Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Anhaltende Schwächen und Störungen

Vortrag am Adolfinum Anhaltende Schwächen und Störungen

Die einen sprechen von Legasthenie, die anderen reden von LRS. In beiden Fällen geht es um Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben, die von Dauer sind und sich einfachen Erklärungen wie Faulheit und Nachlässigkeit entziehen.

Voriger Artikel
Wirtschaftsbetriebe machen Gewinn
Nächster Artikel
Weltkriegsmunition am Hafen gefunden

Klar sprechen, aufmerksam zuhören, konzentriert mitschreiben: Uta Livonius gibt im Adolfinum Tipps beim Umgang mit Lese- und Rechtschreibstörung.

Quelle: pr

Bückeburg. Uta Livonius aus Reinbek bei Hamburg referierte im Bückeburger Gymnasium Adolfinum als Expertin für Lese- und Rechtschreibstörung über pädagogische Konzepte.

 Livonius geht davon aus, dass die Zahl der betroffenen Kinder in den kommenden Jahren weiter ansteigt – auch an den Gymnasien. Sie weiß von Eingangsklassen zu berichten, in denen über die Hälfte der Kinder Auffälligkeiten zeige. Widerspruch war nicht zu vernehmen, auch nicht, als die Gymnasiallehrerin beklagte, dass an den Grundschulen leider nicht mehr viel Wert auf die traditionelle Schulung in Orthografie gelegt werde. Die aus der Schweiz eingeschleppte Parole, einfach so zu schreiben, wie man spricht, hält sie geradezu für fatal. Die Orientierung an Druckbuchstaben, so Livonius weiter, schaffe nur vordergründig Vereinfachung. Der Fluss des Wortes und der Strom der Gedanken verlangten doch gerade nach dem Schriftzug von eigener Hand, geordnet nach den geltenden Regeln des Satzbaus und im besten Fall schön anzusehen.

 Unabhängig vom Streit über mögliche organische, soziale oder psychische Ursachen, auch im Hinblick auf die Tastaturen der modernen Kommunikationstechnologie und die Tendenz zur Reizüberflutung auf Frequenz 24/7, skizzierte die Expertin, die als Mutter selbst ihre Erfahrungen mit dieser Herausforderung machen durfte, sinnvolle Entlastungen für die Betroffenen im Arrangement des Unterrichts. Ein Erlass schafft in Niedersachsen Spielraum für die Pädagogen, sie müssen ihn nutzen, um Diskriminierung auszuschließen und Förderung zu gewähren. Voraussetzung für „Nachteilsausgleich“: ein Beschluss der Klassenkonferenz.

 Besonders betonte die Biologin, dass alle Fächer betroffen seien – und gefordert. Textverständnis spiele in Mathematik ebenso eine Rolle wie in der Chemie, auch wenn die zu verfassenden Texte kürzer seien als in Deutsch, Geschichte oder Politik. Livonius kann aus Erfahrung berichten: „Diese Schüler können ihr Wissen leider nicht korrekt darbieten.“ Unter den Fremdsprachen sieht Livonius das Spanische als besonders geeignet an für Schüler, denen schon im Deutschen das korrekte Schreiben dauerhaft und ohne erkennbare Fehlersystematik Probleme bereite.

 Livonius ist es ein besonderes Anliegen, die Schüler aktiv und verantwortlich in die Bearbeitung der Probleme einzubeziehen, Schritt für Schritt und unaufgeregt. Helikoptereltern seien nicht die beste Begleitung, wenn es um Entspannung, Konzentration und Angstfreiheit geht. Ein Attest oder ein Gutachten dürfte kein Freifahrtschein im Labyrinth der Rechtschreibregeln sein. Schulleiter Michael Pavel hatte schon eingangs betont, man wolle jedem Schüler die Kompetenzen vermitteln, die nach der Schulzeit in Studium, Ausbildung und Beruf verlangt würden.

 Als Autorin hat Livonius ihre Tipps einer größeren Leserschaft zugänglich gemacht. Diese reichen vom respektvollen, auf Förderung ausgerichteten Umgang mit dem Schüler, der durch Angst und Scham in einen Teufelskreis des Versagens geraten könnte, über kleine Rituale und inhaltliche Reduzierungen bis zu artikulierter Vortragsweise und geübter Zuhörtechnik. Bei entsprechender Beschlusslage können Lernkontrollen im Fachunterricht der Sekundarstufe I anders konzipiert und bewertet werden.

 Eine Kollegin sprach ein Dilemma an: „Vielleicht will das Kind aber gar nicht, dass die Mitschüler von dem Problem erfahren.“ Nicht erst dabei wurde deutlich, wie wichtig der „Klassengeist“ ist, damit Hänseleien oder Gelächter etwa bei fehlerhaftem Vorlesen keinen positiven Widerhall finden, sondern Missbilligung. Schließlich wusste schon Konrad Duden um die Hürden der Schriftsprache und die Mühen der Textoberfläche. Dass Satzzeichen als Emoticons sogar Freude am Schreiben ausdrücken können, dürfte der Mann der klaren Worte und korrekten Buchstaben nicht geahnt haben. r 

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg