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Alarmstufe 1: Stadtkirche in Flammen – Brandstiftung

Bückeburg / Vor 50 Jahren Alarmstufe 1: Stadtkirche in Flammen – Brandstiftung

„Vernichtung unersetzlicher, alter Kunstwerke – Dringender Verdacht einer Brandstiftung“, so titelte die Schaumburg-Lippische Landes-Zeitung am 3. Dezember 1962 in einer Sonderausgabe. Anlass des Aufmachers war ein Großbrand, der tags zuvor die Stadtkirche arg in Mitleidenschaft gezogen hatte.

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Auch bei Tageslicht drang noch dichter Qualm aus dem Gotteshaus.

Quelle: pr.

Bückeburg (bus). Das jetzt 50 Jahre zurückliegende Schlagzeilen-Ereignis hat am Donnerstag Wolfram Hesseling in einem Vortrag am Ort des Geschehens in Erinnerung gerufen. In der Stadtkirche war es mucksmäuschenstill, als der Stadtführer die damaligen Ereignisse Revue passieren ließ.

 Der 2. Dezember 1962, ein Sonnabend, war ein recht ungemütlicher Tag. „Kalter Ostwind und Temperaturen um den Gefrierpunkt“, verdeutlichte Hesseling. Gegen 4.45 Uhr bemerkten Passanten starke Rauchwolken und Funkenflug in der Nähe des Gotteshauses. Unverzüglich wurde die Feuerwehr alarmiert. Die unter Stadtbrandmeister „Feuer-Franz“ Kalinowski agierenden Kameraden wurden unterstützt von den Wehren Müsingen und Stadthagen. Ein Tanklöschfahrzeug der Flugplatzfeuerwehr Achum war ebenso vor Ort, wie 50 Soldaten aus Bückeburg, Achum und Bad Eilsen, die Absperrungs- und Aufräumungsarbeiten übernahmen. „Es herrschte Alarmstufe 1“, gab Hesseling zu verstehen.

 Bei der überaus starken Rauchentwicklung war es für die freiwilligen Wehrmänner nicht einfach, den eigentlichen Brandherd ausfindig zu machen und an ihn heranzukommen. Das Feuer speiste sich aus mehreren Brandherden. Augenscheinlich war von Brandstiftung auszugehen.

 Im Bereich des Hauptportals war versucht worden, Läufer und Vorhang mit einer Altarkerze anzuzünden. Als Hauptbrandherd stellte sich indes der Bereich der Orgelempore heraus, wo Altar, Orgel und Empore den Flammen zum Opfer fielen. „Schnelles und überlegtes Handeln waren notwendig, um das Feuer einzudämmen und den vielleicht schon entstandenen Schaden nicht größer werden zu lassen. Der Altar mit einem Bild von Bergmann, Hildesheim, Jesus am Kreuz und Maria zu seinen Füßen sowie der Prospekt der 1815 durch Joalas Conpenius gebauten Orgel, „das große Werk zu Bückeburg, sind aber vernichtet“, schrieb die Landes-Zeitung.

 Nachdem die Einsatzkräfte das Feuer gegen 7 Uhr unter Kontrolle gebracht hatten, bot sich im Inneren der dreischiffigen Hallenkirche ein erschütterndes Bild. „Erschüttert steht auch die Bevölkerung vor ihrem Gotteshaus, das ihnen trotz der großen Verluste an Kunstwerken durch das Eingreifen tapferer Feuerwehrmänner in seiner Gesamtheit erhalten blieb“, hielt der Berichterstatter fest. Zu hoffen bleibe, dass es der Landeskriminalpolizei gelingen möge, die mutmaßlichen Brandstifter ausfindig zu machen und einer gerechten Strafe zuzuführen.

 Trotz einer von der Staatsanwaltschaft ausgesetzten Belohnung in Höhe von 3000 Mark konnten der oder die Täter jedoch nicht ergriffen werden. Alles in allem entstand ein (größtenteils von der Versicherung bezahlter) Schaden in Höhe von einer Million Mark. Es dauerte rund vier Jahre, bis die Stadtkirche in ihren ursprünglichen Zustand zurückgesetzt war. Im Februar 1966 wurden die Wiederherstellungsarbeiten mit der „Intonierung“ der Orgel offiziell abgeschlossen.

 Dass das zwischen 1611 und 1615 unter Graf Ernst errichtete Gebäude am 8. April 1966 erneut von Flammen bedroht wurde, war etlichen Besuchern des Vortrages bislang nicht bekannt. „Dazu werde ich zu gegebener Zeit sprechen“, gab Hesseling dem Publikum mit auf den Heimweg. Hinweis:

 In der Stadtkirche ist aus Anlass des 50. Jahrestages des Großbrandes gegenwärtig eine kleine Präsentation in Augenschein zu nehmen, die mit Fotos, Zeitungsausschnitten und Feuerwehrgerätschaften aus der damaligen Zeit an das Ereignis erinnert. Für Sonntag ist um 10 Uhr ein Gedenkgottesdienst geplant.

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