, großes Lob all denjenigen aussprechen, die mir und meiner Familie seit Freitag geholfen haben. Der Feuerwehr und all den anderen. Hier gibt es viele gute, ehrliche Leute. Danke.“

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