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„An den Ohren beiden, Piercing ließ sichnicht vermeiden“

Bückeburg / Modernisierung „An den Ohren beiden, Piercing ließ sichnicht vermeiden“

170 Jahre alt wird 2015 das Kinderbuch „Der Struwwelpeter“ von Heinrich Hoffmann. Es gibt zahlreiche Struwwelpeteriaden, wie die Adaptionen genannt werden.

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Bückeburg. Eine weitere ist dieser Tage unter dem Titel „Der Struwwelpeter 2014 … Welt, in der wir leben“ hinzugekommen. Verfasst hat sie Wilfried Harting, alteingesessenen Bückeburgern noch als Inhaber der gleichnamigen Buchbinderei und Schreibwarenhandlung neben der „Falle“ bekannt.

Der inzwischen in Wennigsen lebende Autor hat den Struwwelpeter und die weiteren Protagonisten des Originals wie den bitterbösen Friedrich, den Zappel-Phillip, den Hans Guck-in-die-Luft, den fliegenden Robert oder die Suppen-Karla ein neues Gewand und eine neue Sprache verpasst. Der in die Jahre gekommene Struwwelpeter kommt traurig im Unterhemd mit schütterem Haar und faltigen Tattoos daher und wird von einem jungen Struwwelpeter mit Punk-Frisur und Piercings ausgelacht: „Ey, da vorne steht er, geil! Der Struwwelpeter! An den Ohren beiden, Piercing ließ sich nicht vermeiden. Tattoos am Körper, ist doch klar. Färben ließ er sich das Haar. Wow! Ruft ein jeder: Was für’n Struwwelpeter!“

Oder der bitterböse Friedrich: „Als Macho macht er sich heraus und riss von seinen Eltern aus. Er sprayte Bahn und Wände rot, wenn Du was sagst, mach ich dich tot!“ In der Geschichte von Suppen-Karla greift Wilfried Harting das Problem der Magersucht auf. Und dem Zappel-Philipp dichtet er ein ADHS-Syndrom an: „Den Eltern sagen Ärzte gar, Rettung seien Pharmaka, klare Regeln für den Sohn, dieses hilft ne Menge schon. Die Therapie ist auch noch wichtig: Mutter meint, dies sei wohl richtig.“ Oder die Geschichte vom „Cyber-Junkie“, der in der Abwesenheit der Mutter nicht die Finger vom Joystick lassen kann: Schon springt der Edward mit der Schere aus dem Screen und schneidet flugs den Joystick ab: „Als die Mutter kommt nach Haus, sieht der Konrad traurig aus. Ohne Joystick steht er dort, und die Spielkonsol’ ist fort.“

„Ich wollte hineinschauen in das tägliche Leben heute und die Geschichten auf die heutigen Begebenheiten umsetzen“, sagte der Autor im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch in seiner Kindheit war der Struwwelpeter schon aus der Zeit gefallen, die Geschichten aber genauso präsent wie Mickey Mouse oder Tarzan. Er habe sich vor den Bildern und Geschichten des Originals schon in der Kindheit gegruselt, war aber gleichzeitig auch fasziniert, sodass er die Geschichten auch seinen Kindern vorgelesen hat. Welche Entwicklung habe die Gesellschaft seit der Erstauflage 1845 durchlaufen? „Für die heutige Jugend ist dies kaum oder gar nicht nachvollziehbar.“

Heute seien die Medien voll von Meldungen, wie schlecht es um uns stehe. Täglich höre er, wie sich Kinder und Jugendliche in der Gesellschaft verhalten und versuchen, sich zu arrangieren. Darüber in Wehgeschrei auszubrechen, sich die Haare zu raufen und den Zeigefinger zu erheben, bringe nicht: „Nicht die Kinder müssen sich ändern und anpassen, sondern die Gesellschaft.“ Und: „Ich will einen Denkanstoß geben.“

Das Buch ist im Eigenverlag erschienen und in der Hofbuchhandlung Frommhold sowie bei Wilfried Harting unter Telefon (05103) 3450 und E-Mail harting@manager58plus.de erhältlich. Es kostet 34,90 Euro.rc

 Wilfried Harting hat in seiner Adaption dem Struwwelpeter ein neues Gewand verpasst und behandelt Themen wie Punk, Cyber-Junkies, ADHS oder Magersucht.rc

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