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Als Kämpfer kompromisslos

Erinnerung an Pastor Mensching Als Kämpfer kompromisslos

50 Jahre nach dem Tod von Pastor Wilhelm Mensching hat ein Gottesdienst an sein umfangreiches und vielfältiges Wirken erinnert. Mensching übte Widerstand gegen die Nazis und initiierte den Aufbau des „Freundschaftsheims“ in Bückeburg.

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Ingmar Everding (links) und Klaus Maiwald präsentieren ein Bild von Ernst Mensching. Der Sohn von Pastor Wilhelm Mensching ist 1944 im Krieg gefallen.

Quelle: mig

Bückeburg. „Es steht dem Manne besser an, die Welt urbar zu machen, als sie zu verwüsten“, antwortete er auf die Frage, was ihn zur Schaffung der Begegnungsstätte bewogen hatte.

 In der Kirche Petzen, dort, wo Wilhelm Mensching 32 Jahre als Pastor tätig war, fand jetzt ein besonderer Gottesdienst statt. 50 Jahre nach seinem Tod erinnerten Mirjam Mahler (Geschäftsführerin des Deutschen Zweiges des Internationalen Versöhnungsbundes), Klaus Maiwald (Geschichtswerkstatt) und Ingmar Everding an unterschiedliche Stationen seines Lebens – vom Widerstand gegen die Nazis bis zum Aufbau des Internationalen Freundschaftsheims in den Sechzigern. Viele in der Friedensbewegung engagierte Menschen hätten dort ihre Ausbildung erfahren, gab Mahler zu verstehen.

 Zwar hätte Mensching – nach den Erfahrungen, die seine Familie im Zweiten Weltkrieg gemacht hat – durchaus Grund gehabt, verbittert zu sein, „er hat sich aber nicht vom Hass verbittern lassen, sondern das Freundschaftsheim gegründet“. Auch unter den Nazis sei Mensching seinem Grundsatz immer treu geblieben: „Widerstand leisten, aber darauf achten, dass niemand verletzt wird.“ Heute gerate der Grundgedanke, dass es Wege gibt, den Teufelskreis der Gewalt zu beenden, immer mehr in Vergessenheit, mahnte Mahler. Gewalt schaffe neue Gewalt und vergrößere das Leid.

 An die Zeit von 1933 bis 1945 erinnerten Maiwald und Everding (beide Geschichtswerkstatt). Typisch war beispielsweise das Verhalten von Wilhelm und Anna Mensching an einem Wahl-Sonntag (beschrieben von ihren Kindern Johanna und Fritz). Kurz zuvor hatte eine Kirchenbesucherin den Pastor vor mit Fett gekennzeichneten Stimmzetteln gewarnt. „Als ich meiner Frau davon berichtete, antwortete sie nur: „Ich kann nicht für Hitler stimmen.“ Was sie auch nicht tat. Im Wahllokal forderte Anna Mensching mit den Worten „Dieser ist beschmutzt“ einen anderen Stimmzettel. In den Erinnerungen heißt es dazu: „Es folgte eine Stille, in der man eine Nadel hätte fallen hören können (...). Dann reichte der Vorsitzende meiner Frau einen anderen Zettel, mit der gleichen Freundlichkeit, in der er angeredet worden war (...). Wir traten an den Tisch am Fenster, schrieben unter den Augen des Aufpassers unser deutliches nein, gaben den Zettel ab, sagten ‚Auf Wiedersehen‘ und gingen.“

 Dass Pastor Mensching keine Kompromisse einging, zeigt der Predigttext des Geistlichen nach der Reichs-Pogromnacht: „Sind wir Gott näher gekommen? Oder sind wir feiger geworden? Haben wir nicht geschwiegen zu all dem Unrecht, das wir gesehen haben?“ Und nach dem Überfall auf die Sowjetunion: „Man glaubt, es geht so herrlich voran, und sieht den Abgrund nicht, wo man hinein taumelt.“ Besonders viel Mut erforderte die Rettung von Ruth Lilienthal, die Pastor Mensching im Pfarrhaus versteckte, sowie die Rettung eines geflohenen russischen Kriegsgefangenen. Traurig stimmte eine Kohlezeichnung von Sohn Ernst, der 1944 im Krieg geblieben war. Das Bild, gemalt von Schwester Johanna, zeigt den jungen Mann nachdenklich und ernst. „Ahnt er bereits, welches Schicksal ihm bevorsteht?“, fragt sich Maiwald beim Blick auf die Zeichnung.

 Es sei „diese ganz persönliche Tragödie, die er mit vielen Millionen Menschen teilte“ gewesen, die Mensching – zusammen mit seinem französischen Freund André Trocme – veranlasst habe, am Bückeburger Weinberg ein Internationales Freundschaftsheim zu gründen. „Ernst“, sagte Maiwald, „sollte nicht umsonst gestorben sein.“ mig

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