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„Absolut störungsfrei und ohne Zwischenfälle“

Bückeburg / Spectaculum „Absolut störungsfrei und ohne Zwischenfälle“

Das letzte Turnier des Jahres auf der Mausoleumswiese in Bückeburg ist geschlagen, die Ritter, Gaukler, Vaganten und wilden Horden des Mittelalterlich Phantasie Spectaculums haben ihre Zelte abgebrochen und sind in Richtung Karlsruhe davongezogen. An den Sonnabenden bescherte das Wetter der Veranstaltung wieder neue Rekorde mit vielen Tausenden Besuchern.

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Das große Bruchenballturnier bietet Spaß und Authentizität. © jp

Bückeburg (r). An den beiden Sonntagen fielen die Besucherströme bei zwar überwiegend trockener, aber kühler und ungewöhnlich windiger Witterung erwartungsgemäß wesentlich magerer aus.

„Absolut störungsfrei und ohne jegliche Zwischenfälle“ sei das Spectaculum anno 2011 über die Bühne gegangen, resümierte MPS-Veranstalter Gisbert Hiller. Auch der Landkreis Schaumburg, mit dem es noch kurz zuvor die bekannten Dispute gab, hatte während der Veranstaltung keinerlei Beanstandungen. Da seien vorab „die Meinungen aufeinandergeprallt und einige Dinge gerade gezogen“ worden, erklärte der MPS-Chef. In der Zukunft wolle man konstruktiv zusammenarbeiten.

Das gelte ohnehin wie bisher für die Fürstliche Hofkammer als Vermieterin der Veranstaltungsfläche, mit welcher der Termin für das Spectaculum 2012 bereits festgezurrt wurde: Am 14. und 15. Juli sowie am 21. und 22. Juli 2012 halten die Ritter wieder Einzug in Bückeburg. Auch die Verträge mit den teilnehmenden Künstlern seien für das kommende Jahr bereits unterschrieben. Gisbert Hiller: „Ich gehe davon aus, dass es das Spectaculum auf diesem Gelände und in diesem Rahmen noch mindestens zehn Jahre geben wird.“

Ein Rahmen, der sich zweifellos in den Jahren seit dem ersten Spectaculum 1996 markant verändert hat. Wer zum letzten Mal in den 90er Jahren das Mittelalterlich Spectaculum (das damals den Zusatz „Phantasie“ noch nicht im Namen trug) besuchte, dürfte jetzt bei einer Visite auf der Mausoleumswiese und den angrenzenden Veranstaltungsflächen aus dem Staunen nicht mehr heraus gekommen sein: Nicht nur, dass sich aus dem einst allein auf die Wiese vor dem Mausoleum beschränkten idyllischen, verspielten Mittelaltermarkt eine Großveranstaltung mit einer Fläche von mehr als zwölf Fußballfeldern und weit über 2000 Akteuren geworden ist, auch der Charakter des Mammut-Events hat sich völlig verändert.

Vorbei die Zeiten, in denen zu Schwert- und Hellebardengeklirr und mittelalterlichem Markttreiben am Rande des Geschehens Spielleute wie Tolstafanz oder Sedamogh ihre Melodeien dudelten und Gaukler wie die Compania Megusta ihre Späße trieben. Heute beherrschen Formationen wie Saltatio Mortis, Vermaledeyt, Schelmish oder Rapalje das musikalische Geschehen, Mittelalter-Bands mit Hunderten oder gar Tausenden ekstatisch und bis zur völligen Verausgabung feiernder Fans.

Dazu prägen Gruppen wie das Stelzentheater Feuervogel oder die Waldwesen das Bild, Gestalten, die kaum etwas mit authentischem Mittelalter zu tun haben, dafür umso mehr mit Magie, Märchenwelten und Fantasie. Vorbei die Zeiten eines Tavernenspektakels, bei dem die Gaukler zu abendlicher Stunde gemeinsamen Bühnen-Ulk inszenierten. Und als eines der letzten Relikte des „alten Spectaculums“ ist auch das große Traumspektakel, die gemeinsame abendliche Show aller teilnehmenden Kleinkünstler, seit diesem Jahr Geschichte. Stattdessen: Feuerspektakel mit Flammenfontänen, spektakulären Fackel-Kunststücken, Funkenregen und Feuer-Akrobatik.

Auch die Besucher des Spectaculums haben sich völlig verändert: Fuhr man früher zum Spectaculum, um Mittelalter zu sehen, so geht man heute dort hin, um Mittelalter zu erleben und zu feiern. Das Publikum ist jünger geworden, aktiver, es will mitmachen, anstatt nur dabei zu stehen und zuzuschauen. Nichts verdeutlich diese Wandlung besser als das Outfit, in dem man heute auf dem Spectaculum erscheint: Waren Gäste in mittelalterlicher Gewandung vor zehn Jahren noch die große Ausnahme, so gehört es heute praktisch zum guten Ton, sich als mittelalterliche Hofdame, kampfeslustiger Ritter oder auch einmal als Pirat ins große Zeitreise-Event zu stürzen.

Zwei Zäsuren stellten die Weichen für diese Entwicklung: 2002 trennte sich das Spectaculum von Frank Breburda und seiner Firma Schwartenhalss. Zwei Jahre später erfolgte die Trennung von Johannes „Fogelvrei“ Faget und seinem „Tross der Fogelvreien“. Insbesondere Faget hatte zuvor versucht, gerade das Authentische in den Vordergrund zu stellen. Spectaculums-Chef Gisbert Hiller machte es genau anders, pfiff auf die Authentizität und setzte vielmehr auf den Event- und Erlebnischarakter und dazu auch ganz bewusst das Wort „Phantasie“ in den Namen seiner Veranstaltung.

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