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Alles sauber – nach akribischem Plan

Hinter den Kulissen der Fürstlichen Hofreitschule Alles sauber – nach akribischem Plan

Die Fürstliche Hofreitschule in Bückeburg ist ein Zuschauermagnet. Die Sauberkeit in den gesamten Räumlichkeiten ist eines der wichtigsten und höchsten Gebote. „Wir betrachten uns nicht als Stall, sondern als lebendiges Pferdemuseum“, betont Hofreitschul-Direktorin Christin Krischke.

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Hofreitmeister Wolfgang Krischke in der Kleiderkammer der Hofreitschule, die über 500 historische Kostüme beinhaltet.

Quelle: jp

BÜCKEBURG. Betritt man den Marstall von Schloss Bückeburg, in dem seit mittlerweile zwölf Jahren die Fürstliche Hofreitschule mit ihren Schulhengsten residiert, fallen als Erstes zwei Dinge auf: Zum einen, dass es überhaupt nicht wie in einem Stall riecht, und zum zweiten, wie unglaublich sauber es – trotz Tierhaltung – in der Anlage ist.

Tatsächlich ist die Sauberkeit in den gesamten Räumlichkeiten – angefangen von den Stallungen über das Museum bis zum Renaissance-Reithaus – eines der wichtigsten und höchsten Gebote, unter das die Hofreitschule ihre Arbeit stellt. „Wir betrachten uns nicht als Stall, sondern als lebendiges Pferdemuseum“, betont Hofreitschul-Direktorin Christin Krischke. „In einem Museum mit so viel Publikumsverkehr wie bei uns, kann es daher gar nicht sauber genug zugehen.“

Bewerkstelligen müssen das die Mitarbeiter – angefangen von Hofreitmeister Wolfgang Krischke bis zu den Auszubildenden, den Eleven – grundsätzlich in den Morgenstunden. Denn um Punkt 10 Uhr öffnen Museum und Marstall für das Publikum ihre Tore, dann hat alles fix und fertig und blitzblank zu sein – egal, ob Pferd, Reiter, Kostüm oder Stallung. Das sei schon ein gewaltiger Aufwand, um alles so in Schuss zu halten. „Allein wie umfangreich wir ständig in allen Gebäuden Staub wischen, kann man sich kaum vorstellen.“

Ein Plan für die Sauberkeit

Für so viel „porentiefe Reinheit“ bedarf es jedoch nicht nur des Bienenfleißes der Mitarbeiter, sondern auch einiges an Köpfchen, um die Arbeit möglichst effizient zu organisieren. „Der Haupttrick besteht darin, so wenige Wege wie möglich mit den staubverursachenden Futterschubkarren zu absolvieren“, verrät Christin Krischke. Daher werden die Behälter mit dem Kraftfutter bereits abends an den Boxen bereitgestellt, um die darin stehenden Schulhengste gleich morgens nach dem Heu damit zu versorgen. Anschließend werden die Boxen gemistet und die Pferde gereinigt. „Unsere Leute haben mittlerweile geradezu perfide Tricks drauf, um auch helle Pferde sauber zu bekommen.“ Was nicht einfach ist angesichts von deren Angewohnheit, sich bei guter Laune in allem Möglichen herumzuwälzen. Unter anderem spielt Babypuder dabei eine Rolle.

Eine eminent wichtige Aufgabe im täglichen Arbeitsalltag der Hofreitschule kommt demjenigen Mitarbeiter zu, der abends den Schließdienst versieht. Er hat zu kontrollieren, dass auch wirklich alle Boxen der Schulhengste sicher verschlossen sind. Ist das einmal nicht der Fall, kann man davon ausgehen, dass der jeweilige Bewohner zu vorgerückter Stunde auf Erkundungstour durch die nächtliche Anlage geht und mit riesigem Getöse die hauseigene Alarmanlage auslöst; allerdings nicht ohne zuvor sämtliche abends bereitgestellten Kraftfutterbehälter leer gefuttert zu haben.

Schlachtpläne werden im Wohnzimmer entwickelt

Was alles an Forschung und Recherche erforderlich ist, um zum einen dem selbst gesteckten historischen Anspruch der Hofreitschule gerecht zu werden, zugleich dem Publikum auch immer wieder interessante neue Darbietungen und Attraktionen zu bieten, davon kann vor allem Christin Krischke ein Lied singen: Sie ist es primär, die Bücher, wissenschaftliche Publikationen und Originalquellen über historische Reitkunst auswertet, um dieses Wissen in der Ausbildung der Pferde und den Vorführungen im Reithaus einzubringen. Um „inhaltlich auf einem Nenner“ zu bleiben, wie sie es nennt, werden alle 14 Mitarbeiter der Hofreitschule regelmäßig im Wohnzimmer der Krischkes versammelt, um Schlachtpläne dafür zu erarbeiten, das neu gewonnene Wissen in die Tat umzusetzen. „Man muss sich immer wieder neu erfinden und dem Publikum etwas Neues, Interessantes bieten“, so das Credo der Direktorin. So gibt es außer den regelmäßigen Reitkunstvorführungen mehrmals im Jahr die „Gala der Reitkunst“, die „Höfische Reitkunst“ und einmal im Jahr das Glanzstück „Hufe, Harfe, Harmonien“.

Für das jüngste Publikum wird regelmäßig eine „Zauberpferdeshow“ mit wechselnden Programminhalten aufgeführt. Am schnellsten vergriffen sind grundsätzlich die Karten für die elf Termine der Weihnachts-Gala, die in diesem Jahr am Freitag, 9. Dezember, um 17.30 Uhr Premiere feiert. Ähnliches gilt für die mehrmals im Jahr veranstaltete „Exklusive Morgenarbeit“, die von Ingo Hampf, Gitarrist der Mittelalter-Rockband „Subway To Sally“, auf der Barocklaute begleitet wird. Für den letzten Termin am 6. November gibt es bereits eine Warteliste. Dazu kommen noch Falkner-Vorführungen, Seminare, Marstallführungen und Sonderveranstaltungen.

Jede dieser Vorführungen wird bis ins Detail vorbereitet und minutiös durchgeplant. „Es wird wesentlich mehr geplant als geprobt“, so Christin Krischke, „denn wenn meine Reiter eine gute Anweisung haben, bewerkstelligen sie auch die kniffligsten Choreografien.“ jp

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