Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
Abschluss der Niedersächsischen Chortage

Bückeburg Abschluss der Niedersächsischen Chortage

Mit einem musikalischen Ausrufezeichen sind am Wochenende die 14. Niedersächsischen Chortage zu Ende gegangen.

Voriger Artikel
Gedenken an Widerstandskämpfer
Nächster Artikel
Grundschulen übernehmen die Regie

Die Sängerinnen und Sänger des Projektchores präsentierten zum Abschluss der Chortage noch einmal Klanggewaltiges.

Quelle: mig

Bückeburg. Carl Orffs mitreißende „Carmina Burana“ – vorgetragen von einem Groß-Chor aus 200 Sängern, mehreren Pauken und zwei Klavieren – entpuppte sich als einmaliges Hörererlebnis und war, wie Präsident Wolfgang Schröfel sagte, ein „Höhepunkt unter vielen Höhepunkten in diesen Tagen“.

Dass ausgerechnet die „Carmina Burana“ als letztes Werk die Chortage beschließt, hat sicher mehrere Gründe. Zum einen feiert Orff in diesem Jahr seinen 120. Geburtstag, zum anderen ist das Werk ein echter Publikumsliebling. „Fortuna Imperatrix Mundi“ – mit diesen Zeilen wissen nicht nur Freunde klassischer Musik etwas anzufangen. Andere kennen das imposante Chorwerk aus der TV-Werbung für Nestlé-Schokolade oder Iveco-Lastwagen.

Orffs „Carmina Burana“ gehört sicher zu den erfolgreichsten, populärsten und wohl auch spektakulärsten Werken weltweit. Vom Monumentalen und Bombastischen bis hin zum ganz Feinen und Innigen sind in Orffs Werk sämtliche Klangschattierungen und -farben vertreten. Dazu kommt das Archaische, das Rhythmische: All das entwickelt einen gewaltigen Sog und spricht den Zuhörer sofort an. An Pathos und musikalischem Bombast ist die „Carmina Burana“ jedenfalls kaum zu übertreffen.

Einige Worte zur Entstehung: Orff vertonte mit dem Werk ausgewählte Texte der „Carmina Burana“, einer um 1300 entstandenen Liedersammlung aus der Benediktbeurer Handschrift, die als bedeutendste Sammlung weltlicher Klerikerdichtungen dieser Zeit gilt. Fasziniert von der geistigen Kraft dieser Texte, die die Wechselhaftigkeit des Glücks und die Flüchtigkeit des Lebens schildern, wählte Orff 24 Liebes-, Tanz- und Trinklieder als Libretto und schuf ein monumentales Werk. Neben den Texten ist auch die Musik von einer mittelalterlichen Stilistik geprägt. Suggestive Rhythmen und eindringliche Melodien kulminieren in großflächigen Chorblöcken. Zusätzlich basiert Orffs Klangsprache auf einer starken Rhythmik - kurz gesagt: Das Werk hat Swing. Überraschende Taktwechsel und zügige Tempi sorgen für eine deutlich hörbare Dynamisierung. Bei Orff hat das Schlagwerk eine tragende Rolle – das ist selten.

Dieser Effekt zeigt sich schon beim Eingangschor: zischende Becken, eine wummernde Trommel und Pauken, die den Ton angeben. Thema dieses Satzes ist die Schicksalsgöttin, die wankelmütige, die mal gute und mal schlechte Karten reicht. Das Orchester begleitet den grimmigen Chor mit immer gleichen rhythmischen Figuren und erzeugt so den Eindruck des Unaufhaltsamen. Das Schicksalsrad kann alle und alles überrollen. Dass die Sänger des Projektchors des Niedersächsischen Chorverbandes nur fünfmal geprobt haben, war der Aufführung jedenfalls nie anzumerken. Die raue, manchmal brutale Klanggewalt der „Carmina Burana“ war fast körperlich zu spüren – etwa beim fast geschrien „Wafna, wafna? Was hast du getan, Pech, schändlichstes?“ Und auch die Gestaltung des Schlusschores verlangt Lob. Wie ein Orkan fegt der Chorsatz über das Publikum hinweg. Schrill, wütend, apokalyptisch. Erst das laute Donnern der Pauke setzt dem Treiben ein Ende.

Ganz anders geht es bei den „Saufliedern“ in der Taverne zur Sache. Da trinkt jeder mit jedem, da wird gelacht und gefeiert. Andere Texte kreisen um die Liebe, aber auch um die Natur und um die irdischen Freuden. Die „Carmina Burana“ feiert das Hier und Jetzt, das Leben. Viel zu schnell kann die Schicksalsgöttin all das nehmen, was sie an anderer Stelle gegeben hat. Nach den deftigen Wirthausspäßen lässt Sopranistin Juliane Dennert den Zuhörer in den „Cours d’amours“ etwas zur Ruhe kommen. „Seht mich an junge Männer, lasst mich euch gefallen“, heißt es dort. Dennert gestaltet ihren Part äußerst charmant, mit wendiger Koloratur und sicherer Deklamation (beim eingängigen „Oh, oh, oh – totus floreo“ unterstützt vom bestens aufgelegten Kinderchor der Schaumburger Märchensänger). Aber auch Bariton Peter Kubik und Tenor Daniel Karrasch machen eine gute Figur. Kubik gibt sich bei den Trinkliedern „In Taberna“ lautstark, imposant und großspurig, mit warmer Intonation und einer schönen Kantilene. Karrasch falsettiert zu bizarren Fagottkapriolen einen Betrunkenen, der sich für einen gebratenen Schwan hält: „Es dreht und wendet mich der Koch. Das Feuer brennt mich sehr.“

Großen Anteil an der treibenden Motorik hatte schließlich auch die bestens besetzte Rhythmusgruppe. Mit Pauken, Trommeln, Glockenspiel und Triangel sorgten sie mit viel „Wumms“ für ein Klangbild von archaischer Wucht. Die Pianisten Cristian Peix und Keno Weber unterstrichen die perkussive Struktur des Werks und legten überdies im einzigen instrumentalen Satz des Werkes einen bezaubernden, federnden „Tanz“ hin. Für den begeisterten, tosenden Schlussapplaus erhob sich das Publikum von den Stühlen. mig

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg