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Alles eine Frage der Lautstärke

Lärmproblematik bei Großveranstaltungen Alles eine Frage der Lautstärke

 „Lärm ist immer subjektiv, es gibt keinen Anspruch auf völlige Ruhe.“ Und: „Wir bewegen uns mit allen Entscheidungen im Bereich zwischen Baum und Borke.“ Mit diesen Aussagen bringen Bürgermeister Reiner Brombach und der Fachgebietsleiter Bürgerservice, Christian Schütte auf den Punkt, was Bückeburg seit Monaten beschäftigt: die Lärmproblematik bei Großveranstaltungen in der Stadt.

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Die NDR-Sommertour im August 2015 mehr als 10.000 Besucher auf den Bückeburger Marktplatz gezogen. Im Vorfeld hatte Bürgermeister Reiner Brombach in einem offenen Brief um Verständnis für die Belastung durch diese Sonderveranstaltung geworben.

Quelle: Archiv

Bückeburg. Diskutiert wird aber auch jeden Sommer darüber, wie lange in den Außenbereichen der Gaststätten – insbesondere in der Fußgängerzone – gesessen werden darf.

 Die einen stört der Lärm, manchmal auch nur die Unterhaltungen und das Klirren der Gläser der Gaststättenbesucher. Andere nehmen ihn hin, wohl wissend, dass es nur einige wenige Tage im Jahr sind, wo es in der Stadt bei den Sonderveranstaltungen oder „seltenen Ereignissen“, wie es in der Freizeitrichtlinie heißt, lauter zugeht. Wieder andere greifen zum Telefon und beschweren sich bei den zuständigen Behörden wie Polizei oder den Ordnungsämtern bei Stadt oder Landkreis. Belastbare Zahlen von Befürwortern, Neutralen und Ablehnern gibt es nicht. Sicher ist nach den Erfahrungen von Stadt und Landkreis nur, dass es einige wenige sind, die sich offiziell beschweren. Wie viele Betroffene hinter den Beschwerdeführern stehen und ihnen zustimmen, ist offen.

 Für die Gaststätten ist inzwischen nach zahlreichen Gesprächen mit Anwohnern und Abwägungen der Behörden eine Lösung gefunden worden. Dort darf bis 23 Uhr draußen gesessen werden. Darüber wachen nicht nur die Wirte mit Argusaugen, um nicht wieder Ärger zu riskieren. Eigene Veranstaltungen, die länger dauern und mit Lärm verbunden sind, stellen sie kaum noch auf die Beine, es sei denn, es ist tagsüber.

 

 Erst kürzlich schwappten die Wellen wieder hoch, nicht in der Innenstadt, sondern überwiegend rund um das Gelände am Mausoleum, wo das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum an zwei Wochenenden im Juli seit vielen Jahren Fans aus ganz Deutschland nach Bückeburg zieht. Dort griff ein unmittelbarer Anwohner, hinter dem nach eigenen Angaben eine Initiative von rund 50 Bückeburgern steht, zum Telefonhörer, weil es zu laut war: Zwölf Stunden Lärmbelästigung am Stück seien einfach zu viel, heißt es. Gegen die Veranstaltung selbst habe man keine Einwände. Beschwerden bei der Genehmigungsbehörde, in diesem Fall der Landkreis, hätten in den vergangenen Jahren Erfolg gehabt, es sei angenehmer geworden. Nur eben nicht mehr dieses Jahr.

 

 Bei den Genehmigungen unterliegen Stadt und Landkreis Gesetzen und Richtlinien wie dem Bundesimmissionsschutzgesetz, der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm sowie der Freizeitrichtlinie. „Unsere Entscheidungen und Auflagen spiegeln diese Gesetze und Richtlinien wider“, sagte Kreisdezernentin Anja Gewald. So ist zum Beispiel aus diesen Richtlinien abgeleitet, dass es in der Kernstadt 18 Sonderveranstaltungen oder „seltene Ereignisse an bis zu zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden“ geben darf, die – bis Mitternacht – genehmigt werden können. Darunter fallen nach Angaben der Stadt Frühjahrs- und Herbstmarkt ebenso wie „Bückeburg kocht über“, das an diesem Wochenende stattfindet, „Funky Castle“ und das Spectaculum. Außen vor sind dem Landkreis zufolge Veranstaltungen in den Ortsteilen und in den Randbereichen der Kernstadt.

 Auflagen, die die Veranstalter einzuhalten habe, ergeben sich aus dem Bundesimmissionsschutzgesetz: 70 Dezibel sind tagsüber von 6 bis 22 Uhr einzuhalten, kurzzeitig sind Spitzenwerte erlaubt, die 20 Dezibel darüber liegen dürfen. Von 22 Uhr bis 6 Uhr sind 55 Dezibel erlaubt, kurzzeitig darf dieser Wert um zehn Dezibel überschritten werden.

 In der Regel begrenzt der Landkreis seine Genehmigungen auf Mitternacht. Dann hat die Musik aus und der Ausschank beendet, das Gelände aber nicht geräumt zu sein. Die Auflagen hat der Veranstalter einzuhalten und selbst zu kontrollieren oder muss gegebenenfalls sogar im Nachhinein Messprotokolle vorlegen. Und er muss Buß- oder Zwangsgelder zahlen, wenn er sich als „unzuverlässig“ erweist, wie der Bürgermeister und der Fachgebietsleiter im Gespräch ausführten. Bei Gaststätten besteht sogar die Möglichkeit, dass die Konzession entzogen wird.

 Und natürlich kontrollieren die Genehmigungsbehörden selbst und rücken mit Lärmmessgeräten an. Wie etwa am zweiten Veranstaltungs-Wochenende des Spectaculums, wo nach Angaben der Kreisdezernentin gegen keine Auflage verstoßen worden ist. Sie erklärte weiter, dass der Kreis jeder Beschwerde nachgehe und schaue, ob bei Genehmigungen oder Auflagen nachgesteuert werden müsse: „Das ist ein ständiges Abwägen und kein statisches Vorgehen.“ rc

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