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Abteilung zeigt Rinteln die kalte Schulter

Schulter-Gelenk-Chirurgie zieht nach Bückeburg Abteilung zeigt Rinteln die kalte Schulter

Nach nur sechs Monaten zieht die Schulter-Gelenk-Chirurgie (SGC) des Klinikums Schaumburg zum 1. April vom Kreiskrankenhaus Rinteln ins Krankenhaus Bethel nach Bückeburg. Grund scheinen unter anderem Unstimmigkeiten zwischen der Bückeburger Mitarbeitervertretung und der Geschäftsführung der Krankenhausprojektgesellschaft zu sein, unter deren Banner das Gesamtklinikum realisiert wird. Für Rinteln vereinbarte Operationen sollen Gültigkeit behalten, werden aber in Bückeburg durchgeführt.

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Die Rintelner Mitarbeiter werden von der Klinik-Geschäftsführung per knapper E-Mail informiert. 

Quelle: tol

Bückeburg/Rinteln. Konkret geht es um das Thema Mitarbeiterüberlassung. Während der Vorbereitung für das Gesamtklinikum sollen die Arbeitnehmer der unterschiedlichen Träger sich und die verschiedenen Arbeitsbereiche „kennenlernen“, wie Bethel-Sprecherin Nina Bernard erklärt. Bückeburger Mitarbeiter hätten zum Beispiel auch in Rinteln eingesetzt werden sollen. Die Krankenhäuser in Stadthagen und Rinteln sind in kommunaler, Bethel in kirchlicher Hand.

Bezüglich der Arbeitnehmerüberlassung seien Vertragsabschlüsse bis zum 1. Oktober vergangenen Jahres – Startdatum der SGC in Rinteln – anvisiert gewesen, so Bernard. Das sei aber wegen bestimmter Forderungen der Betheler Mitarbeitervertretung nicht geschehen. Folge: Es fehlte qualifiziertes OP-Personal für Rinteln. Vertreter und Geschäftsführung befänden sich in laufenden Verhandlungen, weshalb Bernard diese Forderungen nicht benennen will.

Weiterer Grund für den Umzug: Die Abteilungen Unfallchirurgie und Orthopädie sollen gemeinsam mit der SGC bis zum Umzug in das neue Gesamtklinikum in Vehlen zum sogenannten „ErdoProthetikZentrum“ zertifiziert werden. Der Leiter dieses Zentrums, Professor Michael Jagodzinksi, ist Chefarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie – an den Standorten Stadthagen und Bückeburg.

Für die Zertifizierung sei eine Mindestmenge an Knieoperationen nötig. Diese Mindestmenge sei von der zuständigen Behörde erst nach dem Start der Rintelner SGC bekannt gegeben worden. „Außerdem wurde uns mitgeteilt, dass nicht drei Standorte eines Klinikverbundes zertifiziert werden können“, sagt Dr. Karl-Heinz Thielke, Leiter der SGC in Rinteln.

Obendrein hätte sich trotz überregional geschalteter Anzeigen kein qualifiziertes OP-Personal für Rinteln finden lassen, erklärt Dr. Achim Rogge, Sprecher der Geschäftsführung der Krankenhausprojektgesellschaft Schaumburg.

Die neuere Entwicklung des Rintelner Krankenhauses kann man auch von dieser Seite betrachten: Die Etablierung der Schulter-Gelenk-Chirurgie hat Geld und Mühe gekostet. Der Landkreis Schaumburg hatte dazu rund 250 000 Euro in moderne Gerätschaften investiert. Konzepte wurden erarbeitet, eine Station neu eingerichtet, der Operationssaal auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Die Mitarbeiter in Rinteln hatten zumindest für die kommenden zwei Jahre wieder Licht gesehen.

Gestern Abend haben die Beschäftigten einen offenen Brief verfasst und über die Gewerkschaft Verdi verbreiten lassen: Sie sind „entsetzt“, heißt es darin – „über die Art und Weise, wie die Geschäftsführung mit den Mitarbeitern im Zusammenhang mit der Schließung der Chirurgie am Standort Rinteln umgeht“. Sie würden weder aus erster Hand unterrichtet, wie die Perspektiven im Klinikum Schaumburg aussehen, noch bekämen sie persönliche Auskünfte über ihre Zukunft im Gesamtklinikum. „Stattdessen wird über unsere Köpfe hinweg und ohne Beteiligung des Personalrats entschieden, wo und wie wir zukünftig zu arbeiten haben“, schreiben die Beschäftigten.

Jan Bergmann von der Verdi-Betriebsgruppe des Krankenhauses in Rinteln erläutert: Scheinbar sei geplant, die Chirurgie in Rinteln – dazu zählen außer SGC auch HNO und Allgemeine Chirurgie – komplett einzudampfen. An Mitarbeiter trete die Geschäftsführung einzeln heran, um sich zu erkundigen, ob sie sich eine Zukunft in Stadthagen vorstellen könnten. „So wird dann argumentiert, es handele sich um Einzelmaßnahmen, für die der Personalrat nicht eingeschaltet werden muss“, sagt Bergmann. Vom Ende der SGC hätten die Mitarbeiter vergangene Woche in einer knapp formulierten E-Mail erfahren.
Bergmann halte es nicht für ausgeschlossen, dass Mitarbeiter so rausgemobbt werden sollen. Bei den Rintelner Kollegen handele es sich um solche mit langjähriger Betriebszugehörigkeit, „die entsprechend Geld kosten“. In Stadthagen würden diese Mitarbeiter dann als „die Rintelner“ gelten, die in der Kreisstadt jungen Kollegen mit zeitlich befristeten Stellen die Arbeitsplätze wegnehmen. So jedenfalls wird es unter dem Personal in Rinteln gemunkelt, weiß Bergmann.

Viele hätten außerdem ihren Lebensmittelpunkt in der Weserstadt, kein Auto oder schulpflichtige Kinder – abgesehen davon, dass sich die morgendliche Fahrt nach Stadthagen wegen der Bahn- oder Benzinkosten deutlich im Jahres-Netto niederschlagen würde. „Die können nicht einfach nach Stadthagen ziehen“, sagt Bergmann. Verdi fordere, dass die Geschäftsführung mit dem Personalrat in den Dialog bezüglich der Planungen und der Zukunft der Mitarbeiter trete – genau das sei nämlich bisher nicht geschehen.

Das Krankenhaus in Rinteln soll sich in Zukunft auf „Altersmedizin“ und Neurologie spezialisieren. Anfang 2017 soll das Gesamtklinikum in Vehlen an den Start gehen.

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