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Bückeburg Stadt Abriss oder kein Abriss?
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Abriss oder kein Abriss?
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07:55 08.06.2018
So stellt sich die Immac den Neubau des Seniorenkompetenzzentrums vor. Quelle: pr
Bückeburg

Elf Anlieger und betroffene Bürger waren gekommen, um sich von der Verwaltungsspitze um Bürgermeister Reiner Brombach und vom neuen Baubereichsleiter Björn Sassenberg sowie von den beiden Planern Matthias Reinold und Volker Wehmeyer über Details des B-Plans und Einzelheiten des geplanten Neubaus eines Seniorenkompetenzzentrums mit rund 120 Pflegeplätzen sowie zwei Senioren-Mehrfamilienhäusern im hinteren Bereich informieren zu lassen und Fragen zu klären.

Das Fazit der gut einstündigen Info-Veranstaltung: Wenig Neues – im Grunde war es ein Austausch bekannter Positionen zwischen Planern und der Interessengemeinschaft Historische Herminenstraße (IGHH). Oder wie es der Bürgermeister bereits in seinen Eingangsworten formuliert hatte: „Für die meisten wird es eine Wiederholungsveranstaltung.“

Letztlich dreht sich bei der Aufstellung des B-Plans mehr oder weniger alles um die Frage: Wird das Haus Reiche abgerissen und weicht einem Neubau? Oder kann Haus Reiche in den vom Investor Immac geplanten Neubau integriert werden, in welcher Weise auch immer, wie es die IGHH fordert?

Passend zum Gesamtbild

Der Vertreter des Investors, der heimische Bau-Ingenieur Wehmeyer, wies bei der detaillierten Darstellung der Pläne des Investors darauf hin, dass sich der „ähnliche Gebäudekörper“ entlang der Herminenstraße mit seinen zurückliegenden Baukörpern und dem Aufgreifen der Stilelemente des Hauses Reiches gut in die vorhandene Bebauung der Herminenstraße und der Ulmenallee einfüge. Sowohl die Art des Gebäudes als auch das Volumen des Baukörpers würde zu vorhandener größerer Bebauung wie Justizgebäude und dem Gebäude der Grundschule Am Harrl, aber auch der Jägerkaserne passen. Mit den Auflagen des B-Plans zur Bauausführung und der Verwendung von Materialien oder aber einem Sockelgeschoss würden Elemente der umliegenden Villen aufgenommen. Der Neubau liege mit seinem Erdgeschoss im oberen Bereich unter dem Niveau der Herminenstraße – so wie das Haus Reiche. Mit Perspektive von der unteren Herminenstraße hinaufblickend sagte Wehmeyer: „Wir bauen so etwas Ähnliches wie das Haus Reiche.“

Was die IGHH ganz anders sieht. Wie ihr Vertreter Günter Kaps, Leiter des Hochbauamtes Celle i.R., in seiner vorläufigen Stellungnahme feststellte: „Wir halten es für verwerflich, das historische Haus Reiche ohne Not zu opfern.“ Der B-Plan sei direkt auf die Vorstellungen des Investors zugeschnitten worden. Alternativen seien bisher nicht vorgestellt worden, obwohl dies das Baugesetzbuch fordere und in der Einladung zu der Info-Veranstaltung auch darauf hingewiesen worden sei. Die im Entwurf des B-Plans vorgesehene Baulinie laufe ohne Rücksicht auf den Bestand durch das Haus Reiche und nicht mehr parallel zur Herminenstraße. Formal habe das Haus Reiche zwar seinen Denkmalcharakter verloren, sei aber „ein einzigartiges Beispiel Bückeburger Baukultur Mitte des 19. Jahrhunderts“.

Protest gegen Abriss

Seitens des Investors sei es „offenbar nie geplant“ gewesen, das Haus Reiche in den Neubaukomplex einzubeziehen, in welcher Form auch immer. Dabei habe die IGHH mit einer von ihr entwickelten Variante „nachgewiesen“, dass der Investor sein „volles Planungsprogramm“ mit „vertretbaren Mehraufwand“ im Verhältnis zur Investitionssumme realisieren könne: „Wir protestieren dagegen, dass durch die vorliegende Bauleitplanung auch nach öffentlichem Recht der Rechtsrahmen geschaffen wird, dass Haus Reiche abzureißen.“

An weiteren Ausführungen des B-Plans, wie unter anderem Grund- und Geschossflächenzahl, Bebaubarkeit, Zu- und Abfahrten, Tiefgarage, Bebauung im Mittelbereich mit bis zu drei Mehrfamilienhäusern und kleinteiliger Bebauung in Richtung Fürst-Ernst-Straße, gab es keine Kritik. Eine Anwesende kritisierte, dass zu wenige Grünflächen vorgesehen seien. Der Baubereichsleiter verwies darauf, dass es Pflanzauflagen gebe und nur 40 Prozent des Gesamtareals mit seinen mehr als 10000 Quadratmetern überbaut werden dürften. Planer Reinold sagte, dass Kommunen angehalten seien, schonend mit Flächen umzugehen: „Wir befinden uns hier mitten in der Innenstadt.

Das weitere Vorgehen: Noch bis zum 22. Juni liegt der Vorentwurf im Rathaus aus, jeder kann dort seine Stellungnahme ab- oder zu Protokoll geben. Anschließend wird abgewogen. Es folgt die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange, die erneut von der Politik abgewogen werde, ehe der Rat abschließend über die Satzung und das Inkrafttreten des B-Plans entscheidet. rc